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Existenzielle Risiken für die Menschheit

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Wie lassen sich Risiken erkennen, bewerten und verringern, die die
Grundlagen unserer Zivilisation und das Überleben der Menschheit bedrohen
könnten? Mit dem neuen Lehrprojekt „Existential Risks to Humanity“ bündelt
die FernUniversität in Hagen Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen.
Das englischsprachige Modul startet im Wintersemester 2026/27 und
verbindet interdisziplinäre Forschung mit innovativer Lehre.

Atomkrieg, Klimawandel, globale Ernährungskrisen bis hin zu Risiken durch
Künstliche Intelligenz: Mit möglichen existenziellen Szenarien beschäftigt
sich ein neues Lehrprojekt der FernUniversität. Das einsemestrige Modul
„Existential Risks to Humanity“ richtet sich an Studierende aller
Fakultäten. „Wer Risiken nicht erkennt, kann sie kaum vermeiden oder
begrenzen“, sagt Jun.-Prof. Dr. Julius Weitzdörfer. „Unser Ziel ist es,
Studierende dafür zu sensibilisieren, wie globale Risiken entstehen,
zusammenwirken und sich eindämmen lassen.“
Das interdisziplinäre Projektteam um den Rechtswissenschaftler bringt
unter anderem Perspektiven aus Umweltwissenschaften, Mathematik,
Informatik, Psychologie, Geschichte, Ökonomie, Politikwissenschaft bis hin
zu Philosophie und Rechtswissenschaft zusammen. Denn existenzielle Risiken
lassen sich kaum aus der Perspektive einer einzelnen Disziplin verstehen.
„Die großen Risiken des 21. Jahrhunderts kennen keine Fächergrenzen“,
betont Weitzdörfer. „Ökologische, technologische und politische
Entwicklungen sind eng miteinander verknüpft. Deshalb müssen wir sie auch
gemeinsam betrachten.“ Weitzdörfer forscht unter anderem zu
Risikoregulierung, Technologiepolitik und Umweltrecht. Angestoßen wurde
sein Schwerpunkt durch die Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011.

Lernen mit Zukunftsszenarien
Neben wissenschaftlichen Grundlagen setzt das Lehrprojekt auf interaktive
Lernformate. In zwei Simulationsübungen beschäftigen sich die Studierenden
mit möglichen Zukunftsszenarien. In einem Storytelling-Format entwickeln
sie gemeinsam ein Szenario zur weltweiten Nahrungsversorgung:
Ausgangspunkt ist ein erneuter Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien.
Die damit verbundene Abkühlung des Weltklimas könnte Ernten
beeinträchtigen und globale Hungersnöte auslösen. Die Studierenden
untersuchen die möglichen Folgen für Ernährungssysteme und Gesellschaften.
Genutzt wird hier die ParEvo Methodik, mit der in einem webgestützten
Prozess das partizipative Erforschen alternativer Zukünfte möglich wird.
In der moderierten Simulation „Intelligence Rising“ setzen sie sich mit
möglichen Entwicklungen Künstlicher Intelligenz auseinander. Sie
übernehmen Rollen von Staaten, internationalen Organisationen und
Unternehmen und müssen auf technologische, wirtschaftliche und
geopolitische Veränderungen reagieren.
Die mit 30 Studierenden bewusst kleine Gruppe ist Teil des Konzepts: In
der zweijährigen Erprobungsphase will das Projektteam das Lehrangebot
gemeinsam mit den Studierenden weiterentwickeln und untersuchen, welche
Kompetenzen die unterschiedlichen Lernformate vermitteln.

Hohe Nachfrage und internationale Perspektive
Das Modul startet im Wintersemester 2026/27 mit 10 ECTS-Punkten. Es sind
bereits mehr als 70 Bewerbungen eingegangen. Weitere Bewerbungen von
FernUni-Studierenden sind zum Sommersemester 2027 möglich.
Von Beginn an ist das Lehrangebot so konzipiert, dass es perspektivisch
auch an anderen Hochschulen eingesetzt werden kann. Nach der Entwicklungs-
und Erprobungsphase sollen die Lehrmaterialien als Open Educational
Resources öffentlich und international zugänglich gemacht werden.
„Keine Regierung kann globale Risiken alleine bewältigen“, sagen die
Projektmitarbeiter Joel Christoph und Dr. Florian Ulrich Jehn. „Deshalb
beginnt Risikovorsorge mit Bildung und Bewusstsein. Genau dazu wollen wir
mit dem Kurs beitragen.“

Angesichts der wachsenden Bedeutung der globalen Risikobewertung haben
Jun.-Prof. Julius Weitzdörfer und Dr. SJ Beard (Cambridge) ein Konzept für
einen interdisziplinären Kurs zu existenziellen Risiken entwickelt. Dieser
baut auf früheren Arbeiten am Centre for the Study of Existential Risk
(University of Cambridge) auf, dem beide Forschende weiter verbunden sind.
Das Projekt zur Umsetzung, Einführung, Evaluation und Weiterentwicklung
des Moduls ist im April 2026 an der FernUniversität in Hagen gestartet und
läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren. Gefördert wird es von der
Stiftung Innovation in der Hochschullehre mit gut 360.000 Euro. Im Fokus
stehen dabei die Entwicklung und Erprobung innovativer didaktischer
Methoden. Mit Dr. Florian Ulrich Jehn, Dr. Felix Jawinski und Joel
Christoph sind drei wissenschaftliche Mitarbeitende im Projekt tätig.