Meeresforschung als Zukunftsvorsorge
Parlamentarischer Abend der DAM vermittelt Impulse für Meeresschutz,
Innovationen und sichere Küsten in Niedersachsen und darüber hinaus
Erkenntnisse der Meeres- und Klimaforschung können entscheidend dazu
beitragen, Niedersachsens Küsten zukunftssicher zu machen - von der
Küstensicherung über Arten- und Meeresschutz bis zu technischen
Innovationen, so das Resümee des parlamentarischen Abends "MeerZukunft"
der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) am 6. Oktober 2026 in
Hannover.
Anhand wissenschaftlicher Beiträge zu den Themen Marine Biodiversität,
Energie aus dem Meer, Folgen des Klimawandels an der Küste sowie
Meeresforschung mit Weitblick stellten Wissenschaftler:innen verschiedener
DAM-Mitgliedseinrichtungen den rund 50 Gästen aus Politik, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft vor, welchen Beitrag die Forschung zu Klimaschutz,
Zukunftsvorsorge sowie zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz von Küsten
und Meeren leistet. Zentrale Botschaft des Abends: Die Wissenschaft
liefert Orientierungs- und Handlungswissen, auf dessen Basis Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig wirksame Entscheidungen treffen
können - und damit auch erforderliche Innovationen begründen und
unterstützen.
Meere und Ozeane zählen zu den bedeutendsten Ökosystemen der Erde und
spielen eine zentrale Rolle für globale Klimaprozesse. Durch Verschmutzung
und Übernutzung verschlechtert sich ihr Zustand rasant. „Als Küstenland
trägt Niedersachsen eine besondere Verantwortung für den Schutz unserer
Meere. Die Auswirkungen des Klimawandels - wie Erwärmung und Artenverlust
- spüren wir hier ganz unmittelbar. Umso wichtiger ist es daher, den
Umwelt- und Klimaschutzschutz zu einer echten Priorität zu machen“,
erklärte Dr. Tanja Meyer (MdL), Vizepräsidentin des Niedersächsischen
Landtages, in ihrem Grußwort. Sie dankte allen Forschenden der DAM, die
die Politik an ihrem Wissen teilhaben lassen und konkret umsetzbare
Lösungen und Ansprechpartner zur Seite stellen.
Prof. Dr. Joachim Schachtner, Staatssekretär im Niedersächsischen
Ministerium für Wissenschaft und Kultur, betonte in seinem Grußwort die
Bedeutung der Meeresforschung für das Land Niedersachsen: Der Erhalt der
Biodiversität, Küstenschutz und die Anpassung an den Meeresspiegelanstieg
seien keine theoretischen Fragestellungen, sondern konkrete
Herausforderungen. Für Niedersachsen berühre die Meeresforschung daher
einige der wichtigsten Zukunftsfragen des Landes. Die DAM helfe mit ihren
Forschungsergebnissen politischen Akteuren dabei, Veränderungen nicht nur
zu beobachten, sondern Grundlagen für strategische Entscheidungen zu
schaffen. Der enge Austausch zwischen Politik und Wissenschaft sei dafür
unerlässlich.
Meere, Küsten, Zukunft: Gesunde Meere für Klimaschutz und Wirtschaft
In vier wissenschaftlichen Vorträgen verdeutlichten Dr. Maike Paul,
Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Pedro Martínez Arbizu, Senckenberg
am Meer, Prof. Dr. Nils Goseberg, Technische Universität Braunschweig und
Prof. Dr. Oliver Zielinski, wissenschaftlicher Leiter des Helmholtz-
Zentrums Hereon, welchen Beitrag die Meeres- und Klimaforschung leisten
kann, um den nachhaltigen Umgang mit dem Meer und den Küstenschutz in
Niedersachsen miteinander zu vereinen - mit Strahlkraft auf ganz
Deutschland.
An die Politik lassen sich daraus folgende Impulse ableiten:
Die Meere sichern Nahrung, regulieren das Klima und liefern Rohstoffe,
Energie und biologische Vielfalt. Das ist die Grundlage für Gesundheit,
Wohlergehen und Wertschöpfung.
Handlungsbedarf: Notwendig ist, diese Ökosystemleistungen weiter zu
quantifizieren und in wirtschaftliche Planungs- und Entscheidungsprozesse
einzubeziehen. Nachhaltiger Umgang mit den Meeren ist kein Verzicht,
sondern die Bedingung dafür, dass Fischerei, Tourismus, Häfen und maritime
Industrie langfristig tragfähig bleiben. Diese Erkenntnis muss
ressortübergreifend und gesellschaftlich verankert werden.
- Energie und Rohstoffe aus dem Meer – naturverträgliche Transformation
Offshore-Windkraft und Rohstoffgewinnung sind zentral für die
Energiewende, verändern den Meeresraum aber erheblich und treffen auf
bereits belastete Ökosysteme.
Handlungsbedarf: Energie-, Klima-, Wirtschafts- und Meeresumweltpolitik
müssen ressort- und grenzübergreifend verzahnt werden. Naturverträgliche
Planung, kumulative Wirkungsanalysen und wissenschaftliche Begleitung
gehören verbindlich in Genehmigungsverfahren, ohne diese zu verlängern.
Innovative, technische Lösungen wie lärmreduzierte Gründungsverfahren und
Nature-Inclusive-Design sind verfügbar und sollten konsequent genutzt
werden.
- Marine Biodiversität schützen – Grundlage für Wohlergehen und Wirtschaft
Biologische Vielfalt im Meer und an der Küste sichert die Basis für
Fischerei und Tourismus, reguliert das Klima und liefert Ansätze für neue
Wirkstoffe und Materialien.
Handlungsbedarf: Meeresschutz muss flächendeckend gedacht und mit
umfassendem Monitoring und ökosystembasiertem Management unterlegt werden
– nicht nur in Schutzgebieten. Marine Raumplanung ist Daseinsvorsorge und
ermöglicht Mehrfachnutzung. Neue Monitoring- und Analysemethoden sind
zugleich Treiber für Innovationen in Verwaltung und Wirtschaft.
Innovatives Küsten- und Meeresmanagement muss Schutz und nachhaltige
Nutzung verbinden und auf der Grundlage unabhängiger, lösungsorientierter
Forschung erfolgen.
- Klimafolgen an der Küste begegnen – Wissen und naturbasierte Lösungen
Meeresspiegelanstieg, häufigere Extremwasserstände und veränderte marine
Ökosysteme gefährden die Menschen in Küstenregionen, ihre Infrastruktur
und ihre Wirtschaft.
Handlungsbedarf: Klimaanpassung braucht szenarienbasierte Forschung und
Frühwarnsysteme. Technische und naturbasierte Lösungen – Salzwiesen,
Seegraswiesen, ökosystemgestützter Küstenschutz – sollten gleichwertig
geplant und gefördert werden; sie verbinden Klima-, Natur- und
Infrastrukturschutz und erhöhen die Resilienz der Küstenregionen.
- Vernetzte Technologien für informierte Entscheidungen
Neue Technologien wie autonome Systeme, Künstliche Intelligenz und
Digitale Zwillinge machen es erstmals möglich, Veränderungen im Meer
kontinuierlich zu beobachten und Handlungsoptionen evidenzbasiert zu
bewerten. Die DAM verbindet hierfür Kompetenzen, Infrastrukturen und
Missionen zu einem leistungsfähigen wissenschaftlichen Netzwerk.
Handlungsbedarf: Digitale Forschungs- und Dateninfrastrukturen sowie die
langfristige Beobachtung der Meere müssen als strategische
Zukunftsinvestitionen verstanden werden. Nur so können Deutschland und
Europa wissenschaftliche Souveränität stärken und informierte
Entscheidungen für Klimaschutz, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung
treffen.
- Blaue Wirtschaft an Belastungsgrenzen ausrichten
Eine zukunftsfähige Blaue Wirtschaft nutzt die Meere, ohne ihre
ökologischen Belastungsgrenzen zu überschreiten.
Handlungsbedarf:Politik kann Brücken zwischen Meeresforschung, Naturschutz
und maritimer Wirtschaft bauen – über Förderprogramme, Transferstrukturen
und Innovationscluster, die ökologische und ökonomische Ziele
zusammendenken. Kreislaufwirtschaft, Blue-Carbon-Ansätze und
naturverträglicher Tourismus schaffen wirtschaftliche Anreize für
Meeresschutz. Grenzüberschreitende Innovationspartnerschaften im
Nordseeraum sind dafür unverzichtbar.
- Wissenschaft als Innovationspartner
Zukunftsfähige Meerespolitik braucht neben technologischem Fortschritt
auch soziale und institutionelle Innovationen sowie partizipative Ansätze.
Reallabore, digitale Wissensplattformen und Open-Data-Infrastrukturen
beschleunigen den Transfer vom Labor in die Praxis.
Handlungsbedarf: Der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und
Politik muss institutionell verankert und finanziert werden.
Gesellschaftlicher Dialog über die Zukunft der Meere ist Grundlage für
breite Akzeptanz und nachhaltigen Wandel.
Forschungswissen gemeinsam wirksam machen
"Wir wollen Wissen aus der Forschung wirksam machen", sagte Torsten
Schlurmann, Professor an der Leibniz Universität Hannover, Direktor des
Forschungszentrums Küste und DAM-Vorstandsmitglied, bei der Vorstellung
der Ziele und Aktionsfelder der DAM. Anja Prisching und Sebastian Neun,
zwei Nachwuchswissenschaftler:innen der Uni Oldenburg, ergänzten: "Die
Meeresforschung hilft zu verstehen, wie die Meere funktionieren und wie
der Mensch die Meere verändert." Die Rolle der Wissenschaft sei es,
Zusammenhänge darzustellen, Rolle der der Politik, das gelernte Wissen
umzusetzen - und damit Wirkung zu erzielen für die Gesellschaft. Ziel der
parlamentarischen Formate der DAM wie dieser Abend ist es, diesen
Wissensaustausch zu fördern.
