Plastik aus Holz – Biokunststoffe in der Lebens- und Arbeitswelt von morgen
Wie pflanzliche Reststoffe zu Verpackungen oder Gebrauchsgütern aus
Biokunststoffen werden, zeigt die Station »Plastik aus Holz« im
TouchTomorrow-Truck der Dr. Hans Riegel-Stiftung. Der Truck ist in ganz
Deutschland an Schulen im Einsatz und vermittelt Themen aus Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Mehr als 10.000 Schülerinnen
und Schüler aus Berlin und Brandenburg haben das rollende Mitmach-Labor
bereits besucht und an der Station den Biokunststoff Polybutylensuccinat
(PBS) und seine zukünftige Nutzung kennengelernt. Entwickelt wird PBS am
Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP.
Die chemische Industrie steht vor der Herausforderung, ihre Rohstoffbasis
weiterzuentwickeln und neue Wege für eine langfristig sichere Versorgung
zu finden. Dabei geht es darum, alternative Rohstoffquellen zu erschließen
und Materialien zu entwickeln, die sich in bestehenden industriellen
Verfahren verarbeiten lassen.
Biokunststoff PBS im TouchTomorrow-Truck
Die PBS-Station »Plastik aus Holz« im TouchTomorrow-Truck greift diese
Themen für Schülerinnen und Schüler verständlich auf. Hier lernen sie, aus
welchen Ausgangsstoffen PBS gewonnen wird und wie es sich zu
unterschiedlichen Produkten verarbeiten lässt. Der Biokunststoff kann auf
Basis pflanzlicher Reststoffe hergestellt werden und ist biologisch abbau-
sowie recycelbar.
Der TouchTomorrow-Truck tourt seit 2018 durch Deutschland. Seit Einführung
der PBS-Station im Jahr 2021 war er in Berlin und Brandenburg an rund 50
Schulen im Einsatz. Dr. Jens Balko, Leiter des Verarbeitungstechnikums
Schwarzheide am Fraunhofer IAP, schult die MINT-Coaches im Truck zu
Kunststoffen, PBS und Kreislaufwirtschaft. »Die PBS-Station ermöglicht den
Schülerinnen und Schülern einen praktischen Einblick in die faszinierende
Welt von Chemie, Biotechnologie und Kunststoffen. Wir sind begeistert, mit
welchem Impact der TouchTomorrow-Truck diese Themen an die Schulen
bringt«, so Balko. Die MINT-Coaches erläutern dann vor Ort den
Schülerinnen und Schülern die Hintergründe des Materials an der
Themenstation und zeigen Berufsperspektiven in Technologie-Branchen auf.
Das Projekt wird deshalb auch durch die Regionaldirektion Berlin-
Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit gefördert.
Welche Produkte lassen sich aus PBS herstellen?
Welche Eigenschaften der Biokunststoff bei der Verarbeitung hat, hängt von
seiner Zusammensetzung ab: Das Fraunhofer IAP entwickelt gemeinsam mit
Industriepartnern PBS-Typen, stellt sie im Pilotmaßstab her und
verarbeitet sie. Je nach Materialtyp kommen unter anderem Spritzgießen,
Blasformen, Thermoformen, Extrusion und Spinnen infrage. Für
Kunststoffverarbeiter ist dabei entscheidend, welcher PBS-Typ die
Anforderungen ihres Produkts und ihres Verfahrens erfüllt. Mögliche
Anwendungen finden sich bei Verpackungen, Gebrauchsgütern und Textilien.
Welche Rohstoffe braucht die Kunststoffindustrie von morgen?
Neben der Frage, wie sich PBS verarbeiten lässt, untersucht das Fraunhofer
IAP auch, welche Rohstoffe künftig für seine Herstellung infrage kommen.
»Wir entwickeln PBS für industrielle Anwendungen stetig weiter. Dabei
untersuchen wir auch, wie sich in Europa verfügbare Reststoffe aus der
Landwirtschaft und selbst Alttextilien als Rohstoffquellen nutzen lassen«,
erklärt Balko.
Über die Dr. Hans Riegel-Stiftung
Die Dr. Hans Riegel-Stiftung führt das gemeinnützige Vermächtnis des
ehemaligen HARIBO-Mitinhabers Dr. Hans Riegel fort mit dem vorrangigen
Ziel, junge Menschen entlang der Bildungskette bei der Gestaltung ihrer
Zukunft zu fördern und nachhaltig zu begleiten. Zu einem der größeren
Projekte der Stiftung zählt die Kampagne TouchTomorrow, in der es darum
geht, die Lebens- und Arbeitswelt von morgen interaktiv zu entdecken.
