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Start des neuen akademischen Jahres an der HfK Bremen

Die Hochschule für Künste (HfK) Bremen startet mit 219 Erstsemestern in
das Wintersemester 2023/2024.

Am Montag, den 16. Oktober 2023, eröffnete die Hochschule für Künste
Bremen feierlich das Wintersemester 2023/2024. Bei der
Eröffnungsveranstaltung im Speicher XI A in der Bremer Überseestadt wurden
182 Erstsemester begrüßt, 37 folgen noch in den kommenden Wochen. Damit
studieren 118 Erstsemester im Fachbereich Kunst und Design und 101 im
Fachbereich Musik. Beworben hatten sich mehr als 2.190
Studieninteressierte. Insgesamt sind rund 1000 junge Künstler:innen und
Musiker:innen an der HfK eingeschrieben.

45,7 Prozent aller Studierenden zogen für ihre Ausbildung nach Deutschland
und bereichern die HfK. Unter den ausländischen Studienanfänger:innen
stammen die meisten Studierenden aus China (16 Prozent), Südkorea (acht
Prozent) und Taiwan (3 Prozent). Knapp dahinter folgen mit jeweils zwei
Prozent Japan, Polen, Protugal, Russland und die Ukraine.

„Erleben und gestalten Sie unsere Hochschule als einen Ort der Begegnung“,
forderte Prof. Dr. Mirjam Boggasch die Studierenden während der
Semesterbegrüßung auf. „Die Hochschule für Künste Bremen ist eine Kunst-
und Musikhochschule zugleich, regional verwurzelt und international
orientiert. Die HfK erstreckt sich über mehrere, sehr unterschiedliche,
Standorte in der Stadt. Diese außergewöhnlichen Rahmenbedingungen können
herausfordern, eröffnen aber gleichzeitig große Spielräume für Ihre
persönliche und künstlerische Entwicklung – und vor allem für eine
Vielfalt der persönlichen Begegnungen“, so die Rektorin.

Der Start in das Wintersemester ist auch ein festlicher Anlass, um
Ehrungen vorzunehmen. Jetzt wurden unter anderem die Stipendiat:innen des
Stipendien- und Betreuungsprogramms (STIBET) vom Deutschen Akademische
Austauschdienst (DAAD) ausgezeichnet. Diese sind: Jiye Lee (Freie Kunst),
Dorsa Eidizadeh (Freie Kunst), Eghbal Joudi (Freie Kunst), Minjeong Park
(Freie Kunst), Youngjae Cho (Elektroakustische Komposition), Gretel
Jazeron (Klavier), Grigorii Titov (Blockflöte), Chien-Wei Yan
(Orchesterinstrumente / Violine), Zwe Oak Seo (Digitale Medien) und
Martina Körbes Bracht (Violine).

Zudem wurde der DAAD-Preis für hervorragende Leistungen internationaler
Studierender an Andrii Smirnov verliehen, der im dritten Semester im
Master Integriertes Design studiert. Andrii Smirnov ist in der Ukraine
geboren und hat seinen Bachelor-Abschluss erfolgreich an der Staatlichen
Akademie für Design und Kunst Charkiw abgeschlossen. „Das Wichtigste, was
mich in meinem Studium antreibt, sind professionelle Lehrer:innen und ein
gutes, gemischtes Team von Studierenden“, sagt Smirnov und ergänzt „wir
haben die völlige Freiheit zu entscheiden, was wir tun wollen. Ich möchte
helfen, Grenzen und Medien zu öffnen, denn darum geht es in der Zukunft
der Designer:innen.“

Über die Hochschule für Künste Bremen

Rund 1.000 Studierende aus über 50 Ländern, 76  Professor:innen, 86
Mitarbeiter:innen der Verwaltung und mehr als 150 Lehrbeauftragte machen
die Hochschule für Künste Bremen zu einem lebendigen Ort.

Die HfK ist eine Hochschule der scheinbaren Gegensätze. Sie ist regional
verankert und doch extrem international ausgerichtet. Sie erstreckt sich
über verschiedene Standorte der Stadt, die sehr unterschiedlich sind, von
klassizistisch bis schwimmend und zeitgenössisch. Sie ist Kunst- und
Musikhochschule zugleich. Dieser Kontext, der die Hochschule ausmacht, ist
von besonderer Qualität und bildet einen Rahmen, der es ermöglicht sowohl
die kollektive als auch die individuelle künstlerische Entwicklung zu
stärken.

Das Studienangebot umfasst die Freie Kunst, Integriertes Design, Digitale
Medien sowie die Künstlerische und Künstlerisch-Pädagogische Ausbildung
Musik. Die HfK bietet darüber hinaus seit 2020 die Möglichkeit, im Rahmen
des künstlerisch-wissenschaftlichen PhD-Programms, insbesondere in den
Schwerpunktbereichen Integriertes Design und Digitale Medien, zu
promovieren. Durch offene Lehrveranstaltungen und gemeinsame
Prüfungsbetreuungen sowie durch die Werkstätten, Studios und thematische
Projekte werden Dialog und Zusammenarbeit gezielt gefördert. Mit rund 400
Veranstaltungen im Jahr gehört die HfK zu einer kulturellen und
gesellschaftlichen Säule der Stadt Bremen.
Die Beziehung zwischen den Mitgliedern der Hochschulgemeinschaft, ihre
vielfältigen Kooperationen, die engmaschige Betreuung sowie die
verschiedenen regionalen und internationalen Kollaborationen, tragen dazu
bei, dass die Studierenden sich zu starken individuellen Charakteren
entwickeln. So entstehen letztendlich Arbeiten, die hohe gesellschaftliche
Relevanz haben.

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Einladung zur Ringvorlesung "Gewalt und Geschlecht" im Bürgerhaus der Stadt Nordhausen

Gewalt und Geschlecht sind eng miteinander verbunden: Täter und Opfer
unterscheiden sich meist nach Geschlecht und auch die geschlechtliche
Identität ist an Macht und Gewalt geknüpft. Die Vorträge der Ringvorlesung
beschäftigen sich aus unterschiedlicher Perspektive mit diesem
Zusammenhang sowie mit Handlungsansätzen.

Die Hochschule Nordhausen lädt gemeinsam mit der
Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Nordhausen alle Interessierten
herzlich zur Ringvorlesung "Gewalt und Geschlecht" ein, die am 24. Oktober
2023 startet und verschiedene Aspekte der Verbindung zwischen Gewalt und
Geschlecht beleuchtet. Die Vorträge behandeln diese Thematik aus
unterschiedlichen Blickwinkeln und bieten Einblicke in die
Vielschichtigkeit des Problems sowie mögliche Handlungsansätze. Die
Veranstaltung beginnt jeweils um 18:00 Uhr, ist kostenfrei und findet im
Bürgerhaus der Stadt Nordhausen statt. Eine Anmeldung ist nicht
erforderlich.

Die Ringvorlesung umfasst folgende Termine und Themen:
24.10.23: Einführung in die Thematik und Überblick
21.11.23: Intersektionale Gewalt
28.11.23: Häusliche Gewalt gegen Frauen
12.12.23: Männlichkeit und Gewalt
09.01.24: Projekte aus der Praxis
23.01.24: Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen: Realität und Utopie

1.Einführung in die Thematik und Überblick
Die Ringvorlesung wird von Prof. Dr. Petra Brzank, Prof. Dr. Sabrina
Schramme, Prof. Dr. Stefan Siegel sowie Stefani Müller,
Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nordhausen, eröffnet. Sie
bieten eine Einführung und stellen die Ringvorlesung sowie ihre Bedeutung
und die Organisatoren vor.

2. Intersektionale Gewalt
Prof. Dr. Sabrina Schramme beleuchtet die Vielfalt von Gewalt und
Gewalterfahrungen, insbesondere unter Berücksichtigung verschiedener
Faktoren wie Geschlecht, Alter, Behinderung, soziale Herkunft, sexuelle
Orientierung und geschlechtliche Identität. Die Vorlesung betont die
Notwendigkeit unterschiedlicher Handlungsansätze.

3. Häusliche Gewalt gegen Frauen
Prof. Dr. Petra J. Brzank MPH spricht über häusliche Gewalt gegen Frauen
als ein gravierendes gesellschaftliches Problem. Sie analysiert die
geschlechtsspezifischen Zusammenhänge und die Auswirkungen auf die
Betroffenen und die Gesellschaft als Ganzes.

4. Männlichkeit und Gewalt
Prof. Dr. Stefan Siegel untersucht die Verbindung zwischen Männlichkeit
und Gewalt und wirft einen Blick auf psychologische Theorien, die diesen
Zusammenhang erklären können.

5. Projekte aus der Praxis
Steffi Mayer von der Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt
Nordthüringen und Eva Oppelt vom Projekt Orange, Gewaltkonfliktberatung
für Täter:innen häuslicher Gewalt, stellen ihre Arbeit vor und diskutieren
die Herausforderungen in der Unterstützung von Betroffenen sowie
Täterinnen & Tätern.

6. Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen: Realität und Utopie
Die Abschlussveranstaltung bietet einen Einblick in das Übereinkommen des
Europarates gegen Gewalt an Frauen und den Umsetzungsstand in Thüringen.

Es werden Handlungsanforderungen in einer Podiumsdiskussion erörtert:
Die Ringvorlesung "Gewalt und Geschlecht" ist eine Initiative der
Hochschule Nordhausen in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Sozialmedizin, Rehabilitationswissenschaften und Versorgungsforschung
(ISRV) sowie der Stadt Nordhausen. Weiterführende Informationen zur
Veranstaltung finden Sie unter https://www.hs-
nordhausen.de/aktuelles/veranstaltungen/veranstaltung-details/911
-ringvorlesung-geschlecht-gewalt-des-kompetenzzentrums-

intersektionalitaet-und-gesundheit/

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Der Schatz der Birnbäume

Die Klaus Tschira Stiftung fördert ein Projekt, das altes Wissen um
Obstsorten mit dem genetischen Fingerabdruck zusammenbringt.

Ahrensburg/Heidelberg, 17. Oktober 2023. Neben dem Klimawandel gibt es
noch weitere existenzielle Bedrohung der Menschheit, beispielsweise der
Verlust an Biodiversität. Die Klaus Tschira Stiftung fördert deshalb zwei
Jahre lang ein Projekt, das ganz besondere Früchte in den Fokus nimmt: die
Birnen. Das Vorhaben zum Schutz der Artenvielfalt widmet sich der
„Identifizierung alter Birnensorten mit Hilfe des genetischen
Fingerabdrucks“. Es befindet sich an der Nahtstelle von Naturschutz, seit
Generationen vorhandener Sortenkunde und aktueller Naturwissenschaft.
Dahinter steht Antragsteller Michael Heißenberg von der Stiftung Zeitlupe.
Er hat uns erklärt, warum es ihm Obst so angetan hat und warum es so
wichtig ist, die alten Sorten zu kennen, zu erforschen und zu bewahren.

Worum geht es:

Historisch wurden in deutschsprachigen Obstsortenverzeichnissen über 1000
Birnensorten ausführlich beschrieben, aber da es keinen
Bestimmungsschlüssel wie in der Botanik gibt, ist eine Bestimmung mittels
Buchwissen so gut wie unmöglich. Heute sind nur noch etwa 300 Sorten
namentlich vorhanden. Allerdings gibt es in Deutschland nicht mehr viele
Expertinnen und Experten, die über entsprechendes Wissen verfügen. Sie
gehören zu den Pomologen oder Obstbaumkundlern, die sich der Lehre der
Arten und Sorten von Obst sowie deren Bestimmung und systematischer
Einteilung verschrieben haben.

Diese Sorten und ihre Eigenheiten kennenzulernen und zu beschreiben, ist
in Zeiten des Klimawandels sehr wichtig. Denn viele der alten Sorten auf
den Streuobstwiesen sind deutlich weniger krankheitsanfällig und
wesentlich resistenter gegen Hitze und Trockenheit als die „neuen“ Sorten,
die wir aus dem Supermarkt kennen. Sie bergen damit ein erhebliches
Potenzial für zukünftige Züchtungen. Das aber nur, wenn sie bezeichnet
werden können, in ihren Eigenschaften erkannt und in Baumschulen vermehrt
werden.

Weil Birnbäume ein sehr hohes Alter von bis zu 200 Jahren erreichen
können, besteht Hoffnung, dass es für die Untersuchungen noch nicht zu
spät ist. Auf Obstwiesen, in Hausgärten oder an Feldrändern stehen noch
viele, meist sehr alte Bäume mit einer Vielzahl an Sorten mit wertvollen
Eigenschaften.

Eine Möglichkeit zum Erhalt einzelner Sorten bietet die Erfassung des
molekulargenetischen Fingerabdrucks, erklärt Michael Heißenberg. Er möchte
mit seinen Mitstreitern in den nächsten zwei Jahren den genetischen
Fingerabdruck von mehr als 600 Proben nehmen lassen, mit der
Sortenkenntnis der Pomologie zusammenführen und dann wiederum die Daten
der Fachwelt und der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stellen.

Wie hat die Faszination für Bäume und Obst bei dem heute 65-Jährigen
angefangen? Es war wohl als junger Mensch, gleich nach dem Abitur, als er
Assistent des Künstlers Joseph Beuys wurde, bevor er sich dann den
Computern zuwandte und eine Firma gründet. Der Künstler Beuys pflanzte
1982 auf der documenta 7 in Kassel 7000 Eichen als Landschaftskunstwerk
unter dem Motto „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Michael
Heißenberg unterstützte ihn dabei und wählte die Basalt-Stelen aus, die zu
jedem der Bäume gestellt wurden.

Später dann war es der uralte Apfelbaum auf dem Grundstück des Nachbarn,
der ihn wieder aktiv werden ließ. Dem drohte nämlich die Fällung – und
Heißenberg wollte das nicht hinnehmen. Er schnappte sich ein paar Früchte
und besuchte einen Pomologen-Kongress. Dort war das Erstaunen riesig, denn
die Apfelsorte galt als so gut wie ausgestorben. Seither hat das Thema
Heißenberg nicht mehr losgelassen. Er hat nicht nur gelernt, aus
einjährigen Trieben (Edelreisern) von Apfel, Birne, Quitte und Steinobst
junge Bäume zu ziehen und zu veredeln, sondern hat auch auf rund 90
Flächen mehr als 4200 Bäume der alten Sorten als „lebendige Genbank“
gepflanzt. Sogar eine Fläche in der Hamburger Hafencity und eine auf einem
großen Hamburger Friedhof gehören dazu.

Anhand einer modernen „Alexander Lucas“-Birne aus dem Obstkorb erklärt er
im Gespräch, worauf bei einer Bestimmung zu achten ist. Wie sitzt der
Stiel? Welche Farbe hat er? Wie lang ist er und welche Struktur weist er
auf? Welche Form hat die Frucht? Wie ist die ehemalige Blüte an der
Unterseite geformt? Welche Farbe und Form hat die Birne? Gibt es Rost? Wie
sehen die Kerne aus?

„Es gibt nicht mehr viele Menschen, die dieses Wissen haben“, sagt
Heißenberg. Deshalb ist es ihm ein Anliegen, die noch vorhandene
Sortenkenntnis mit der Genetik in einer Datenbank zu verbinden. Ist das
Projekt beendet, soll es in verschiedene, der Öffentlichkeit zugängliche
Datenbanken eingespeist werden und der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Dann wissen die Verantwortlichen in Landwirtschaft oder auch in Städten,
welche Sorten für welche Standorte auch in Zeiten des Klimawandels
geeignet sind. Außerdem können gezielt Birnensorten gezüchtet werden, die
weniger Wasser benötigen und weniger Schädlingsbekämpfung. „Wir wollen für
die Zukunft Wissen erhalten“, unterstreicht der Mitinitiator des Projekts.
Und Begeisterung wecken. Denn, wer ihm zuhört, bekommt selbst Lust, Bäume
aufzuziehen und so mit den eigenen Händen der Klimakrise und dem
Niedergang der Artenvielfalt etwas entgegenzusetzen.

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F&E-Projekte zur intelligenten Planung und Steuerung des Autoumschlags in Häfen erfolgreich abgeschlossen

Mit künstlicher Intelligenz zu mehr Effektivität und Effizienz beim
Autoumschlag | Tests auf einem der weltgrößten Autohäfen | Projektpartner
waren das BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik an der
Universität Bremen, BLG LOGISTICS und 28Apps Software

Zirka 70.000 Pkw-Stellplätze, jährlich rund 1.000 Autoschiffe, dazu
Tausende Autozüge und -Lkw: Mit jährlich 1,7 Millionen umgeschlagenen Pkw
(2022) zählt der BLG AutoTerminal Bremerhaven zu den weltweit größten.
Genau hier erfolgten die Tests in den Forschungsvorhaben „Isabella“ und
„Isabella 2.0“. Sie haben sich mit der Prozessplanung und -steuerung des
Automobilumschlags in Häfen mithilfe von mathematischer Optimierung,
Simulation und künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt. Auch „Isabella
2.0“ wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Beteiligt waren jeweils die
Partner BLG LOGISTICS, 28Apps Software (Bremen) sowie das BIBA – Bremer
Institut für Produktion und Logistik an der Universität Bremen.

Das Leistungsangebot auf dem BLG-Terminal umfasst nahezu alle
Dienstleistungen der Fahrzeuglogistik, von der Lagerung und technischen
Aufbereitung der Autos bis hin zu deren Umschlag. Die Planung und
Steuerung der hochkomplexen und -dynamischen Prozesse des Autoumschlags in
Binnen- und Seehäfen lassen sich mit dem „Isabella“-System grundsätzlich
effektiver und effizienter gestalten, so das Ergebnis der Forschungen. Das
System bietet Optionen zur Erhöhung der Umschlagszahlen, zur Reduzierung
der Schiffsliegezeiten und zur besseren Platzausnutzung – und damit zur
Sicherung der Konkurrenzfähigkeit und von Arbeitsplätzen.

Unterstützung vom Terminal

Laut Projektpartner BLG seien die entwickelten Lösungen zukunftsträchtig
und die Anwendung in der Praxis werde derzeit diskutiert. Ein wichtiger
Faktor sei auch gewesen, dass das Terminal-Personal bereits während der
prototypischen Prüfungen des Systems in das Projekt eingebunden war. In
die F&E-Arbeit waren Erfahrungen der operativen Anwenderinnen und Anwender
vor Ort eingeflossen sowie Arbeitspsychologen involviert.

Schnelle Anpassung an aktuelle Bedingungen

Das intelligente Planungs- und Steuerungssystem hat die Bewegungen der Pkw
in See- und Binnenhäfen im Fokus und integriert dabei die zeitkritischen
Prozesse der externen Verkehrsträger Zug, Lkw und Schiff mit deren Be- und
Entladung. Mithilfe von mobiler Datenerfassung und Echtzeitstatusmeldungen
ermöglicht der Steuerungsalgorithmus individuelle Zuweisungen von
Fahraufträgen in Echtzeit, die Routenoptimierung für die Fahrpersonal-
Shuttlebusse und so eine schnelle Anpassung an aktuelle Bedingungen.

Eine interaktive, digitale Oberfläche visualisiert das Terminalgelände
dreidimensional: Ein Multitouch-Tisch zeigt das Abbild des virtuellen
Modells vom Terminal, dessen digitalem Zwilling. Dieser unterstützt
Planung sowie Steuerung und führt zu besseren Ergebnissen. Auf dem Tisch
lassen sich verschiedene Detaillierungsebenen und alle relevanten
Planungsinformationen wie die Terminalbelegung anzeigen. Das Isabella-
System kann unterschiedliche Planungsszenarien simulationsbasiert bewerten
und die Ergebnisse über den Tisch darstellen.

Mobile Apps für einfache Anwendung

Die Zuweisung der Aufträge erfolgt digitalisiert, die Zuordnung der
Aufträge für die Fahrzeugbewegungen auf dem Terminal geschieht abhängig
vom Standort der Fahrzeuge sowie der einzelnen Fahrerinnen und Fahrer.
Dafür wurde ein Steuerungsalgorithmus entwickelt und innerhalb einer
Simulationsumgebung geprüft. In dem realen System erfolgt die
Kommunikation zwischen dem Steuerungssystem und dem Personal am
Autoterminal über mobile Apps. Für die Ermittlung der genauen Standorte
der Fahrer und Fahrzeuge wurde zu geeigneten Ortungssystemen geforscht.

Zudem braucht es überall einen zuverlässigen Datenempfang. Dafür haben die
Projektpartner in Zug und Lkw zum Beispiel den neuen Mobilfunkstandard 5G
genutzt sowie darüber hinaus ein lokales Kommunikationsnetzwerk für den
Datenempfang in Schiffen. Hier wurde prototypisch ein Mesh-WLAN evaluiert.
Es weist gute Reaktionszeiten, Übertragungsgeschwindigkeiten und
Reichweiten im ganzen Schiffsrumpf auf.

Was bisher nicht möglich war

Für die logistische Leistungsfähigkeit des Systems wurden Methoden der
Sensitivitätsanalyse genutzt, um das ideale Verhältnis von Pkw-Fahrerinnen
und -Fahrern auf dem Terminal zu den Shuttles zu ermitteln. Für die
Zuweisungen von Fahraufträgen an Fahrpersonal und Shuttles wurde ein
Optimierungsalgorithmus entwickelt, der die operativen Unsicherheiten
eines Terminals mit abbilden kann.

Ein klassischer Optimierungsalgorithmus erfordert in der Regel viel
Rechenzeit, da viele Optionen durchgespielt werden müssen. Ein neuronales
Netz führt deutlich schneller zu Ergebnissen. Daher wurde in einem zweiten
Schritt mittels eines neuen KI-Ansatzes ein rechenzeiteffizienteres Abbild
des Optimierungssystems geschaffen. So lassen sich erstmals
Optimierungsprobleme samt Nebenbedingungen abbilden. Das erlaubt
schnellste Anpassungen an aktuelle Situationen.

Virtual Reality unterstützt das Personal

Die im Projekt entwickelte Schulungsumgebung beziehungsweise -anwendungen
nutzen die Virtual Reality (VR), zum Beispiel per VR-Brillen. So kann
unter anderem neues Fahrpersonal zu verschiedenen Szenarien seiner
künftigen Aufgaben geschult werden, auch mit virtuellen Fahrten über den
Terminal. Andere Schulungseinheiten thematisieren häufige Fehlerquellen
und beantworten Fragen wie die zu den Ablageorten von Fahrzeugschlüsseln
in den vielen unterschiedlichen Pkw-Modellen auf dem Terminal.

Praxisorientiertes Zusammenspiel von Forschung, Entwicklung und Anwendung

In den beiden Projekten hat das BIBA zur Planung und Steuerung eines
Automobilterminals unter operativen Bedingungen geforscht und insbesondere
einen leistungsstarken Optimierungsalgorithmus für die Steuerung der
Fahrzeugbewegungen entwickelt. BLG LOGISTICS als Anwendungspartner hat
sein Praxiswissen nebst Daten eingebracht und mit den Autoterminals
Bremerhaven, Hamburg und Kelheim die Testumgebung zur Erprobung gestellt.
Hier könnten nun nach Projektende und in weiterer Zusammenarbeit
Entwicklungen aus den Isabella-Projekten im Produktivbetrieb genutzt
werden. Technologie- und Entwicklungspartner 28Apps-Software hat für die
Umsetzung des Konzepts die Softwarelösungen für die virtuelle
Schulungsumgebung, den Multitouch-Tisch und die technische Umsetzung des
Optimierungsalgorithmus entwickelt.

Eckdaten zu den Projekten „Isabella“ und „Isabella 2.0“

Die insgesamt 6-jährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten umfassten
zwei Projekte: „Isabella“ („Automobillogistik im See- und Binnenhafen:
Interaktive und simulationsgestützte Betriebsplanung, dynamische und
kontextbasierte Steuerung der Gerät- und Ladungsbewegungen“) und „Isabella
2.0“ („Automobillogistik im See- und Binnenhafen: Integrierte und
anwenderorientierte Steuerung der Gerät- und Ladungsbewegungen durch
künstliche Intelligenz und eine virtuelle Schulungsanwendung“).

Die beiden Isabella-Projekte hatten einen Gesamtumfang von 7,3 Millionen
Euro und wurden vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV,
zuvor BMVI) im Programm für Innovative Hafentechnologien (IHATEC) mit
gesamt 5,1 Millionen Euro gefördert sowie vom Projektträger TÜV Rheinland
begleitet.

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