S3-Leitlinie Speiseröhrenkrebs aktualisiert
Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e. V. die S3-Leitlinie zum
Ösophaguskarzinom aktualisiert und neue Empfehlungen zur Diagnostik sowie
zur kurativen und palliativen Therapie formuliert. Die Leitlinie soll dazu
beitragen, für Betroffene mit Speiseröhrenkrebs eine angemessene und
evidenzbasierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen.
Die Diagnostik und Therapie des Speiseröhrenkrebses ist sehr komplex. Die
Speiseröhre befindet sich nahe am Bronchialsystem und an der Lunge. Dies
erfordert hohe technische Anforderungen beim operativen Eingriff und eine
enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Zudem können neben der
Operation weitere Therapiemöglichkeiten in Betracht kommen, wie etwa die
Radiotherapie, die Chemotherapie sowie die Endoskopie.
Neuerungen kurative Therapie
Kleinere, auf die Schleimhaut begrenzte Tumoren, werden in der Regel
endoskopisch entfernt. Sind die Tumoren bereits tiefer eingewachsen, kann
in bestimmten Fällen eine Operation als kurative Therapie infrage kommen.
In einer Ösophagektomie wird dabei die gesamte Speiseröhre entfernt. Die
Ösophagektomie und die Rekonstruktion des Ösophagus sind komplexe
Eingriffe und können entweder minimalinvasiv oder in Kombination mit
offenen Verfahren durchgeführt werden. „Neue Daten zeigen, dass hierbei
die minimalinvasive oder Hybrid-Technik gegenüber dem offenen Verfahren
Vorteile hat. Patientinnen und Patienten haben beispielsweise weniger
postoperative Komplikationen, eine verbesserte Lebensqualität und zudem
eine verbesserte Prognose“, so Professor Dr. Rainer Porschen vom
Kreiskrankenhaus Osterholz. Er ist zusammen mit Professor Dr. Matthias
Ebert von der Universitätsmedizin Mannheim, Koordinator der S3-Leitlinie.
Palliative Therapie – Stenteinsatz
Ist die Krebserkrankung fortgeschritten und der Tumor nicht mehr operativ
zu entfernen, leiden Betroffene häufig an Schluckstörungen und verlieren
stark an Gewicht. In diesen Fällen wird oftmals endoskopisch ein
selbstexpandierender Metall-Stent gesetzt, der die Speiseröhre offenhält.
„Heute wissen wir jedoch, dass ein Stenteinsatz beim Ösophaguskarzinom
nicht immer sinnvoll ist“, sagt Porschen. Krebsbetroffene, bei denen eine
präoperative Radiochemotherapie mit anschließender Operation geplant ist,
profitieren beispielsweise nicht von einer Stentimplantation. „Neue
Studien zeigen, dass bei dieser Gruppe von Patientinnen und Patienten
Komplikationen auftreten können und die 3-Jahres-Überlebensrate schlechter
ausfiel, wenn sie einen Stent erhielten. Der Einsatz sollte demnach gut
abgewogen werden“, so Porschen.
Beim Ösophaguskarzinom werden zwei Gruppen unterschieden: Das
Plattenepithelkarzinom tritt in der Speiseröhre meist in Höhe des Hals-
und Brustbereichs auf. Adenokarzinome entstehen in der Regel im unteren
Speiseröhrenabschnitt, der in den Magen mündet. Der Tumor versursacht im
frühen Stadium kaum Beschwerden, deshalb wird er meist erst in einem
fortgeschritteneren Stadium diagnostiziert. Laut Prognosen des Robert
Koch-Instituts sind im Jahr 2020 1.800 Frauen und 6.100 Männer neu an
Speiseröhrenkrebs erkrankt. Das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen
beträgt 71 Jahre, bei Männern 67 Jahre. Das Ösophaguskarzinom zählt zu den
Krebserkrankungen mit schlechter Prognose. Die relative 5-Jahres
Überlebensrate liegt bei 22 bis 24 Prozent.
An der S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome
und Adenokarzinome des Ösophagus waren insgesamt 40 ehrenamtlich
arbeitende Fachexpert*innen aus 25 Fachgesellschaften und Organisationen
beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.
Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Nähere Informationen zur Leitlinien-App gibt es hier: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.
Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 31 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e.V.
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft
zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als
6500 in Klinik und Forschung tätige Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach.
Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien,
veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den
wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die
Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und
Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle der
Patientinnen und Patienten. https://www.dgvs.de/
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