EE-Standortfinder hilft bei der Suche nach geeigneten Flächen für Wind- und Solarenergie / Interaktives Webtool online
Wo in Deutschland gibt es gute Voraussetzungen für eine Windenergieanlage?
Welche Flächen kommen für Photovoltaik-Freiflächenanlage
spricht für oder gegen potenzielle Standorte? Antworten liefert der EE-
Standortfinder. Die interaktive und frei verfügbare Webanwendung, die das
UFZ gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS)
entwickelt hat, identifiziert und bewertet potenzielle Standorte für neue
Windenergie- und Photovoltaik-Freiflächenanlage
erster Linie an Kommunen, Energieagenturen und Beratungsunternehmen,
Akteure der Raum-, Regional- und Anlagenplanung, aber auch an die
interessierte Öffentlichkeit.
Für die Energiewende braucht es dringend bundesweit geeignete Flächen.
Doch die Suche nach Standorten ist schwierig und die Diskussionen vor Ort
oft emotional aufgeladen, da unterschiedliche Interessen, räumliche
Anforderungen und fachliche Belange aufeinandertreffen. „Viele
Informationen, die bei einer Standortauswahl eine wichtige Rolle spielen,
liegen zwar bereits als räumliche Daten vor. Sie stammen jedoch aus
unterschiedlichen Quellen und sind ohne vertiefte GIS-Kenntnisse häufig
nur sehr aufwendig auszuwerten“, sagt Nora Mittelstädt, die am UFZ das
Projekt „EE-Standortfinder“ leitet. Die UFZ-Webanwendung bereite die
relevanten Informationen so auf, dass Standortpotenziale und mögliche
Zielkonflikte frühzeitig sichtbar werden.
So bewertet der EE-Standortfinder auf einer interaktiven Deutschlandkarte
mittels einer Farbskala, wie gut potenzielle Standorte für
Windenergieanlagen (WEA) und Photovoltaik (PV)-Freiflächen geeignet sind.
Die farbliche Einstufung gibt an, wie günstig die Voraussetzungen aus
rechtlicher, technischer und ökologischer Perspektive sind: „hoch“ (grün),
„mittel“ (gelb), „eingeschränkt“ (rot). Grau sind jene Flächen markiert,
auf denen eine Nutzung aus rechtlichen, technischen und ökologischen
Gründen ausgeschlossen ist. Für die Einschätzung werden bei potenziellen
WEA-Standorten insgesamt 54 Bewertungskriterien herangezogen. Dazu zählen
Vegetation, Schutzgebietskategorien ebenso wie Siedlungsgebiete,
Wasserflächen und Verkehrsinfrastruktur. Berücksichtigt werden auch die
Kollisionsgefahren von Windenergieanlagen mit Brutvogelarten wie Rotmilan,
Uhu oder Seeadler sowie der Biodiversitätsflächenindikator des Leibniz-
Instituts für ökologische Raumentwicklung, der die Qualität und
Vielseitigkeit von Biotoptypen als Lebensraum für verschiedene Arten
bewertet. Das Potenzial der Freiflächen-PV wird anhand von 42 Kriterien
bewertet. Dazu gehören nicht nur gängige Kriterien wie etwa Vegetation,
Schutzgebietskategorien, Siedlungs- und Wasserflächen oder
Verkehrsinfrastruktur, sondern als besonderes Kriterium beispielsweise
eine Abschätzung des ackerbaulichen Ertragspotenzials der Böden. Die
Bewertungskriterien werden hinsichtlich ihrer Eignung für den Bau einer
Anlage als „geeignet“, „bedingt geeignet“ oder „nicht geeignet“
aufgeführt.
Konkret können Nutzer:innen die potenziellen WEA und PV-Freiflächenanlagen
an der gewünschten Stelle auf der Karte platzieren und die Standorteignung
anhand der Kriterien bewerten lassen. Je mehr Kriterien „geeignet“ sind,
desto günstiger sind die Voraussetzungen für einen möglichen Standort.
Ergänzend dazu schätzt der EE-Standortfinder für die Windenergie- und
Photovoltaikanlagen, wie hoch der voraussichtliche jährliche Energieertrag
und der finanzielle Mehrwert für die Kommunen im 2.500-Meter-Umkreis oder
die Standortkommune ausfallen würde. Somit können die Beträge in einer
Gesamtabwägung Beachtung finden, und kommunale Akteure und die
Zivilgesellschaft erhalten entsprechende Orientierung für ihre
Beteiligungs- und Haushaltsplanung. „Der EE-Standortfinder trifft keine
automatisierte Entscheidung über den besten Standort, sondern liefert eine
transparente und nachvollziehbare Informationsgrundlage und kann so lokale
Planungs-, Beratungs- und Beteiligungsprozesse unterstützen“, sagt Nora
Mittelstädt.
Die Anwendung richtet sich unter anderem an Kommunen, Energieagenturen und
Beratungsunternehmen, Akteure der Raum- Regional- und Anlagenplanung sowie
an die interessierte Öffentlichkeit. „Die Energiewende entscheidet sich
auch vor Ort. Mit dem EE-Standortfinder kann man frühzeitig erkennen, wo
gute Voraussetzungen für Wind- und Solarenergie bestehen und wo mögliche
Konflikte liegen“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter David Manske,
der die Anwendung mitentwickelt hat.
Der EE-Standortfinder ist aber nicht nur ein wichtiges ergänzendes
Planungsinstrument, sondern auch Gegenstand sozialwissenschaftlicher
Forschung: RIFS-Forschende untersuchen, welchen Einfluss die Webanwendung
auf Beratungs- und Beteiligungsprozesse in der Praxis und damit auf
spätere Standortentscheidungen hat. Dabei gehen sie zum Beispiel der Frage
nach, ob der Einsatz des digitalen Entscheidungstools dazu beiträgt,
Konflikte frühzeitiger sichtbar zu machen, und ob das die Akzeptanz und
Legitimität späterer Standortentscheidungen erhöht.
Gefördert wurde das Vorhaben vom Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie und durchgeführt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH
(UFZ) und dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit Helmholtz-Zentrum
Potsdam (RIFS).
