Erfolgreicher Gemeinschaftskongress: 1.200 Teilnehmende diskutieren Zukunft der Altersmedizin und Alternsforschung
Wie verändern demografischer Wandel, medizinische Innovationen sowie
gesellschaftliche und technologische Umbrüche das Altern – und welche
Konsequenzen hat das für die Altersmedizin und die Alternsforschung? Diese
wichtigen Fragen standen im Mittelpunkt des interdisziplinären
Gemeinschaftskongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und
der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) vom 23.
bis 26. September 2026 auf dem Gelände der Goethe-Universität in Frankfurt
am Main. Ein neuer Rekord von 1.200 Teilnehmenden, renommierte Keynote-
Speaker aus sieben Ländern und rund 100 Symposien und Sessions zahlen auf
eine positive Bilanz ein.
Die Kongresspräsidenten Prof. Michael Denkinger (DGG) und Prof. Dr. Hans-
Werner Wahl (DGGG) werten insbesondere die hohe Beteiligung bis zum
letzten Kongresstag und die starke Präsenz des wissenschaftlichen
Nachwuchses als wichtiges Signal für die Zukunft der Fachgebiete.
Für die Geriatrie zeichnen sich erhebliche Veränderungen der
Rahmenbedingungen ab. Insbesondere die aktuellen Reformvorhaben im
Gesundheitswesen und die Weiterentwicklung der OPS-Strukturen könnten die
Versorgung älterer Menschen beeinflussen. Das thematisierte unter anderem
auch der Internist und Intensivmediziner Prof. Christian Karagiannidis in
seiner Keynote und diskutierte neue notfallmedizinische Konzepte für
geriatrische Patienten. „Wir müssen Risiken und Chancen der Veränderungen
benennen und sie mitgestalten, statt ihnen hinterherzulaufen, aber auch
deutlich kommunizieren, wenn wir sehen, dass Neuerung nur dazu genutzt
werden, evidenz-basierte, wirksame funktionelle Medizin zu unterlaufen“,
kommentierte DGG-Kongresspräsident Prof. Michael Denkinger.
Zugleich zeigte der Kongress, wie eng klinische Geriatrie und
Alternsforschung miteinander verbunden sind. Die hohe Beteiligung, die
Qualität der internationalen Keynotes und der intensive Austausch zwischen
den Disziplinen wurden von den Kongresspräsidenten als besondere Stärke
der Veranstaltung hervorgehoben.
Altern neu denken
Auch die Alternsforschung steht vor neuen Herausforderungen.
Gesellschaftliche Umbrüche, technologische Entwicklungen, vor allem durch
KI, und veränderte Lebensläufe beeinflussen, wie Menschen altern und wie
Alter gesellschaftlich wahrgenommen wird. Der Gerontologe und Soziologe
Prof. Richard Settersten von der Oregon State University konzentrierte
sich in seiner Keynote daher auf das Altern in einer Welt der andauernden
Polykrise. „In einer zunehmend disruptiven Welt wird sich auch Altern
erneut deutlich verändern“, erklärt DGGG-Kongresspräsident Prof. Hans-
Werner Wahl. Gleichzeitig habe seiner Meinung nach der Kongress gezeigt,
dass die Diskussion über Langlebigkeit nicht auf den „Longevity“-Aspekt
reduziert werden dürfe. Vielmehr gehe es um ein differenziertes
Verständnis des Alterns und der Lebenslagen älterer Menschen.
Nachwuchs, Internationalität und Interdisziplinarität als Zukunftsthemen
Die vielfältigen Aktivitäten der Jungen Geriatrie und die Etablierung der
neu gegründeten Jungen Gerontologie auf dem Kongress unterstrichen die
Bedeutung des Nachwuchses für die Zukunft der Fachgebiete.
Im Programm vertreten waren zudem die Schwestergesellschaften aus
Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Diese internationale Vernetzung
soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.
„Wir können nach dem Kongress ein differenzierteres Altersbild in die
Gesellschaft und Politik tragen!“
Für Hans-Werner Wahl gehört es zu den zentralen Aufgaben von Gerontologie
und Geriatrie, wissenschaftliche Erkenntnisse auch in die
gesellschaftliche Debatte einzubringen. „Ein differenziertes Altersbild in
die Gesellschaft und Politik tragen – das können wir alle nach diesem
Kongress noch besser!“, lautet sein Fazit.
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen, Herausforderungen beim Thema
Weiterbildung und der noch unzureichenden Definition wichtiger
geriatrischer Syndrome gelte es zudem, das Erreichte selbstbewusst nach
außen zu vertreten und die zentralen Anliegen der Geriatrie auch politisch
einzubringen, ergänzt Michael Denkinger für die Geriatrie.
Mit Blick in die Zukunft möchten beide Kongresspräsidenten die
Zusammenarbeit weiter verstärken. „Ein zentraler Erfolg des Kongresses war
die gelebte Interdisziplinarität, die beide Fachgesellschaften voranbringt
und die wir für die Zukunft auch unbedingt brauchen“, sind sich beide
einig.
