Wenn Pilze zur Gefahr für Leber und Leben werden: Leberstiftung informiert über Risiken von Pilzvergiftungen
Pilzfreunde berichteten bereits im Frühjahr 2026 von
Morchelfunden und im Juni wurden in einigen Regionen schon erste
Steinpilze entdeckt. Pilze wachsen das ganze Jahr über. Der
Wachstumsschwerpunkt fällt jedoch in den Spätsommer und Herbst, da die
feuchtwarme Witterung in dieser Zeit ideale Bedingungen schafft. Damit die
noch bis Oktober andauernde Hochphase des Pilzwachstums und der
Sammelaktivität möglichst vergiftungsfrei verläuft, mahnt die Deutsche
Leberstiftung zur Vorsicht beim Sammeln von Pilzen. Nur sicher bestimmte
Pilze gehören in den Kochtopf. Andernfalls drohen lebensbedrohliche
Leberschäden. Im Verdachtsfall sofort medizinische Hilfe und Giftnotruf
kontaktieren.
Wer einen Ausflug in die Natur unternimmt, um sich an der frischen Luft zu
bewegen, Pilze zu sammeln und anschließend zuzubereiten, sollte die damit
verbundenen Gefahren nicht unterschätzen. Jedes Jahr verursacht der
Verzehr von Giftpilzen lebensgefährliche Vergiftungen, die beispielsweise
zu einem Leber- und Nierenversagen führen können. Schwere Pilzvergiftungen
führen dazu, dass Menschen um ihr Leben kämpfen müssen und im schlimmsten
Fall eine Lebertransplantation notwendig wird. Das letzte Jahr (2025) wird
in mehreren Regionen als Jahr mit einer überdurchschnittlichen Zahl an
Anfragen zu Pilzvergiftungen beschrieben. Die Deutsche Leberstiftung sieht
darin einen Anlass, verstärkt über Risiken beim Sammeln von Pilzen sowie
über die Folgen schwerer Pilzvergiftungen für die Leber aufzuklären.
Grüne Knollenblätterpilze – besonders gefährliche Giftpilze
Durch Unachtsamkeit und Unwissenheit – auch bei vermeintlich erfahrenen
Pilzsammlern – kommt es insbesondere in den Monaten mit vermehrtem
Pilzwachstum zu teils lebensbedrohlichen Vergiftungen nach dem Verzehr
giftiger Arten. Einer der gefährlichsten heimischen Giftpilze ist der
Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides), der in Europa zu den
toxischsten Pilzen zählt und für circa 90 Prozent der tödlich verlaufenden
Pilzvergiftungen verantwortlich ist.
Besonders tückisch ist, dass sich erste Symptome häufig erst mehrere
Stunden nach dem Verzehr zeigen. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die
enthaltenen Giftstoffe bereits im gesamten Körper verteilt. Die
lebensbedrohliche Wirkung wird durch das hochgiftige α-Amanitin
verursacht, das vor allem die Leber schwer schädigen und zu akutem
Organversagen führen kann. Kinder und ältere Menschen, bei denen bereits
geringe Mengen zu schweren gesundheitlichen Schäden führen können, sind
besonders gefährdet. Eine möglichst frühzeitige medizinische Behandlung
kann in solchen Fällen entscheidend für den Verlauf sein.
Sichere Pilzbestimmung ist entscheidend
Beim Sammeln von Pilzen ist daher besondere Vorsicht geboten. Fachleute
empfehlen, selbst gesammelte Pilze nur dann zu verzehren, wenn eine
sichere Bestimmung durch erfahrene Sammler gewährleistet ist – bestenfalls
sollte ein Pilzsachverständiger hinzugezogen werden. Auch das gemeinsame
Sammeln mit erfahrenen Pilzkennern kann helfen, Risiken deutlich zu
reduzieren. Von einer alleinigen Bestimmung mithilfe von Pilzführern oder
Apps wird ausdrücklich abgeraten, da sich viele Arten anhand von Fotos
kaum zuverlässig unterscheiden lassen. Verwechslungen können unter anderem
bei jungen oder noch nicht vollständig ausgebildeten Pilzen auftreten.
Auch vermeintlich bewährte „Hausregeln“ wie ein Befall durch Maden oder
Schnecken als Zeichen der Ungiftigkeit sind nicht verlässlich und können
zu Fehleinschätzungen verleiten. Beispielsweise wird der für Menschen
hochgiftige Grüne Knollenblätterpilz von Schnecken problemlos gefressen.
Eine sichere Alternative zu möglicherweise giftigen Pilzfunden sind
geprüfte Speisepilze aus dem Handel.
Erste Maßnahmen bei einer Pilzvergiftung
Pilzvergiftungen können nach dem Verzehr giftiger Arten ebenso auftreten
wie durch falsch gelagerte oder unsachgemäß zubereitete Speisepilze. In
der Medizin wird dabei zwischen sogenannten echten Vergiftungen durch
Giftpilze und unechten Vergiftungsreaktionen unterschieden. In beiden
Fällen gilt: Je schneller gehandelt wird, desto besser sind die
Behandlungschancen. Zu den typischen Symptomen einer Pilzvergiftung zählen
unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche und
Benommenheit. Wie Betroffene sich verhalten sollten, erläutert Prof. Dr.
Markus Cornberg, Medizinischer Geschäftsführer der Deutschen
Leberstiftung: „Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte umgehend ein
Giftinformationszentrum kontaktiert, der Notarzt gerufen oder das nächste
Krankenhaus aufgesucht werden. Zur Unterstützung der Diagnose sollten
Pilzreste, Speisereste oder Erbrochenes möglichst aufbewahrt und dem
medizinischen Personal übergeben werden. Dies kann helfen, die Art der
Vergiftung schneller zu bestimmen und eine gezielte Behandlung
einzuleiten. Außerdem sollten alle Personen informiert werden, die von
derselben Pilzmahlzeit gegessen haben, damit sie auf mögliche Symptome
achten und bei Beschwerden ebenfalls umgehend medizinische Hilfe in
Anspruch nehmen können. Von vermeintlichen Hausmitteln wie ‚Milch trinken‘
oder dem absichtlichen Auslösen von Erbrechen ist dringend abzuraten.
Erbrochenes kann in die Atemwege gelangen, und Milch kann die Aufnahme
bestimmter Giftstoffe sogar begünstigen und die Situation verschlimmern.“
Fachkundige Unterstützung bei der Pilzbestimmung
Wer Pilze sammelt und sich bei der Bestimmung nicht absolut sicher ist,
sollte fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen. Pilzsachverständige prüfen
Funde und helfen, gefährliche Fehlbestimmungen zu vermeiden.
Ansprechpartner finden sich bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie
(DGfM); zudem bieten viele Städte und Gemeinden während der Pilzsaison
fachkundige Beratungen oder Pilzkontrollstellen an.
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung in medizinischen Fragen. Auf der Website
finden Sie umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene,
Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter: https://www
.deutsche-leberstiftung.de.
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