Umziehen im Alter: je später, umso schwerer | Studien prüfen Wirkung von Wohnungswechsel ab 70
Wie ältere Menschen wohnen, entscheidet über ihre Selbstständigkeit,
gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität. Dabei verändern sich mit
zunehmendem Alter die Anforderungen an die Wohnsituation. Ein Umzug kann
eine Möglichkeit sein, die Wohnsituation daran anzupassen – und den
Wechsel in ein Altenheim vorerst zu verhindern.
Wissenschaftliche Studien der Universität Vechta zeigen, dass er aber so
früh wie möglich erfolgen sollte, denn die Anpassung ans neue Heim fällt
mit der Zeit immer schwerer. Teile der Ergebnisse sind nun in „Innovation
in Aging“, eines der weltweit renommiertesten Journals im Bereich
Gerontologie, erschienen.
+++ Den vollständigen Beitrag finden Sie hier:
auf Wissenschaft-im-Norden.de, dem Wissenschaftsportal der Universität
Vechta. +++
Ein Wohnungswechsel kann im höheren Alter sinnvoll werden, wenn sich die
Lebensbedingungen verändern, etwa durch gesundheitliche Einschränkungen,
veränderte soziale Netzwerke oder steigenden Unterstützungsbedarf. Gerade
in dieser Lebensphase ist ein Umzug oft aber auch mit erheblichen
organisatorischen, sozialen und emotionalen Herausforderungen verbunden.
Manuela Schulz, Gerontologin an der Universität Vechta, ist deshalb in
ihrer Doktorarbeit der Frage nachgegangen: „Bleiben oder Gehen?
Umzugsentscheidungen im Alter zwischen Konsistenz, Kontext und
Konsequenzen“. Die Grundlage für ihre Arbeit bilden drei unterschiedliche
Studien.
„Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ältere Menschen über mögliche Umzüge
entscheiden. Welche Merkmale einer neuen Wohnsituation sind dabei relevant
für sie und welche Veränderungen zeigen sich nach einem erfolgten
Wohnungswechsel?“, erklärt die Doktorandin. Dabei gehe es um Umzüge in
passendere Wohnungen oder Häuser, zum Kauf oder zur Miete, die einen
Wechsel in ein Heim vorerst verhindern.
Besseres Wohnumfeld, bessere Ausstattung
Auf Grundlage von Längsschnittdaten des Deutschen Alterssurveys wurde
untersucht, wie sich Wohnsituation, funktionale Gesundheit und weitere
gesundheitsbezogene Merkmale in den Jahren vor, während und nach einem
Umzug entwickelten. Die Analysen zeigen, dass sich durch einen Umzug
insbesondere Aspekte der Wohnungsausstattung (wie barrierefreie
Badezimmer) und des Wohnumfelds (von Einkaufsmöglichkeiten bis zur ÖPNV-
Anbindung) verbesserten.
Dabei bestanden deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen.
Verbesserungen der altersgerechten Wohnungsausstattung waren besonders im
hohen Alter ausgeprägt, während sich Veränderungen des Wohnumfelds vor
allem bei Personen in ihren 70ern zeigten.
Wie wirkt ein Umzug auf die Gesundheit?
Auch gesundheitliche Verläufe unterschieden sich nach Alter. Bei Menschen
im sehr hohen Alter waren rund um den Umzug deutliche Einbußen der
funktionalen Gesundheit zu beobachten, während sich die Entwicklung
anschließend stabilisierte.
Kosten & Nähe zu Angehörigen
Ebenfalls wurde wissenschaftlich untersucht, welche Merkmale einer
potenziellen neuen Wohnung die Bereitschaft zu einem Umzug beeinflussen.
Deutlich unterschiedlich war dabei die Gewichtung: Personen, die aktuell
Eigentümer sind, achten bei der Wahl der neuen Wohnung mehr auf die
Ausstattung und die Nähe zu den Angehörigen. Personen, die aktuell zur
Miete wohnen, achten bei der Wahl der neuen Wohnung eher auf den Preis.
Umzugsentscheidungen hängen damit nicht allein von der Wohnung selbst ab,
sondern auch von der Form des Wohnens.
Umzüge vorausschauend planen
Insgesamt empfiehlt sich nach den Ergebnissen der Studien eine
vorausschauende Auseinandersetzung mit der Wohnsituation im Alter,
interpretiert die Wissenschaftlerin Manuela Schulz.
„Ein Umzug muss nicht erst dann zum Thema werden, wenn Treppen,
gesundheitliche Einschränkungen oder Unterstützungsbedarf das Wohnen im
bisherigen Zuhause akut erschweren. Vielmehr kann es sinnvoll sein,
bereits früher mit der Partnerin oder dem Partner und der Familie darüber
zu sprechen, welche Wohnsituation langfristig gewünscht und realistisch
ist.“
+++ Den vollständigen Beitrag finden Sie auf Wissenschaft-im-Norden.de,
dem Wissenschaftsportal der Universität Vechta. ++
