Neue Recherchehilfe: Journalismus zwischen Landwirtschaft und Naturschutz
Kontaktmakler, Themendossiers und fachlicher Austausch: Kostenlose
neutrale Angebote der Uni Hohenheim unterstützen Medienschaffende
Konflikte differenziert recherchieren, unterschiedliche Perspektiven
sichtbar machen und belastbare Lösungsansätze finden: Ein Forschungs- und
Entwicklungsprojekt der Universität Hohenheim in Stuttgart will den
Journalismus im Spannungsfeld von Landwirtschaft und Umweltschutz stärken.
Beide Bereiche sind eng miteinander verbunden – in der öffentlichen
Debatte werden ihre Interessen jedoch häufig als Gegensätze dargestellt.
Um einen konstruktiven Dialog zu fördern, vernetzt die Plattform
„Dazwischen“ Journalist:innen untereinander sowie mit Wissenschaft und
Praxis. Dabei legt sie besonderen Wert auf Neutralität. Interessierte
können sich unter https://www.dazwischen.media/ registrieren.
Maßnahmen des Natur- und Umweltschutzes können aus gesellschaftlicher
Perspektive sinnvoll sein. Von landwirtschaftlichen Betrieben werden sie
jedoch oft als Einschränkung ihrer unternehmerischen Handlungsspielräume
oder als existenzielle Belastung wahrgenommen. Unterschiedliche
Erfahrungen, Interessen und Zielsetzungen prägen den öffentlichen Diskurs
und führen nicht selten zu verhärteten Fronten.
Eine biodiversitätsfreundlichere und zugleich zukunftsfähige
Landwirtschaft braucht jedoch mehr als die Auseinandersetzung über
unterschiedliche Positionen. Sie braucht Wissen übereinander, Verständnis
füreinander und einen Dialog, in dem auch Gemeinsamkeiten und mögliche
Lösungen sichtbar werden. Journalist:innen stehen dabei vor der
Herausforderung, komplexe Zusammenhänge einzuordnen, kontroverse
Positionen abzubilden und verlässliche Informationen sowie kompetente
Gesprächspartner:innen zu finden.
Konflikte verstehen, Lösungen sichtbar machen
Das Forschungsprojekt „Dazwischen“ setzt bei der Frage an, wie
Journalismus in einem polarisierten Themenfeld zu einer differenzierten
und faktenbasierten Debatte beitragen kann. „Konflikte zu benennen und
einzuordnen, ist eine zentrale journalistische Aufgabe. Und insbesondere
bei komplexen Konflikten, wie zwischen Landwirtschaft und Naturschutz muss
er genau hinschauen: Wo liegen tatsächliche Konflikte, wo
Scheinwidersprüche und wo funktionieren Lösungen bereits?“, sagt
Projektleiter Leon Lorek.
„Dazwischen“ möchte einen Journalismus unterstützen, der kritisch
recherchiert, Interessen transparent macht und Konflikte verständlich
erklärt – und zugleich zeigt, wo Lösungen entstehen und was sich daraus
lernen lässt. Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen, ohne
Konflikte zu verharmlosen oder künstliche Harmonie zu schaffen.
Zwei Angebote für die journalistische Recherche
Gemeinsam mit Journalist:innen aus dem Agrar- und Umweltjournalismus
entwickelten die Forschenden unter der Leitung von Leon Lorek, Prof. Dr.
Wolfgang Schweiger und Prof. Dr. Andrea Knierim wissenschaftlich fundierte
Angebote, die Journalist:innen und Publizist:innen in ihrer Arbeit
unterstützen.
Marktanalysen, Leitfadeninterviews und Workshops mit Medienschaffenden
zeigten, welche Weiterbildungs-, Informations- und Vernetzungsangebote im
journalistischen Alltag besonders benötigt werden. Daraus entstanden zwei
miteinander verknüpfte Angebote: ein Kontaktmakler für die gezielte Suche
nach Expert:innen sowie eine Community aus Medienschaffenden für den
fachlichen Austausch.
„Dazwischen“-Community: Austausch mit Kolleg:innen
Einen geschützten Raum für den fachlichen Austausch bietet journalistisch
arbeitenden Menschen aus den Bereichen Landwirtschaft und Umweltschutz die
„Dazwischen“-Community. Geplant sind regelmäßige digitale Treffen sowie
ein Forum für Fragen, Recherchehinweise, Studien, Medienbeiträge und
Themenideen.
Die Community versteht sich ausdrücklich nicht als weiterer Marktplatz für
vorbereitete Verbands- oder PR-Botschaften. Im Mittelpunkt stehen deshalb
Fragen aus dem journalistischen Alltag: Welche Konflikte werden häufig
verkürzt dargestellt? Welche Studien sind relevant? Welche Betriebe,
Projekte oder Wissenschaftler:innen könnten für eine Recherche interessant
sein?
Themendossiers als Recherche-Unterstützung
Monatlich werden von Mitgliedern der Community Themendossiers erarbeitet.
Dabei handelt es sich nicht um fertige Publikumsartikel. Vielmehr ordnen
die Dossiers Themen ein, zeigen Konfliktlinien und Lösungsansätze auf und
verweisen auf interessante Projekte, Akteur:innen und weiterführende
Kontakte. So eröffnen sie konkrete Recherchepfade: Wo wird etwas
ausprobiert? Was funktioniert? Wo scheitern Ansätze? Und was lässt sich
daraus lernen?
Bisher sind bereits Dossiers zu Bodenschutz, Paludikultur, Agroforst sowie
extensiver Beweidung entstanden. Weitere können von den Community-
Mitgliedern selbst erarbeitet werden. Darüber hinaus ist ein gemeinsamer
journalistischer Sammelband geplant, der das Themenfeld aus
unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Kontaktmakler: Schnell passende Expert:innen finden
Der öffentlich zugängliche Kontaktmakler erleichtert Medienschaffenden den
Zugang zu wissenschaftlicher Expertise. Die in der Datenbank hinterlegten
Profile von Forschenden enthalten unter anderem Arbeitsschwerpunkte,
Regionen, ausgewählte Publikationen oder Projekte sowie Kontaktdaten.
Neben etablierten Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen finden sich
dort auch Menschen an den Schnittstellen von Forschung und Praxis, wie
beispielsweise Projektleiter:innen, Berater:innen oder Koordinator:innen
von Modellregionen. Expert:innen, die in der öffentlichen
Berichterstattung bislang seltener zu Wort kommen, sollen so leichter
gefunden werden.
Netzwerk statt weiterer Debattenplattform
Die Angebote sind miteinander verknüpft: Aus der Community können Themen
für Dossiers entstehen, die Dossiers machen Expert:innen und Projekte
sichtbar, und über den Kontaktmakler können daraus neue Recherchen und
Gespräche entstehen. So soll langfristig ein Netzwerk entstehen, das
journalistische Arbeit unterstützt und den Austausch zwischen
Wissenschaft, Praxis und Medien stärkt.
Einladung an Medienschaffende, sich zu registrieren
Die Plattform richtet sich an Journalist:innen sowie journalistisch
arbeitende Kommunikator:innen, die zu Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung,
Klima, Biodiversität oder ländlichen Räumen arbeiten oder künftig zu
diesen Themen recherchieren möchten.
„Dazwischen“ ist unter http://dazwischen.media erreichbar. Die
Registrierung für die Community ist unter http://dazwischen.media/regist
möglich. Die Anmeldungen werden vom Projektteam geprüft und
freigeschaltet. Der Kontaktmakler ist ohne Registrierung frei
durchsuchbar.
HINTERGRUND: Projekt „Dazwischen – Journalismus im Konfliktfeld
Landwirtschaft und Naturschutz“
Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Dazwischen" wurde 2024 an der
Universität Hohenheim gestartet und baut auf dem vorangegangenen Projekt
„Ackerkom" auf, in dem der Diskurs zwischen Landwirtschaft und Naturschutz
sowie die Ursachen für den anhaltenden Konflikt untersucht wurden. Der
Ausgangspunkt für „Dazwischen" war die Beobachtung, dass Journalist:innen
für eine lösungsorientierte Bearbeitung dieses Konfliktfelds mehr
Ressourcen benötigen.
Die kostenlosen Angebote wurden in mehreren empirischen Schritten und
gemeinsam mit Journalist:innen entwickelt. Das Projekt wird von Leon
Lorek, Prof. Dr. Wolfgang Schweiger und Prof. Dr. Andrea Knierim an der
Universität Hohenheim geleitet und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit
Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und
nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Weitere Informationen und Registrierung:
https://dazwischen.media
