Kognitive Erosion durch KI?
Generative Künstliche Intelligenz (KI) verändert, wie Menschen suchen,
lernen, schreiben und arbeiten. Sie macht nicht automatisch dümmer. KI
kann Produktivität und Wissenszugang verbessern, zugleich aber Kompetenzen
beeinträchtigen, wenn sie eigene Denkprozesse dauerhaft ersetzt. Ein neuer
Faktencheck des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft ordnet
Chancen und Risiken ein – auch für junge Generationen.
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Expertin des ifaa sieht eine reflektierte KI-Nutzung als Schlüssel
Nora Johanna Schüth, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifaa empfiehlt
folgende Vorgehensweise:
1. Zunächst selbst denken: Die Aufgabe zuerst ohne KI bearbeiten und
eigene Ideen, Lösungen oder Formulierungen entwickeln.
2. KI gezielt einsetzen: Die Anwendung anschließend um Rückmeldung,
Gegenargumente, Erklärungen oder Hinweise auf Lücken bitten.
3. Ergebnis kritisch prüfen: Aussagen, Quellen und Schlussfolgerungen
fachlich bewerten und die endgültige Lösung selbst verantworten.
Generative KI ist weder grundsätzliches Risiko noch universelle Lösung.
Entscheidend ist nicht, ob sie genutzt wird, sondern wie: Sie sollte
Effizienz und Wissenszugang verbessern, ohne Urteilsfähigkeit,
Quellenkritik und eigenständiges Denken zu schwächen.
Was bedeutet kognitive Erosion? Von kognitiver Erosion kann gesprochen
werden, wenn häufig ausgelagerte Denkaufgaben dazu führen, dass
Fähigkeiten wie Erinnern, Formulieren, Prüfen oder Problemlösen seltener
genutzt werden.
Junge Generationen besonders im Fokus
Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen: Die Leistungen der 15-Jährigen in
Deutschland sind 2025 in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften auf den
niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung gefallen. Besonders das
Verständnis längerer und komplexer Texte bereitet vielen Jugendlichen
Schwierigkeiten. Als mögliche Erklärung wird das schnelle Überfliegen
kurzer Inhalte in sozialen Medien diskutiert; einen ursächlichen
Zusammenhang kann PISA jedoch nicht belegen.
KI ist im Alltag junger Menschen angekommen
91 % der 12- bis 19-Jährigen nutzen laut den im Faktencheck dargestellten
Studien mindestens eine KI-Anwendung, 70 % setzen sie zur
Informationssuche ein – insbesondere bei Hausaufgaben.
„KI kann Menschen bei vielen Aufgaben wirksam unterstützen. Gleichzeitig
bleibt die Fähigkeit, Informationen kritisch zu bewerten, eigenständig zu
formulieren und fundierte Entscheidungen zu treffen, unverzichtbar“, sagt
die Arbeitspsychologin Schüth.
Produktivität im Arbeitskontext steigt, aber nicht grenzenlos
Generative KI kann Bearbeitungszeiten verkürzen und Arbeitsprozesse
unterstützen. Übersteigen Aufgaben jedoch die Leistungsgrenzen der
Systeme, können Ergebnisse schlechter ausfallen als ohne KI. Fachexpertise
und kritische Prüfung bleiben daher unverzichtbar.
KI kann Lernen fördern, wenn sie zum Mitdenken anregt
Der Faktencheck warnt nicht vor KI-Nutzung an sich. Lernförderlich ist
diese, wenn Menschen zunächst selbst Lösungen oder Texte erarbeiten und KI
anschließend für Rückmeldungen, Gegenargumente, Erklärungen oder
Verständnishinweise einsetzen. So bleiben Sprache, Argumentation und
Urteilsvermögen gefordert.
Wer Hausaufgaben, Berichte oder Präsentationen jedoch vollständig von KI
erstellen lässt, spart zwar Zeit, verliert aber Lerngelegenheiten für
Quellenkritik, Problemlösen und eigenes Formulieren. Sinnvoll sind
Anwendungen, die Rückfragen stellen, Begründungen einfordern und eigene
Schlussfolgerungen fördern. „KI ist besonders wertvoll, wenn sie Menschen
beim Denken unterstützt, statt an ihrer Stelle zu denken. Die kognitive
Eigenleistung bleibt der entscheidende Lernmotor“, so Schüth.
Herausforderungen für Unternehmen
Unternehmen sollten Data Literacy, Quellenbewertung und kritisches Denken
fördern, klare Regeln für den KI-Einsatz schaffen und Aus- und
Weiterbildung gezielt begleiten. Das ist besonders wichtig, weil KI
zunehmend Tätigkeiten übernimmt, die Berufseinsteigerinnen und
Berufseinsteigern bisher als Lernschritte dienten. Schüth betont:
„Beschäftigte müssen KI-Ergebnisse nachvollziehen und fachlich bewerten
können. Zudem sollten sie in der Lage sein, Aufgaben bei Bedarf ohne KI
weiterzubearbeiten.“
Faktencheck herunterladen
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