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Selbst beim Trinkwasserbrunnen scheiden sich die politischen Lager

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Neue Daten aus dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt
(FGZ) zeigen: AfD-Wähler:innen unterstützen konkrete Maßnahmen zur
Klimaanpassung deutlich seltener als andere Parteiwählerschaften.
Der Sommer 2026 hat mit Hitzewellen und Dürre erneut gezeigt, wie sehr
Städte und Kommunen auf Schutzmaßnahmen wie Trinkwasserbrunnen, begrünte
Fassaden oder weniger Asphalt angewiesen sind.

Anders als beim Verbrenner-
Aus oder bei der Wärmepumpe geht es dabei nicht darum, den Klimawandel zu
bremsen, sondern seine Folgen abzufedern. Doch auch bei diesen konkreten
Schutzmaßnahmen gehen die politischen Einstellungen deutlich auseinander.
Das zeigen neue Daten der Studie STEADY – Sozial-ökologische
Transformation und demokratische Stabilität am Leipziger Standort des
Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ).

Bei allen drei untersuchten Maßnahmen fällt die Zustimmung unter AfD-
Wähler:innen am niedrigsten aus. Öffentliche Ausgaben für
Trinkwasserbrunnen halten 44 Prozent von ihnen für eher oder sehr
akzeptabel. Bei CDU/CSU sind es 57 Prozent, bei der SPD 68 Prozent, bei
der Linken 72 Prozent und bei den Grünen 77 Prozent. Ein ähnliches Muster
zeigt sich bei Dach- und Fassadenbegrünung sowie bei der Entsiegelung
asphaltierter Flächen: Unter AfD-Wähler:innen stimmen hier 43
beziehungsweise 38 Prozent zu, während die Werte in den anderen
Parteiwählerschaften durchweg höher liegen. Dass die Zustimmung auch unter
CDU/CSU-Wähler:innen deutlich höher liegt als unter AfD-Wähler:innen,
zeigt zugleich, dass die Unterschiede nicht einfach einem Gegensatz
zwischen einem grünen und einem konservativen Lager folgen.

„Der Kulturkampf um den Klimawandel endet offenbar nicht bei Wärmepumpe
und Verbrenner. Er erreicht selbst den Trinkwasserbrunnen“, sagt Dr.
Alexander Yendell vom FGZ-Standort Leipzig, der die Daten ausgewertet hat.
„Das ist deshalb bemerkenswert, weil Klimaanpassung eine sehr praktische
Frage ist: Wie schützen wir Menschen vor Hitze, Trockenheit oder
Hochwasser?“

Für die Studie wurden im Mai 2026 insgesamt 1.030 Menschen in Deutschland
befragt; die Angaben zur Parteiwählerschaft beruhen auf einer quotierten
Panelbefragung und sind keine Wahlumfrage (Details siehe Kasten unten).

Klimaskepsis hängt mit der Zustimmung zu Schutzmaßnahmen zusammen
Die FGZ-Daten zeigen zugleich einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung
der Ursachen des Klimawandels und der Bereitschaft, Anpassungsmaßnahmen zu
unterstützen. Während 79 Prozent der Grünen-Wählerschaft den Klimawandel
überwiegend oder ausschließlich auf menschliches Handeln zurückführen,
sind es bei der Linken 76 Prozent, bei der SPD 61 Prozent und bei CDU/CSU
rund 50 Prozent. Unter AfD-Wähler:innen liegt der Anteil bei 28 Prozent.
Je stärker Menschen an der menschlichen Verursachung des Klimawandels
zweifeln, desto geringer fällt ihre Unterstützung für konkrete
Anpassungsmaßnahmen aus – dieser Zusammenhang zeigt sich auch innerhalb
der AfD-Wählerschaft.

„Klimaskepsis bleibt damit nicht auf der Ebene abstrakter Überzeugungen“,
sagt Yendell. „Sie hängt auch damit zusammen, ob Menschen Maßnahmen
befürworten, die sie vor den konkreten Folgen des Klimawandels schützen
sollen.“

Extremwetter beendet politische Konflikte nicht automatisch
Dass zunehmende Hitze, Dürren oder Hochwasser bestehende politische
Gegensätze von selbst auflösen, ist nicht zu erwarten: Forschung aus
Deutschland und den USA zeigt, dass selbst die unmittelbare Erfahrung von
Extremwetter nicht zwangsläufig dazu führt, Klimarisiken stärker
wahrzunehmen. Politische Überzeugungen prägen mit, wie Menschen solche
Ereignisse einordnen.

Für Yendell folgt daraus, bei der Kommunikation über Klimaanpassung
stärker den konkreten Nutzen in den Mittelpunkt zu stellen: Schatten in
aufgeheizten Innenstädten, Trinkwasser an heißen Tagen, Schutz vor
Hochwasser, widerstandsfähigere Infrastruktur. Internationale Studien
deuten darauf hin, dass eine solche Ansprache auch Menschen erreichen
kann, die klimapolitischen Argumenten skeptisch gegenüberstehen.
„Breite Zustimmung ist wichtig. Aber sie darf nicht die Bedingung dafür
sein, dass Menschen vor Hitze und Hochwasser geschützt werden“, sagt
Yendell. „Die Hitze wartet schließlich auch nicht.“

Diesen Fragen geht Yendell auch im EU-Projekt PRO-CLIMATE nach. Im
Leipziger Living Lab untersucht sein Team gemeinsam mit lokalen Akteuren,
wie Klimaanpassung besser vermittelt und umgesetzt werden kann.

Über die Studie
STEADY – Sozial-ökologische Transformation und demokratische Stabilität
untersucht Einstellungen zum Klimawandel und zur sozial-ökologischen
Transformation und ihren Zusammenhang mit politischen Einstellungen und
gesellschaftlichem Zusammenhalt. Für die hier vorgestellte Erhebung wurden
im Mai 2026 1.030 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren in Deutschland
über das Online-Access-Panel von Bilendi befragt, quotiert nach Alter,
Geschlecht und Bildung.

Zum Wissenschaftler
Dr. Alexander Yendell ist Soziologe am Leipziger Standort des
Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Im FGZ forscht
er zu Demokratievertrauen, Populismus und Wahlverhalten in Zeiten
gesellschaftlicher Transformation. Zudem leitet er das Leipziger Team des
europäischen Horizon-Europe-Projekts PRO-CLIMATE, das sich mit
Verhaltensänderungen im Bereich Klimaanpassung beschäftigt.

Zum Blogbeitrag: „Der Kulturkampf erreicht den Trinkwasserbrunnen“
https://fgzrisc.hypotheses.org/8569