Verdopplung der Antragszahlen für Agroforst-Förderung bundesweit – Neue Richtlinie in Brandenburg
Aktuelle Erfahrungen zeigen: Kombination der Instrumente zur Förderung der Agroforst-
Anlage und Beibehaltung sind zur Potentialentfaltung nötig.
Die Zahl der Förder-Anträge auf die Öko-Regelung 3 (Beibehaltung von Agroforstsyste-
men) hat sich 2026 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Der Deutsche Fachverband für
Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. wertet dies als klares Signal für die Wirksamkeit attrak-
tiver Fördersätze – mahnt zugleich aber an, dass die Beantragung weiterhin unter 10 Pro-
zent der politischen Planung liegt. Ein zentraler Engpass ist die weitgehend fehlende
oder unattraktiv ausgestaltete Anlagenförderung in den Bundesländern.
Zum Antragsjahr 2026 wurde der Fördersatz der Öko-Regelung 3 von zuvor 200 Euro auf
600 Euro je Hektar Gehölzfläche angehoben – ein Beschluss der Agrarministerkonferenz
vom März 2025. Die Reaktion der Praxis ist eindeutig: Die Zahl der zur Förderung ange-
meldeten Agroforst-Streifen hat sich gegenüber 2025 verdoppelt. „Der Zusammenhang
ist offensichtlich: Wenn durch die Förderung Anreize gesetzt werden, entscheiden sich
Betriebe für Agroforst. Die Verdopplung zeigt, dass ein auskömmlicher, verlässlicher För-
dersatz unmittelbar wirkt“, so Dr. Christian Böhm, Vorstandsvorsitzender des DeFAF e. V.
Trotz Verdopplung: weniger als 10 Prozent des geplanten Flächenwachstums
Bei aller positiven Dynamik bleibt die Inanspruchnahme dennoch weiter gering. Gemessen
an den politischen Zielen der Bundesregierung: Der GAP-Strategieplan sah ursprünglich
einen Zuwachs von bis zu 200.000 Hektar Agroforstfläche vor. Das politisch kommuni-
zierte Ziel wurde später auf 11.500 Hektar Agroforstgehölzfläche bis 2027 für Deutsch-
land heruntergestuft, welches vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
im GAP-Strategieplan für die Bundesrepublik Deutschland 2023–2027 (Version 4.0, 21.
Februar 2024) festgehalten wurde. Die tatsächliche Beantragung liegt nach wie vor bei
unter 10 Prozent der Planungsgröße. Die Verdopplung bewegt sich damit auf niedrigem
Ausgangsniveau.
Die Gründe für die insgesamt schleppende Annahme sind vielfältig. Förderpolitisch ent-
scheidend ist: Die Anlagenförderung über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der
Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ 2025-2028 (GAK) ist in den meisten Bundeslän-
dern noch nicht umgesetzt oder wurde unattraktiv ausgestaltet. Vor allem die hohen bü-
rokratischen Anforderungen wirken hemmend.
Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V. Gemeinnütziger Verein nach § 52 AO
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DER VORSTAND
Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: zu viel Bürokratie, zu niedrige Sätze
Ein Beispiel für eine wenig praxistaugliche Ausgestaltung ist Mecklenburg-Vorpommern:
Das Verfahren ist außerordentlich aufwendig und mit einer Vielzahl von Genehmigungen
verbunden. Insbesondere die verpflichtende Einbeziehung der Naturschutzbehörden
führt in der Praxis zu hohem Aufwand und zusätzlichen Kosten. Gleichzeitig sind die För-
dersätze im GAK-Rahmenplan zu niedrig angesetzt – in der Summe ist die Förderung da-
mit nicht attraktiv genug, um Betriebe zur Anlage von Agroforstsystemen zu bewegen.
Brandenburg: vielversprechender Neustart – der Genehmigungsprozess wird ent-
scheiden
Positiv bewertet der DeFAF e.V., dass das Land Brandenburg eine eigene Förderrichtlinie
zur Anlage von Agroforstsystemen mit Festbetragsfinanzierung veröffentlicht hat. Somit
werden Anlagekosten mit bis zu 7.091 Euro pro Hektar Gehölzfläche gefördert. Die Agro-
forst-Landwirtin Maria Giménez aus Trebbin schätzt ein: „Ob die Förderrichtlinie Früchte
trägt, entscheidet sich nun im Genehmigungsverfahren und in der Flexibilität der Behör-
den.“
„Eine effiziente, hinreichend ausgestattete Anlagenförderung ist die Voraussetzung da-
für, dass die Bewirtschaftungsförderung überhaupt greifen kann. Beide Förderinstru-
mente müssen ineinandergreifen.“, betont Agroforst-Landwirt Thomas Domin aus der
Nähe von Senftenberg.
Maria Giménez ist Künstlerin und Land-
wirtin. Der Betrieb Wilmars Gärten vor
den Toren von Berlin bewirtschaftet 5
Hektar Gärten mit bis zu 250 verschie-
denen Gemüsesorten sowie 240 Hek-
tar Acker- und Grünland mit holisti-
schem Weidemanagement, pfluglosem
Ackerbau, pestizidfrei und 80 Hektar
Forst. Giménez hat
als Pionierin bereits
mehr als 100 Hektar
Agroforstsysteme
etabliert und die
Bewirtschaftung der
Landwirtschaft
Umgestellt, um eine
essbare Landschaft
der Zukunft
entstehen zu lassen.
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