Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, west-östliche Verflechtungen: Das neue akademische Jahr am Forum Transregionale Studien
Mit dem akademischen Jahr 2026/27 beginnt am Forum Transregionale Studien
ein neuer Fellowjahrgang: 45 Wissenschaftler:innen aus 21 Ländern forschen
in Berlin und anderen europäischen Städten zu Fragen von Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit, Migration, Geschichts- und Kulturerbepolitik, zu
Emanzipation sowie kulturellem und gesellschaftlichem Wandel in Zeiten
pluraler Krisen. Die Fellows des Forums erhalten die Möglichkeit während
ihres Stipendiums an ihren eigenen Projekten zu arbeiten und sich im
Rahmen der Forschungsprogramme des Forums mit Kolleg:innen in Deutschland
und andernorts auszutauschen und zu vernetzen.
Die Leitidee des Forschungsprogramms »Europe in the Middle East – the
Middle East in Europe« (EUME) ist die Erforschung der Verflechtungen und
Grenzziehungen in und zwischen Europa und dem Nahen Osten. EUME bietet
einen Freiraum zur Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen von
Politik, Gesellschaft und Kultur in Zeiten des Umbruchs mit Fokus auf die
Länder des Nahen Ostens. Der Literatur- und Geschichtswissenschaftler
Alexander Jabbari untersucht in seinem Vorhaben »The Grammar of Persianate
Islam: Science, Sociability, and the Sacred in the Early Modern Muslim
East« anhand frühneuzeitlicher persischsprachiger Werke zu Grammatik,
Lexikographie und Rhetorik, welche Rolle Grammatik für Bildung,
gesellschaftliche Wissensformen und die Stellung des Persischen im Islam
spielt(e). Die Literaturwissenschaftlerin Saniya Taher zeichnet in ihrem
Projekt »From Blida to East Berlin: Alice Cherki and the Transnational
Formation of Postcolonial Psychiatry« am Beispiel der algerisch-
französischen Psychoanalytikerin Alice Cherki die transnationalen Wege und
Transformationen psychiatrischen und psychoanalytischen Denkens zwischen
Nordafrika, Europa und der DDR im Kontext von Dekolonisierung, Sozialismus
und Kaltem Krieg nach. In ihrem Forschungsprojekt »The Politics of
Intention in the Age of AI« geht die Kulturwissenschaftlerin Liron Mor der
Frage nach, wie Absicht in politischen und juristischen Verfahren als
Instrument von Kontrolle, Kolonisierung und Rassifizierung wirkt und wie
neue Technologien wie KI verändern, was als „Wahrheit“ und als
beabsichtigtes Handeln gilt.
Im Fokus des ERC-Forschungsprojektes von Banu Karaca, »Beyond Restitution:
Heritage, (Dis)Possession and the Politics of Knowledge (BEYONDREST)«,
steht die Frage, ob die Restitution von gewaltsam enteigneten Kunst- und
Kulturgütern nicht erst der Ausgangspunkt für eine neue Art der
Wissensproduktion über kulturelles Erbe sein kann, der auch das soziale
Leben und Umfeld der Dinge, die Gesellschaften und Menschen aus den
Ländern, aus denen die Objekte stammen, in den Blick nimmt.
»re:constitution – Exchange and Analysis on Democracy and the Rule of Law
in Europe« ist ein dezentrales, europaweites Programm, das seinen Fellows
ermöglicht, sich an Einrichtungen rechtswissenschaftlicher Forschung oder
Praxis in verschiedenen Ländern der Europäischen Union mit Fragen von
Demokratie und Rechtstaatlichkeit auseinanderzusetzen: Der
Rechtswissenschaftler Piotr Krajewski untersucht zum Beispiel die Frage,
ob die EU-Maßnahmen im Bereich kritischer Rohstoffe ein schmutziger Weg in
eine saubere Zukunft sind. Die Journalistin Valentine Pasquesoone, die
unter anderem zu Migration, Menschenrechten und Ungleichheit für
franceinfo.fr berichtet, geht der Frage nach, inwiefern der neue EU-
Migrations- und Asylpakt Überlebende sexueller und geschlechtsspezifischer
Gewalt schützt oder deren Rechte gefährdet. Volha Davydzik,
Politikwissenschaftlerin und -philosophin, fragt, inwiefern autoritäre
Regierungsführung nach den Massenprotesten in Belarus und Georgien zur
Kriminalisierung digitaler Teilhabe führt.
Aus der Forschungsgruppe Prisma Ukraïna: War, Migration, Memory sind drei
Open-Access Publikationen in der Reihe der Forum Transregionale Studien –
Dossiers im transcript Verlag hervorgegangen, die sich mit den Erfahrungen
von Vertreibung und Zerstörung befassen, die Gesellschaft und Gedächtnis
prägen. Am 15. Oktober 2026 steht bei der Online-Vorstellung des kürzlich
erschienenen Bands „Fragmented Lives in Times of War: Displacement Within
and From Ukraine”, herausgegeben von Lidia Kuzemska, im Mittelpunkt, wie
Ukrainer:innen die Erschütterungen des Krieges, Flucht, Migration und
Immobilität in Ländern der EU und innerhalb der Ukraine erleben und
deuten. Am 23. November 2026 wird Yelizaveta Landenberger in einer
gemeinsamen Buchdiskussion mit den Herausgeberinnen Viktoriya Sereda,
Natasha Klimenko und Lidia Kuzemska die zentralen Fragen der drei Bände
erörtern.
Die Fellows des Forums sind – je nach fachlicher Spezialisierung – an
Universitäten und Forschungseinrichtungen in Berlin und anderen
europäischen Städten assoziiert. Sie präsentieren und diskutieren ihre
Arbeiten regelmäßig in Seminaren, Konferenzen und Workshops. Über die
Wissenschaftskommunikation des Forums stehen ihnen Formate, Ressourcen und
Infrastrukturen der Vernetzung, Zusammenarbeit und Publikation zur
Verfügung. Auf dem »TRAFO – Blog for Transregional Research« werden die
Debatten, Ideen und Forschungsergebnisse einer größeren Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Termine und weitere Informationen entnehmen Sie bitte
unserer Homepage.
