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Berufliche Aus- und Weiterbildung: Wissen und Kompetenz schützt Biodiversität

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Biodiversität verstehen, Lösungen entwickeln, Handeln lernen: Leitfaden
mit Beteiligung der Uni Hohenheim unterstützt Lehrende, diese Kompetenzen
praxisnah zu vermitteln.
Fundiertes Wissen über ökologische Zusammenhänge – und die Fähigkeit
daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten: Das ist entscheidend,
um dem Verlust der biologischen Vielfalt und dem Klimawandel zu begegnen.
Ein neuer Leitfaden unterstützt insbesondere Lehrkräfte und Ausbildende in
der technischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie in der
Erwachsenenbildung dabei, diese Kompetenzen praxisnah zu vermitteln.

Der
„Teacher Training Guide“ verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit
interaktiven Lernmethoden und konkreten Aktivitäten. Entwickelt wurde er
im europäischen Verbundprojekt „eNaBlS“, das unter der Leitung des
Kompetenzzentrums Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa) an
der Universität Hohenheim in Stuttgart steht. Das Kompetenzzentrum wird
gemeinsam von der Universität und dem Staatlichen Museum für Naturkunde
Stuttgart getragen.

Der Verlust der biologischen Vielfalt und der Klimawandel betreffen nahezu
alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. „Um diesen Herausforderungen zu
begegnen, braucht es nicht nur Wissen über Arten, Ökosysteme und
ökologische Zusammenhänge“, so Dr. Ann-Catrin Fender, Leiterin des
Kompetenzzentrums Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa).

„Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, dieses Wissen auf konkrete Situationen
zu übertragen und an diese anzupassen um daraus mit Praktiker:innen
gemeinsam Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Bildung ist ein wichtiger
Schlüssel dazu“, betont die Koordinatorin des europäischen Verbundprojekts
eNaBlS. Die Projektbeteiligten entwickeln deshalb Bildungsansätze, die
Menschen dazu befähigen, ökologische Zusammenhänge zu verstehen,
unterschiedliche Perspektiven abzuwägen und eigene Lösungsansätze zu
entwickeln.

Dabei setzen sie nicht allein auf klassische Bildungsangebote. Sie wollen
ökologische Zusammenhänge auch dort vermitteln, wo Menschen für ihr
Berufsleben qualifiziert und weitergebildet werden: in der beruflichen
Aus- und Weiterbildung sowie in der Erwachsenenbildung.

Naturbasierte Lösungen: Brücke zwischen Ökologie und Praxis

Ob Wiedervernässung von Mooren, Aufforstung von Wäldern,
insektenfreundliche Blühflächen oder naturnahe Grünflächen in Städten:
Sogenannte naturbasierte Lösungen, kurz NBS („Nature Based Solutions“)
stehen dabei im Mittelpunkt. Solche Maßnahmen können unter anderem zur
Klimaanpassung beitragen sowie bei Hochwasser- und Hitzeschutz, bei der
Wasserregulierung und beim Erhalt der Biodiversität eine wichtige Rolle
spielen.

„Aber: Nicht jede vermeintlich ‚grüne‘ Maßnahme ist automatisch eine
naturbasierte Lösung. Entscheidend ist vielmehr, dass Maßnahmen ökologisch
wirksam an den jeweiligen Standort angepasst und langfristig tragfähig
sind“, betont Fender.

Lernen durch Erleben, Ausprobieren und Reflektieren

Ein speziell konzipierter Leitfaden soll Lehrkräfte und Ausbildende nun
dabei unterstützen, diese Themen anschaulich und praxisnah zu vermitteln.
Er verbindet Grundlagenwissen mit konkreten Anwendungsmöglichkeiten.

Wichtig ist dabei das Lernen durch Erleben und eigenes Ausprobieren: Die
Lernenden erkunden ihre Umgebung, untersuchen ökologische
Herausforderungen und entwickeln gemeinsam mögliche Lösungen. Ziel ist
nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch die Fähigkeit zu stärken,
unterschiedliche Lösungsansätze kritisch zu betrachten und auf dieser
Grundlage eigene fundierte Standpunkte zu entwickeln.

Vor allem in der beruflichen Bildung sehen die Projektbeteiligten
zahlreiche Anknüpfungspunkte. Die Inhalte lassen sich unter anderem in
Fächer und Ausbildungsbereiche wie Biologie, Geografie, Landwirtschaft,
Bauwesen, Raumplanung oder Umweltwissenschaften integrieren. Die
Materialien eignen sich darüber hinaus auch für allgemeinbildende Schulen
und die Jugendarbeit.

Europaweit Bildung und Praxis vernetzen

Der Leitfaden gehört zu den zentralen Ergebnissen des europäischen
Verbundprojekts eNaBlS und wird unter Anleitung eines Teams von Fort- und
Weiterbildungsexperten (3s research & consulting) entwickelt und getestet.
Das Ziel des Leitfadens ist es, Biodiversität und naturbasierte Lösungen
langfristig in verschiedenen Bildungsbereichen zu verankern. Die
Projektbeteiligten untersuchen unter anderem, wie entsprechende Inhalte
bereits heute in Hochschul- und Berufsbildung vermittelt werden und wie
ihre Integration weiter gestärkt werden kann.

Im Konsortium arbeiten elf Organisationen aus mehreren europäischen
Ländern zusammen. Dazu gehören unter anderem die Wageningen University &
Research in den Niederlanden, die University of Eastern Finland und die
Universität für Bodenkultur Wien. Mit ihnen ist die Universität Hohenheim
unter anderem über die European Bioeconomy University (EBU) vernetzt.

Eine wichtige Rolle spielen sieben sogenannte Reallabore in Deutschland,
den Niederlanden, Finnland, Österreich, Litauen, Griechenland und
Tschechien. Dort treffen Wissenschaft und Praxis aufeinander:
Naturbasierte Lösungen werden unter realen Bedingungen erprobt und
gemeinsam mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen
weiterentwickelt. Auf diese Weise sollen wissenschaftliche Erkenntnisse,
praktische Erfahrungen und Bildungsangebote miteinander verknüpft und
langfristig für den Biodiversitätsschutz nutzbar gemacht werden.

HINTERGRUND: Education and Nature-Based Solutions: enable society to bend
the curve for biodiversity (eNaBlS)

Das im Januar 2024 gestartete Projekt wird vom Kompetenzzentrum
Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa) koordiniert. Die
Europäische Union fördert eNaBlS im Rahmen von Horizon Europe mit rund
2,95 Millionen Euro, rund 540.000 Euro davon entfallen auf die Universität
Hohenheim.

Insgesamt beteiligen sich an eNaBlS elf Partnerinstitutionen aus acht
Ländern: Deutschland, Niederlande, Finnland, Österreich, Litauen, Belgien,
Griechenland und Tschechien. Reallabore, sogenannte Living Labs, also
praxisnahe Lern- und Experimentierräume, sind in sieben Ländern angelegt.

Webseite: https://enabls.eu

HINTERGRUND: Kompetenzzentrum Biodiversität und integrative Taxonomie
(KomBioTa)

Das Artensterben und insbesondere der Rückgang der Insekten stellt eine
der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Der Verlust an
biologischer Vielfalt betrifft Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen.
Fehlen diese sind die Funktionen von Ökosystemen gefährdet, in die der
Mensch eingebettet ist, etwa die Bestäubung von Pflanzen bis hin zu
fundamentalen Ökosystemleistungen wie dem Reinigen von Luft und Wasser.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde das KomBioTa im Jahr 2020
an der Universität Hohenheim und am Staatlichen Museum für Naturkunde
Stuttgart aus Landesmitteln eingerichtet. Es bündelt zahlreiche
Arbeitsgruppen an beiden Institutionen für gemeinsame Forschung und Lehre.
Das Land fördert das Zentrum im Rahmen der Landesinitiative „Integrative
Taxonomie“ mit jährlich rund einer Million Euro.

Webseite: Kompetenzzentrum Biodiversität und integrative Taxonomie
(KomBioTa) https://kombiota.uni-hohenheim.de

HINTERGRUND: Schwergewichte der Forschung

Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte
mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den
Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und
Gesellschaftswissenschaften.

Mehr Schwergewichte der Forschung: https://www.uni-
hohenheim.de/forschungsprofil#c551144

Text: Stuhlemmer

Weitere Informationen
Der „Teacher Training Guide“ kann hier kostenlos in sieben Sprachen
heruntergeladen werden: https://enabls.eu/new-enabls-resources-support-
teachers-in-bringing-nature-based-solutions-into-learning