Forschungsteam sucht Betroffene von Gewalt im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe in Niedersachsen
Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim suchen Personen, die in
Einrichtungen oder im Rahmen von Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe
(auch Jugendarbeit) in Niedersachsen von (sexualisierter) Gewalt betroffen
waren oder diese miterlebt haben. Wer in dieser Zeit zum Beispiel in
Hannover, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg oder Göttingen Gewalt im
Zusammenhang mit entsprechenden Einrichtungen erfahren oder miterlebt hat,
kann sich bei dem Forschungsteam melden – entweder anonym über das Online-
Portal oder auch per Mail für ein Interview.
Betroffene haben ein Recht auf Aufarbeitung, heißt es aus dem
Forscher*innenteam bestehend aus Meike Baader, Nastassia Böttcher, Carolin
Opperman, Julia Schröder und Wolfgang Schröer. Gerade weil das Thema so
sensibel sei, möchten sie Betroffenen die Möglichkeit geben, sich anonym
und niedrigschwellig äußern zu können. Über das Online-Portal könne man
sich melden, ohne sich in eine Gesprächssituation begeben zu müssen,
erklären die Wissenschaftler*innen. Im Online-Portal können Betroffene
ihre Erfahrungen schildern und Hinweise zur Aufarbeitung liefern. Wer
möchte, kann sich über die anonyme Online-Befragung hinaus aber auch
persönlich für ein Interview an die Wissenschaftler*innen wenden. Das
Forscher*innenteam sichert zu, dass alles, was gesagt wird, so
anonymisiert wird, dass keinerlei Rückschlüsse auf interviewte Personen
möglich sind.
Ziel ist eine niedersachsenweite Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt
in der Kinder- und Jugendhilfe zwischen den 1970er und 2010er Jahren.
Anders als in vorangegangenen Projekten hat sich das Forschungsteam für
diese Aufarbeitung auf keine konkrete Institution festgelegt. Das
Forschungsteam erhofft sich auch Hinweise auf Personen und Einrichtungen,
die Anlass für weitere Recherchen bieten. Selbstverständlich sind auch
alle weiteren Hinweise zu niedersächsischen Städten oder Regionen für die
Aufarbeitung von großer Bedeutung.
Zur Kinder- und Jugendhilfe zählen Einrichtungen, wie Pflegestellen/
Pflegefamilien, Wohngruppen und Heime, aber auch die Jugendarbeit mit
Verbänden und Jugendstätten sowie Freizeitangeboten. Das Projekt wurde
unter anderem durch die Ergebnisse aus der Aufarbeitung zu Helmut Kentlers
Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe angestoßen. Daraus hatten
sich weitere Hinweise auf Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe in
Niedersachsen ergeben.
Weitere Informationen
Gefördert wird die Aufarbeitung vom Niedersächsischen Ministerium für
Wissenschaft und Kultur. Das Portal für Erfahrungsberichte und Hinweise zu
sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe Niedersachsen ist nun
für ein Jahr offen und hier abrufbar. Das Team kann zum
Informationsaustausch oder einer Interviewanfrage über diese E-Mailadresse
kontaktiert werden: jhaufarbeitung(at)uni-hildeshe
Aus Datenschutzgründen berichtet das Forschungsteam nicht über laufende
Recherchen und vorläufige Ergebnisse während des Projektzeitraums.
