Fraunhofer IMM zeigt Dieselreformer für die maritime Stromversorgung
Wie lassen sich Brennstoffzellensysteme für maritime Anwendungen und
Spezialfahrzeuge an Land mit Wasserstoff versorgen, ohne diesen in
separaten Tanks mitführen zu müssen? Das Fraunhofer-Institut für
Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM stellt auf der Hydrogen Technology World
Expo vom 20. bis 22. Oktober 2026 in Hamburg einen Dieselreformer vor und
zeigt, wie sich aus Dieselkraftstoff direkt am Einsatzort ein
wasserstoffhaltiges Gas für die Stromerzeugung gewinnen lässt.
Der Dieselreformer ist Teil der Entwicklung eines Reformer-
Brennstoffzellensystems im Rahmen des durch das Zentrale
Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) geförderten Projektes DIMARIT mit
einer Leistung von 25 Kilowatt für maritime Anwendungen. Der Reformer
wandelt den mitgeführten Kraftstoff in ein Gas um, das nach weiterer
Aufbereitung die Brennstoffzelle versorgt. Das Fraunhofer IMM hat dafür
insbesondere an der Reaktortechnik und an der Abstimmung der
Prozessschritte gearbeitet. Die Entwickler befassten sich dabei auch mit
der Wärmeführung und dem Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Das ist
entscheidend, damit die Umwandlung des Kraftstoffs unter wechselnden
Betriebsbedingungen zuverlässig funktioniert.
Wasserstoffversorgung am Einsatzort
Die Entwicklungsarbeit setzte bei einer praktischen Herausforderung an:
Wer Brennstoffzellen für mobile Anwendungen nutzen will, muss auch ihre
Wasserstoffversorgung sicherstellen. Auf Schiffen zählen zugleich der
verfügbare Bauraum und die Menge des mitzuführenden Kraftstoffs. Die
Umwandlung von Diesel am Einsatzort kann eine Brennstoffzellenanwendung
ermöglichen, ohne dass Wasserstoff separat bevorratet werden muss. Das IMM
untersucht außerdem, wie sich synthetisch hergestellte Dieselkraftstoffe
für die Wasserstoffgewinnung im Reformer nutzen lassen. Ziel ist es,
künftig neben konventionellem Diesel auch geeignete synthetische
Kraftstoffe zur Versorgung einer Brennstoffzelle einsetzen zu können.
Perspektiven für Anwendungen im Verteidigungsbereich
Der Ansatz ist auch für die mobile Stromversorgung im Verteidigungsbereich
interessant. Dort sind neben der Verfügbarkeit des Kraftstoffs geringe
Geräuschemissionen, eine geringe Wärmeabgabe und geringes Gewicht von
Bedeutung. Die Kombination aus Dieselreformer und Brennstoffzelle bietet
hierfür Potenzial: Im Vergleich zu motorischen Dieselgeneratoren kommt sie
mit weniger großen bewegten Bauteilen aus und kann die Geräusch- und
Wärmesignatur verringern. Mögliche Einsatzfelder sind die Stromversorgung
von Kommando- und Überwachungsfahrzeugen oder Feldlagern.
Fraunhofer IMM auf der Hydrogen Technology World Expo
Die Hydrogen Technology World Expo bringt in Hamburg Entwicklungen für die
stationäre und mobile Nutzung von Wasserstoff zusammen. Das Fraunhofer IMM
ist in Halle B5, Stand 5G26 vertreten. Dort präsentiert das Institut neben
seiner Arbeit mit Dieselkraftstoff auch einen Methanolreformer sowie
Technologien zur Wasserstoffgewinnung aus Ammoniak und zur Methanisierung
von Kohlendioxid. Den möglichen Einsatz von Diesel als Wasserstoffquelle
für Brennstoffzellen im Verteidigungsbereich erläutert Dr. Gunther Kolb am
22. Oktober von 13:10 bis 13:30 Uhr auf der Hydrogen Stage A.
