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Ehrenamt trifft Wissenschaft: Wildbienen in Nisthilfen bestimmen

Wildbienen und Wespen sind anhand ihrer Brutzellen bestimmbar. Ein neuer
Ratgeber des Thünen-Instituts für Biodiversität unterstützt Interessierte
jenseits aller Artenkenntnis dabei, Bestäuber-Insekten zu identifizieren.

Ein neuer Bestimmungsschlüssel ermöglicht es Interessierten, unabhängig
von ihrer Artenkenntnis Wildbienen, Wespen und deren Gegenspieler in
speziellen Monitoring-Nisthilfen zu erkennen. In dem Thünen-Ratgeber
werden 187 hohlraumnistende Arten in Deutschland ausführlich in Wort und
Bild beschrieben. Er soll das Interesse für die Artengruppe fördern und
Naturbegeisterten einen Einstieg in die Bestimmung ermöglichen. Darüber
hinaus ist der Schlüssel auch für das wissenschaftliche Arbeiten und den
Einsatz in Monitoring-Aktivitäten gedacht.

Der Schlüssel ist ein Ergebnis des Wildbienen-Monitorings in
Agrarlandschaften am Thünen-Institut für Biodiversität. In den vergangenen
Jahren haben mehr als 200 Freiwillige deutschlandweit eine Art Hotelkette
für Wildbienen aufgebaut. Sie haben Nisthilfen aufgestellt, ihre
Besiedlung dokumentiert und die Entwicklung der Individuen verfolgt.
Anhand von tausenden Fotos der Niströhren konnten Forschende am Thünen-
Institut sowie an den beteiligten Universitäten Freiburg und Würzburg das
Wissen über Wildbienen vergrößern und ihre Erkenntnisse in dem
Bestimmungsschlüssel festhalten. Auf diese Art und Weise konnten
taxonomische Expertise der Forschung und Erkenntnisse aus der
Bürgerwissenschaft zusammengeführt werden. „Mit dem Ratgeber haben wir
nicht nur einen großen Datenschatz gesichert. Er trägt auch zu einem
Informationsgewinn für alle bei. Das Wildbienen-Monitoring ist ein gutes
Beispiel dafür, wie man verschiedenste Akteurinnen und Akteure
zusammenbringen und aus deren Wissen neues Wissen generieren kann“, sagt
Dr. Petra Dieker, Leiterin des Nationalen Monitoringzentrums zur
Biodiversität und zuvor Leiterin des Wildbienen-Monitorings am Thünen-
Institut.

Wildbienen sind wichtige Bestäuber und stehen wegen ihrer Gefährdung im
gesellschaftlichen Fokus. 25 Prozent der in Deutschland heimischen
Wildbienenarten legen Nester oberirdisch in bereits bestehenden Hohlräumen
an. Acht Prozent nehmen Nisthilfen als „künstliche“ Alternative an. In den
am Thünen-Institut entwickelten standardisierten Monitoring-Nisthilfen
lassen sich Wildbienen gut beobachten: Gestapelte Brettchen mit Bohrungen
in unterschiedlichen Größen bieten verschiedenen Wildbienenarten einen
Nistplatz an. Ehrenamtliche Nisthilfe-Patinnen und -Paten können sie
auseinanderschrauben und von oben einen Blick auf die bewohnten Brettchen
werfen, ohne die Insekten zu stören. Mithilfe des Bestimmungsschlüssels
können nun sowohl Naturbegeisterte als auch Expertinnen und Experten
Wildbienen, Wespen und Gegenspieler wie Kuckucksbienen oder Schlupfwespen
erkennen.

Der Bestimmungsschlüssel ist in einer Kooperation aus Forschenden im
Wildbienen-Monitoring am Thünen-Institut sowie an den Universitäten
Freiburg und Würzburg entstanden. Er steht in der Kategorie Thünen-
Ratgeber online kostenlos zum Download zur Verfügung und kann per
Nachricht an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> als Printexemplar bestellt werden.

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Wie kann die Wissenschaft Transformationen mitgestalten? Policy Paper zu Wissenstransfer zeigt neue Wege auf

Damit  Wissenstransfer aus Hochschulen und Instituten wirksam zur
Bewältigung gesellschaftlicher und ökologischer Transformationen beiträgt,
muss er neu aufgestellt werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein
Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung, das
die Rolle von Hochschulen in Innovationsprozessen untersucht hat. Die
Ergebnisse wurden in einem Policy Paper zusammengefasst, das am heutigen
Mittwoch dem 8. November bei einer Veranstaltung in Erkner vorgestellt
wurde. Zentrale Forderungen sind eine Zuwendung zur Zivilgesellschaft als
Zielgruppe von Transfer, die Abkehr von reiner Technologie-Orientierung
und die Öffnung der Hochschulen für Impulse aus der Praxis.

Erkner. Auf dem 55. Brandenburger Regionalgespräch des Leibniz-Instituts
für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) zum Thema „Was heißt hier Transfer?
Wissenschaftliche Einrichtungen und ihre Rolle für die regionale
Entwicklung“ diskutierten heute Fachleute aus Wissenschaft,
Zivilgesellschaft und Politik, wie das Wissenschaftssystem die
Gesellschaft beim Umgang mit aktuellen Herausforderungen wie dem
Klimawandel und der sozialen Spaltung zwischen Stadt und Land unterstützen
kann. Suntje Schmidt, Leiterin des Forschungsschwerpunkts „Ökonomie und
Zivilgesellschaft“ des IRS, stellte bei dieser Gelegenheit das Policy
Paper „Wissenstransfer als kritische Infrastrukturierung: Vier Thesen zur
Gestaltung von Wissenstransfer als Zusammenspiel von Wissenschaft und
gesellschaftlicher Innovationsfähigkeit“ vor.

Laufend in Kontakt mit der Gesellschaft

Die Autor*innen des Policy Papers, Suntje Schmidt und Tim Rottleb, kommen
zu dem Schluss, dass evidenzbasiertes Handeln heute für die Gesellschaft
unverzichtbar ist, wie beispielsweise die Corona-Pandemie gezeigt hat. Die
Forschung nimmt deshalb die Rolle einer kritischen Infrastruktur für die
Gesellschaft ein. Zugleich wird der klassische Weg, Wissen in Form von
Patenten, Publikationen oder Beratung in die Praxis zu „transferieren“,
den heutigen Bedarfen nicht gerecht. „Wir wollen Wissenstransfer nicht
mehr als Einbahnstraße verstehen. Die Wissenschaft muss laufend mit der
Gesellschaft in Kontakt sein und sich in Transformationsprozesse
einbringen, offen und agil. Deshalb sprechen wir von Wissenstransfer als
kritischer Infrastrukturierung“, sagt Suntje Schmidt.

Mit Communities und Initiativen arbeiten

So sollte der Wissenstransfer seinen bisherigen Fokus auf Technologie und
wirtschaftliche Verwertung überwinden und „soziale Innovationen“, also die
gesellschaftliche Verankerung neuer Problemlösungen, anvisieren.
Entsprechend sollen neben Unternehmen vielfältige gesellschaftliche
Akteure, von der Stadtverwaltung bis zur Dorfinitiative, als Partner für
den Wissenstransfer verstanden werden. Wissenschaft und Praxis sollen
dabei gleichberechtigt voneinander lernen und Probleme als Gelegenheiten
für Innovationen begreifen. Als ideale Form der gemeinsamen Arbeit an
Problemen skizziert das Paper „Communities of Practice“: Gruppen von
Menschen aus unterschiedlichen Organisationen, die sich um eine konkrete
praktische Herausforderung versammeln und langfristig daran arbeiten.
Solche Communities aufzubauen und zu pflegen soll demnach als Aufgabe von
Wissenstransfer begriffen und in der Wissenschaft verankert werden.

Das Wissenschaftssystem öffnen

Um diese Neuausrichtung zu erreichen sind nach Auffassung von Schmidt und
Rottleb neue Strukturen von Hochschulen und anderen
Forschungseinrichtungen nötig. Unter anderem soll bei Berufungen auf
Professuren das Engagement für den Wissenstransfer gewürdigt werden.
Hochschulen sollten außerdem Forschung und Lehre für den Transfer öffnen.
Auch Menschen, die lange in der Praxis tätig waren und nun über Reformen
in ihrem Feld nachdenken wollen, sollen im Wissenschaftssystem willkommen
sein – über Promotionsstellen, Lehrtätigkeit und Fellowships.

Das Policy Paper basiert auf den Erkenntnissen des Projekts „Open Region:
Regionale Problemlagen als Ausgangspunkte von Innovationen“, ein
Teilprojekt der Innovativen Hochschule „Innovation Hub13 – fast track to
transfer“. Es lief von Januar 2018 bis Dezember 2022 und wurde vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die im Papier
formulierten Thesen wurden vom Team des „Open Region“-Projekts in einem
Policy Lab Ende 2022 gemeinsam mit Akteuren aus Wissenschaft, Politik und
Zivilgesellschaft entwickelt.

Über das IRS

Das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner untersucht
die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und der
Transformation von Räumen. Es berät Akteure aus Politik und
Zivilgesellschaft, um die zukunftsfähige Entwicklung von Dörfern, Städten
und Regionen zu fördern und sozialräumliche Ungleichheit zu lindern. Dafür
arbeiten über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der
Wirtschafts- und Sozialgeographie, Politikwissenschaft, Soziologie,
Planungswissenschaft, Geschichtswissenschaft sowie der Kunst- und
Architekturgeschichte als interdisziplinäres Team zusammen.

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Parkinson-Krankheit durch Umwelttoxine?

Die Zunahme an neurodegenerativen Alterserkrankungen wie M. Parkinson
übersteigt die durch den demografischen Wandel erwarteten Zahlen. Nur eine
Minderheit der Fälle ist genetisch erklärbar. Die Erforschung der
Ätiologie und der Pathomechanismen erhärtet zunehmend den Verdacht, dass
„Lifestyle“ und Umweltfaktoren bzw. -toxine eine Rolle spielen,
beispielsweise in Kombination mit der genetischen Disposition. Es vergeht
kein Monat, in dem nicht neue Publikationen zu dem Thema erscheinen.

Die Parkinson-Krankheit gehört zu den chronischen neurodegenerativen
Erkrankungen, die bisher nicht heilbar oder kausal behandelbar sind. Seit
Jahren nehmen Inzidenz und Prävalenz der Erkrankung zu – eine Ursache
dafür ist der demografische Wandel, der generell zu einer Zunahme
altersassoziierter Erkrankungen führt. Jedoch ist die Zunahme von
Parkinson überproportional, also deutlich stärker als allein durch die
Überalterung der Gesellschaft erklärt werden kann [1]. So litten im Jahr
2016 weltweit 6,1 Millionen Menschen an der Parkinson-Krankheit, 2,4-mal
mehr als im Jahr 1990 (2,5 Millionen). Der Anstieg war in Ländern mit
hohem soziodemografischem Index (der SDI beinhaltet Pro-Kopf-Einkommen,
Bildung, Fertilität) am niedrigsten und in Ländern mit mittlerem SDI am
höchsten.

Seit Jahren nehmen Hinweise zu, dass bei der Entstehung der Parkinson-
Krankheit auch Umweltfaktoren, insbesondere Schadstoffe oder Umwelttoxine,
beteiligt sein können.

Dass Partikelschadstoffe aus der Luft und andere Umwelttoxine sich auf das
Nervensystem auswirken, ist unumstritten. Die Folgen bzw. neurologischen
Symptome bei akuten Vergiftungen zeigen sich oft direkt, wohingegen
langfristige Folgeschäden nur schwer auf eine bestimmte Ursache
zurückzuführen sind. Dennoch wurden in der Umwelt- und Arbeitsmedizin
bereits viele Kausalzusammenhänge zwischen jahrzehntelangen, z.B.
berufsbedingten, Schadstoffexpositionen und entsprechenden Spätfolgen
identifiziert und anerkannt. Bei den potenziellen Zusammenhängen von
Umweltfaktoren mit Alterserkrankungen ist dieser Weg aber vermutlich noch
weit. So beschäftigt sich inzwischen auch das Umweltbundesamt [2] mit der
Thematik und unterstützt die entsprechende Forschung.

Seit längerer Zeit wird beispielsweise die Rolle des industriellen
Lösungsmittels Trichlorethylen (TCE) bei der Entstehung des M. Parkinson
diskutiert. Vor wenigen Monaten erschien eine Publikation [3], die dafür
den bisher überzeugendsten Beweis erbracht hat [4]. Bisher umfasste die
Literatur weniger als 20 Menschen, die nach TCE-Exposition an Parkinson
erkrankten. Diese neue Kohortenstudie untersuchte über 340.000 US-
Veteranen, die 1975−1985 für mindestens drei Monate in Camp Lejeune, North
Carolina, stationiert waren. Dort war es damals zu einer Verunreinigung
des Trinkwassers mit organischen Lösungsmitteln gekommen: Es wurde mehr
als das 70-Fache der zulässigen Menge TCE nachgewiesen. Die heutigen
Veteranen waren damals ungefähr 20 Jahre alt und lebten dort ca. zwei
Jahre. Die Auswertung der Krankenunterlagen der nun ungefähr 60 Jahre
alten Soldaten zeigte, dass das Parkinson-Risiko um 70 % höher war
(Prävalenz 0,33 %; OR 1,70; p<0,001) als in einer Vergleichsgruppe eines
anderen Camps ohne Trinkwasserkontamination (Prävalenz 0,21 %). Bei den
Camp-Lejeune-Veteranen fanden sich außerdem häufiger Symptome, von denen
bekannt ist, dass sie dem Ausbruch der Bewegungsstörung vorausgehen.

Weitere Substanzen, für die ein konkreter Verdacht besteht, wurden in
letzter Zeit publiziert. Aktuelle Arbeiten [5, 6] geben einen Überblick
zur möglichen Rolle von Organophosphor-Verbindungen (Pestiziden) bei der
Entstehung neurodegenerativer und neurologischer Entwicklungsstörungen. Es
werden Zusammenhänge mit der Parkinson-Krankheit beschrieben, aber auch
mit der Alzheimer-Krankheit, der Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus und anderen entwicklungsbedingten
Neurotoxizitäten, wie z. B. geistiger Behinderung. „Die mögliche Bedeutung
von Pestiziden für die Zunahme von neurodegenerativen Erkrankungen wie
Parkinson wird bei der derzeitigen europaweiten Diskussion bezüglich der
Reduktion der Pestizidbelastung und des Glyphosat-Verbots zu wenig
berücksichtigt“, kritisiert Prof. Dr. med Daniela Berg, Kiel, Präsidentin
des diesjährigen DGN-Kongresses. Tatsächlich werden sowohl bezüglich
Glyphosat wie auch bei der am 24.10.2023 im Umweltausschuss der EU
diskutierten „Sustainable Use Regulation“ (SUR) von Pestiziden primär der
Artenschutz und die möglichen Auswirkungen auf Krebserkrankungen genannt.
Dabei sind die neurotoxischen Wirkungen von Pestiziden schon lange
bekannt. Die Tatsache, dass Substanzen wie MPTP und Rotenon, die als
Pestizid verwendet wurden bzw. noch werden, auch genutzt werden, um
Tiermodelle für die Erforschung der Parkinsonerkrankung zu generieren,
sollte ebenso in die aktuellen Diskussionen einfließen, wie die Tatsache,
dass die Parkinson-Erkrankung in Frankreich bei Personen, die in der
Landwirtschaft gegenüber Pestiziden exponiert waren (z.B. in
Weinanbaugebieten), als Berufskrankheit anerkannt wird.

Für viele Pestizide ist ein direkt toxischer Effekt auf das Nervensystem
nachgewiesen. So auch für Glyphosat, welches zu Veränderungen der
Neurotransmitter- (Überträgerstoff-) Konzentrationen im Nervensystem und
zu einem zellschädlichen Milieu beiträgt. Parkinsonerkrankungen wurden
sowohl nach akuter [7] wie auch nach chronischer [8] Glyphosat-Exposition
beobachtet. Neben dem direkt toxischen Effekt müssen auch mögliche
indirekte Effekte, beispielsweise über eine Veränderung des Mikrobioms,
bedacht werden. Außerdem beeinflussen genetische Variationen (sogenannte
Polymorphismen) die individuelle Anfälligkeit für eine Neurotoxizität. „Es
besteht gerade angesichts der rapiden steigenden Zahl der Parkinson-
Erkrankungen ein dringender Bedarf, den möglichen Beitrag von Pestiziden
weiter zu erforschen und in die aktuellen Diskussionen mit einzubeziehen“,
so Prof. Daniela Berg.

Im Gegensatz zum früher häufiger gesehenen Manganismus, der akuten
Toxizität von Mangan (Mn), ist die chronisch-kumulative Toxizität einer
lebenslangen niedrig dosierten Mn-Exposition noch nicht ausreichend
erforscht. Eine neue Arbeit fasst das bisherige Wissen zu den
langfristigen Auswirkungen von Mn aus epidemiologischen und
experimentellen Studien zusammen [9]. Es zeigt sich, dass sich bei
chronischer niederschwelliger Exposition (gegenüber der akuten) die Mn-
Ablagerung auch auf Hirnregionen ausdehnt wie die Substantia nigra. Die
typischen motorischen Parkinson-Symptome sind durch Degeneration der
dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra bedingt. Es ergibt sich die
dringende Vermutung, dass eine Kombination aus Expositionsdauer,
-intensität und genetischer Anfälligkeit die Mn-induzierte Neurotoxizität
(mitochondriale Dysfunktion, Neuroinflammation, oxidativer Stress und
gestörte Proteinhomöostase) beeinflusst. Die Daten deuten nach Ansicht des
Autorenteams darauf hin, dass Mn in Zukunft ein großes Gesundheitsrisiko
darstellt und kumulativ höchstwahrscheinlich zum Parkinson-Ausbruch und
-Fortschreiten beiträgt. Mit Blick auf die zunehmende Verbreitung von Mn
in der Umwelt (z. B. an Arbeitsplätzen), sei es unbedingt erforderlich,
diesen modifizierbaren Faktor weiter zu erforschen, zu definieren und
entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Studien zeigten bereits, dass sowohl die langfristige als auch die
kurzfristige Exposition gegenüber Luftschadstoffen mit einem erhöhten
Parkinson-Risiko verbunden sein kann, während es keine Aussagen zur
Auswirkung einer mittelfristigen Exposition gab. Eine retrospektive
Beobachtungsstudie aus China [10] zeigt nun einen statistisch
signifikanten Zusammenhang zwischen mittelfristiger Schwefeldioxid
(SO2)-Exposition und M. Parkinson bei fast 40.000 Fällen (über 2.191 Tage,
2014-2019). So entsprach der Anstieg pro 1 μg/m3 SO2 einem Anstieg
monatlicher ambulanter Arztbesuche wegen Parkinson von 2,34 %. Die
Ergebnisse unterstreichen nach Ansicht des Autorenteams, wie wichtig es
ist, neben der bisherigen Fokussierung auf die lang- oder kurzfristigen
Auswirkungen, auch der Rolle mittelfristiger SO2-Belastung der Luft bei
der Entwicklung der Parkinson-Krankheit mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Notwendig seien mehr Forschung und politische Maßnahmen im Bereich der
öffentlichen Gesundheit.

Die Liste der Substanzen, die darüber hinaus im Fokus stehen, ist lang:
Darunter sind neben Feinstaub, Pestiziden, Lösemitteln, neurotoxischen
Metallen (wie Mangan, Blei, Quecksilber, Cadmium) auch Mikroplastik und
Nanopartikel, Mineralöle, chemische Weichmacher, Bisphenol A (BPA), da sie
mit typischen biochemischen Parkinson-Merkmalen (wie mitochondrialer
Dysfunktion, Störungen der Metallhomöostase und Aggregation von Proteinen)
in Verbindung gebracht werden.

„All diese Studien geben nicht übersehbare Hinweise, dass Umwelttoxine die
Parkinson-Inzidenz zusätzlich erhöhen können, was eine Erklärung für den
überproportionalen Anstieg sein kann“, so Prof. Berg, Kiel. „Zweifellos
ist künftig die Politik, aber auch jeder Einzelne gefordert, damit
entsprechende Expositionen minimiert werden. Ferner sollte dringend in
Forschung investiert werden, die die Zusammenhänge von Umwelttoxinen und
neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson aufdeckt und die
krankheitsbedingenden Mechanismen aufklärt.“

[1] Dorsey ER, Elbaz A, Nichols E et al. Global, regional, and national
burden of Parkinson's disease, 1990-2016: a systematic analysis for the
Global Burden of Disease Study 2016. Lancet Neurol 2018; 17 (11): 939-953
[2] https://www.umweltbundesamt.de/umweltschadstoffe-alterskrankheiten
[3] Goldman SM, Weaver FM, Stroupe KT et al. Risk of Parkinson Disease
Among Service Members at Marine Corps Base Camp Lejeune. JAMA Neurol 2023
May 15; e231168 doi: 10.1001/jamaneurol.2023.1168. Online ahead of print.
PMID: 37184848 PMCID: PMC10186205 DOI: 10.1001/jamaneurol.2023.1168
[4] Wadman M. Solvent exposure strongly linked to Parkinson's. Science.
2023 May 19;380(6646):683. doi: 10.1126/science.adi7660. Epub 2023 May 18.
PMID: 37200442.
[5] Mostafalou S, Abdollahi M. The susceptibility of humans to
neurodegenerative and neurodevelopmental toxicities caused by
organophosphorus pesticides. Arch Toxicol. 2023 Oct 3. doi:
10.1007/s00204-023-03604-2. Epub ahead of print. PMID: 37787774.
[6] Paul KC, Krolewski RC, Lucumi Moreno E et al. A pesticide and iPSC
dopaminergic neuron screen identifies and classifies Parkinson-relevant
pesticides. Nat Commun. 2023 May 16;14(1):2803. doi:
10.1038/s41467-023-38215-z. Erratum in: Nat Commun. 2023 Jun
23;14(1):3747. PMID: 37193692; PMCID: PMC10188516.
[7] Barbosa ER, Leiros da Costa MD, Bacheschi LA et al. Parkinsonism after
glycine-derivate exposure. Mov Disord. 2001 May;16(3):565-8. doi:
10.1002/mds.1105. PMID: 11391760.
[8] Wang G, Fan XN, Tan YY, Cheng Q, Chen SD. Parkinsonism after chronic
occupational exposure to glyphosate. Parkinsonism Relat Disord. 2011
Jul;17(6):486-7. doi: 10.1016/j.parkreldis.2011.02.003. Epub 2011 Mar 2.
PMID: 21367645.
[9] Lucchini R, Tieu K. Manganese-Induced Parkinsonism: Evidence from
Epidemiological and Experimental Studies. Biomolecules. 2023 Jul
30;13(8):1190. doi: 10.3390/biom13081190. PMID: 37627255; PMCID:
PMC10452806.
[10] Hu Y, Zhou C, Tan C, Liu J, Huang X, Liu X, Yao C, Li D, Huang Q, Li
N, Long J, Li X, Li Y, Zhou L, Cai T. The association between
intermediate-term sulfur dioxide exposure and outpatient visits for
Parkinson's disease: a time-series study in southwestern China. Environ
Sci Pollut Res Int. 2023 Sep;30(44):99694-99703. doi:
10.1007/s11356-023-29408-6. Epub 2023 Aug 24. PMID: 37615914.

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Bochum, Erfolgreiche Abschlüsse trotz Mehrfachbelastung

61 Absolventinnen und Absolventen der Verbundstudiengänge Wirtschaftsingenieurwesen und Management für Ingenieur- und Naturwissenschaften (MBA) waren am Wochenende der Einladung in die Blue Box der Hochschule Bochum gefolgt und wurden dort nach erfolgreichem Studienabschluss feierlich verabschiedet.

Von Rüdiger Kurtz
Die Anwesenden wussten genau, was Professorin Dr. Claudia Frohn-Schauf, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Weiterbildung der Hochschule Bochum, in ihrer Begrüßungsrede meinte, als sie von "enormen Belastungen" sprach, denen die Studierenden der Verbundstudiengänge in den vergangenen Jahren erfolgreich standgehalten hatten. Ob am Arbeitsplatz, am heimischen Schreibtisch oder an der Hochschule: Konzentration und Engagement waren gefragt, von morgens bis abends und selbst an den Wochenenden.

Prof. Frohn-Schauf wies in ihrer Rede auf die Notwendigkeit lebenslangen Lernens und stetiger Weiterbildung hin: "Sie haben hier in bester Weise den nächsten Schritt getan". Alle Absolventinnen und Absolventen hatten neben einer Berufstätigkeit in Vollzeit ein von der Hochschule Bochum und der FH Südwestfalen gemeinsam angebotenes, qualitativ hochwertiges Studium absolviert. "Die zusätzliche Belastung allein durch das Studium liegt bei etwa 15-20 Stunden pro Woche", so MBA-Studiengangleiter Prof. Dr. Ralf Schlottmann: "Während der Klausurphasen und der Abschlussarbeit sind es auch schon mal ein paar Stunden mehr." Für viele kamen noch die Anforderungen der eigenen Familie hinzu. "Sie haben mit Ihrem Engagement auch Ihren Arbeitgebern gezeigt, dass Sie bereit sind, die Extra-Meile zu gehen, und Ihre Bildungsrendite erheblich gesteigert", so Schlottmann.

Trotz Mehrfachbelastung fällt die Beurteilung des Verbundstudiums fast durchweg positiv aus. Laut Umfrage zeigen sich mehr als 95 % der Absolventinnen und Absolventen mit dem Studium zufrieden bzw. sehr zufrieden und würden es weiterempfehlen. Bei gut einem Drittel der Befragten der letzten Jahre hatte sich die berufliche Situation bereits innerhalb des ersten Jahres nach dem Studienabschluss verbessert.

Ein wesentlicher Erfolgsgarant ist dabei – neben der inhaltlichen Ausrichtung der Studiengänge – auch die Verbundenheit der Studierenden, die durch viele gemeinsame Veranstaltungen und Exkursionen gezielt gefördert wird. Entsprechend herzlich fiel dann auch die Auszeichnung aller Absolventinnen und Absolventen aus. Prof. Dr. Waldemar Rohde und Prof. Dr. Christian Toonen gratulierten den Absolventinnen und Absolventen und würdigten insbesondere die herausragenden Studienleistungen der besten Absolvierenden. Für den Alumni-Verein Verbundstudium prämierte Prof. Dr. Henner Klönne zusammen mit seiner Vorstandskollegin Eveline Stolarski die Abschlussarbeiten, die in den Bereichen Innovation, Praxisbezug und Nachhaltigkeit besonders überzeugt hatten.

Zwischen den einzelnen Veranstaltungspunkten sorgten die fünf Sänger von "Wireless Acappella" mit gekonntem Voice-Pop für guten Laune im großen Saal der BlueBox. Der gelungene und kurzweilige Abend klang dann bei einem festlichen Buffet, einem guten Glas Wein und dem Austausch gemeinsamer Erinnerungen in der Mensa der Hochschule Bochum aus.

Foto <https://www.hochschule-bochum.de/fileadmin/public/Die-BO_Einrichtungen/Hochschulkommunikation/Presse/2023/Absolventen_Verbund_Hut_11-2023.jpg> (4.87 MB): Da flogen die Hüte: Gruppenbild der Absolventinnen und Absolventen der Verbundstudiengänge Wirtschaftsingenieurwesen in der BlueBox der Hochschule Bochum. Foto: Thomas Kaiser, FH Südwestfalen

Foto <https://www.hochschule-bochum.de/fileadmin/public/Die-BO_Einrichtungen/Hochschulkommunikation/Presse/2023/Absolventen_Verbund__Dozenten_11-2023.jpg> (3.94 MB): Viele glückliche Gesichter: Gruppenbild der Absolventinnen und Absolventen mit zahlreichen Dozenten der Verbundstudiengänge Wirtschaftsingenieurwesen in der BlueBox der Hochschule Bochum. Foto: Thomas Kaiser, FH Südwestfalen

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