Fünf Millionen Euro Förderung für die praktische Umsetzung klimaresilienter Landwirtschaft
Agroforstwirtschaft kann durch die Kombination von Gehölzen mit
Ackerkulturen und/oder Tierhaltung dazu beitragen, Böden zu schützen,
Wasser in der Landschaft zu halten und landwirtschaftliche Betriebe an den
Klimawandel anzupassen. Um solche Ansätze stärker in die Praxis zu
bringen, bauen die Universität Münster, der Westfälisch-Lippische
Landwirtschaftsverband, der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft
und die Joachim Herz Stiftung das agroforst innovate! center auf. Die
Stiftung fördert das Vorhaben mit fünf Millionen Euro. In einem
Landschaftslabor in Steinfurt werden neue wirtschaftlich tragfähige
Lösungen unter realen Bedingungen erprobt und für andere Betriebe nutzbar
gemacht.
Trockenperioden, Starkregen und die Verschlechterung der Bodenqualität
stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Gefragt sind
Lösungen, die Wasser länger in der Landschaft halten, gesunde Böden
fördern und zugleich unter betrieblichen Bedingungen funktionieren.
Agroforstwirtschaft bietet dafür vielfältige Möglichkeiten. In
Agroforstsystemen werden Bäume oder Sträucher gezielt mit Ackerbau,
Weidewirtschaft oder Tierhaltung auf derselben Fläche kombiniert. Das
schafft ökologische und wirtschaftliche Vorteile, beispielsweise einen
besseren Schutz von Nutzpflanzen vor Wetterextremen, höhere
Ertragsstabilität oder einen reduzierten Düngemittelverbrauch.
Trotzdem werden Agroforstsysteme in Deutschland bislang vergleichsweise
selten praktisch umgesetzt. Die zentrale Herausforderung besteht darin,
vorhandenes Wissen in praxistaugliche und wirtschaftlich sinnvolle
Lösungen – wie Bewirtschaftungskonzepte, effiziente Pflege und
Managementangebote oder funktionierende Geschäftsmodelle für
landwirtschaftliche Betriebe – zu überführen.
Vom Forschungswissen zur tragfähigen Anwendung
Das neue agroforst innovate! center soll diese Lücke schließen. Dafür
bringt das Center Vertreter:innen aus Wissenschaft, Landwirtschaft,
Verbänden, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. So soll
eine dauerhafte Transferstruktur entstehen, die wissenschaftliche
Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen überführt.
Herzstück des Centers wird ein rund 50 Hektar großes Landschaftslabor auf
dem Familienhof Große-Kleimann in Steinfurt. Dort werden unterschiedliche
Agroforstansätze innerhalb eines bestehenden landwirtschaftlichen Betriebs
etabliert und über längere Zeit wissenschaftlich begleitet. Geplant sind
unterschiedlich gestaltete Agroforstgehölzstreifen auf Acker- und
Weideflächen, auch kombiniert mit steuerbaren Drainagen und
bewirtschafteten Feuchtgebieten sowie weiteren Bewirtschaftungsmaßnahmen,
die zum Humusaufbau und zur Bindung von Kohlenstoff im Boden beitragen.
Diese Aktivitäten werden als Gesamtsystem erprobt, das ökologische Wirkung
mit technischer Machbarkeit, betrieblichen Anforderungen und
wirtschaftlicher Tragfähigkeit zusammenführt.
Die Erfahrungen aus dem Landschaftslabor sollen in Planungsgrundlagen,
Bildungs- und Beratungsangebote, Entscheidungshilfen sowie übertragbare
Geschäftsmodelle einfließen. Damit sollen andere landwirtschaftliche
Betriebe und Regionen erfolgreiche Lösungen leichter übernehmen und an
ihre jeweiligen Bedingungen anpassen können.
Stimmen zum agroforst innovate! center
„Erst wenn auf wissenschaftliche Erkenntnisse der mutige Schritt in die
praktische Umsetzung folgt, entfalten gute Ideen gesellschaftliche
Wirkung. Mit dem agroforst innovate! center unterstützen wir einen Ansatz,
der wissenschaftliches Potenzial mit unternehmerischem Denken verbindet
und neue Perspektiven für eine zukunftsfähige Landwirtschaft eröffnet. Was
im Münsterland beginnt, soll künftig auch für andere Regionen nutzbar
werden“, so Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der
Joachim Herz Stiftung.
"Das agroforst innovate! center bietet dank der großzügigen Förderung
durch die Joachim Herz Stiftung nun eine einzigartige Chance für die
Landwirtschaft, Boden-, Klima- und Landschaftsqualität entscheidend zu
verbessern und dies ganz praxisnah wissenschaftlich zu begleiten",
unterstreicht Prof. Tillmann Buttschardt, Leiter der Arbeitsgruppe
„Angewandte Landschaftsökologie und Ökologische Planung“ an der
Universität Münster.
„Von vielen Praxisbetrieben habe ich gelernt: Wissen sowie Wirkung gehen
niemals getrennt voneinander. Nun ist es unsere Aufgabe und besondere
Chance, beides zusammenzuführen und zu multiplizieren“, erläutert Thomas
Middelanis, designierter Geschäftsführer des agroforst innovate! center.
Dauerhafte Strukturen für den Wissenstransfer
Die Joachim Herz Stiftung fördert den Aufbau und die Durchführung des
agroforst innovate! center mit insgesamt fünf Millionen Euro bis
einschließlich 2035. Das Zentrum wird als privatrechtlich organisierte,
gemeinnützige Transferstruktur in der Rechtsform einer GmbH aufgesetzt. In
dieser Struktur wollen die Universität Münster, der Westfälisch-Lippische
Landwirtschaftsverband, der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft
und die Joachim Herz Stiftung ihre sich ergänzenden Kompetenzen bündeln.
So verfügt das Zentrum über die notwendige Flexibilität, um Projekte
eigenverantwortlich umzusetzen und langfristig tragfähige Strukturen für
den Wissenstransfer aufzubauen. Die Einzelheiten der Förderung und der
Zusammenarbeit in der gGmbH werden derzeit vertraglich ausgestaltet. Im
Januar 2027 soll das agroforst innovate! center seine Arbeit aufnehmen.
Die Joachim Herz Stiftung möchte mit ihrer Förderlinie innovate! center
den Aufbau effizienter Transferstrukturen an Hochschulen unterstützen, um
den Forschungstransfer zu beschleunigen und ein Good-Practice-Modell für
die Verbesserung von Transferprozessen an weiteren Hochschulen zu
etablieren. Das erste Zentrum wurde im Dezember 2024 an der Universität
Bremen gegründet. Es fördert zukunftsweisende, nachhaltige
Materialtechnologien und ihren Weg zur Marktreife.
Über die Beteiligten
Die Joachim Herz Stiftung setzt sich für Innovation und Transfer aus der
Spitzenforschung ein, damit mehr Forschungsergebnisse in die Praxis
gelangen und einen gesellschaftlichen Nutzen erzeugen. Die Stiftung stärkt
Gründerökosysteme und unterstützt eine neue Generation von
unternehmerischen Talenten, radikale Innovation und nachhaltige
Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit der Förderung von Nachwuchsfachkräften
in einer sich durch KI und Digitalisierung wandelnden Berufswelt, trägt
die Stiftung dazu bei, die berufliche Bildung zu erneuern. Ziel ist es,
wirksame Lösungen für aktuelle Herausforderungen wie Klimaschutz, mehr
Ressourceneffizienz oder die Fachkräftesicherung zu ermöglichen. Die
Aktivitäten der Stiftung nutzen Impulse aus den USA und stärken den
deutsch-amerikanischen Dialog. Die Joachim Herz Stiftung wurde 2008 in
Hamburg gegründet und gehört zu den großen deutschen Stiftungen.
Die Universität Münster zählt zu den großen und traditionsreichen
Universitäten Deutschlands und versteht das Schaffen von Wissen und dessen
Transfer in die Gesellschaft als Teil ihrer zivilgesellschaftlichen
Verantwortung. Dazu gehört auch die Förderung von Entrepreneurship bei
ihren Studierenden und Forscher:innen über alle Fächer hinweg.
Insbesondere sollen mit Hilfe von Ausgründungen wissenschaftliche
Erkenntnisse für die Bevölkerung und die Wirtschaft nutzbar gemacht
werden. Mit dem agroforst innovate! center, welches am Fachbereich 14 –
Geowissenschaften angesiedelt ist, werden zudem zentrale Fragen des
nachhaltigen Landmanagements adressiert. Die langfristige klimaresiliente
Veränderung der Landwirtschaft bildet mit dem Thema Agroforst einen
Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Angewandte Landschaftsökologie und
Ökologische Planung. Hier entstand 2020 das deutschlandweit agierende
Citizen Science-Forschungsnetzwerk agroforst-monitoring.
Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband e.V. (WLV) vertritt die
Interessen der Landwirtschaft in Westfalen-Lippe. Er setzt sich für eine
zukunftsfähige Landwirtschaft und die wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Belange der landwirtschaftlichen Betriebe ein. Der Verband
unterstützt seine Mitglieder bei fachlichen, rechtlichen und betrieblichen
Fragen und bringt die Perspektiven der Landwirtschaft in Politik und
Gesellschaft ein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der
Weiterentwicklung einer leistungsfähigen und zugleich nachhaltig
wirtschaftenden Landwirtschaft. Mit seinen regionalen Strukturen und
seinem breiten Netzwerk zu landwirtschaftlichen Betrieben, Kommunen,
Behörden und weiteren Akteuren ist der WLV ein wichtiger Partner bei der
Umsetzung neuer Ansätze in der Fläche. Im Rahmen des agroforst innovate!
center bringt der Verband insbesondere die betriebliche Perspektive und
seine Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis ein.
Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF) setzt sich
für die Entwicklung und Verbreitung von Agroforstwirtschaft in Deutschland
ein. Vernetzt mit Wissenschaft, Landwirtschaft, Beratung, Politik und
weiteren Akteuren fördert der Verband den Austausch von Wissen und
Erfahrungen rund um Agroforstsysteme. Er unterstützt Forschung, Bildung
und Wissenstransfer und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für die
Umsetzung von Agroforstwirtschaft ein. Ziel ist es, Agroforstsysteme als
Bestandteil einer nachhaltigen und klimaangepassten Landnutzung
weiterzuentwickeln und in der landwirtschaftlichen Praxis stärker zu
verankern. Im Rahmen des agroforst innovate! center bringt der DeFAF seine
fachliche Expertise, sein bundesweites Netzwerk und seine langjährige
Erfahrung bei der Entwicklung und Verbreitung von Agroforstsystemen ein.
