Corona-Forschung: Konsortium aus Berliner Forschung und Industrie sucht Wirkstoffe

Die Berliner Biotech-Firma Molox GmbH und ein Team am Helmholtz-Zentrum
Berlin (HZB) haben ein Konsortium aus regionalen Forschergruppen und BASF
initiiert. Gemeinsam wollen sie einen Startpunkt für die Entwicklung eines
möglichen Wirkstoffs gegen das neue Coronavirus identifizieren. Ziele
potenzieller Hemmstoffe werden bestimmte SARS-CoV2-Proteine sein, die die
Ausbreitung oder Infektiosität der Viren begünstigen. An den
Forschungsarbeiten sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der
Freien Universität Berlin beteiligt.
„Berlin als Wissenschaftsstandort vereint wichtige Großgeräteinfrastruktur
mit einem exzellenten Netzwerk von akademischen und industriellen
Strukturbiologen und -biologinnen sowie Biochemikerinnen und Biochemikern.
Die Wege hier sind kurz, Ressourcen und Expertisen müssen jedoch
strategisch koordiniert werden um erfolgreich zu sein“, sagt Dr. Holger
von Moeller, der Inhaber der Biotech-Firma Molox.
BESSY II hilft bei der Suche nach Wirkstoffen
Für den Projekterfolg ist der Zugang zu Synchrotronstrahlung essentiell.
Diese besonders intensive Strahlung wird durch den Berliner
Elektronenspeicherring für Synchrotronstrahlung (BESSY II) bereitgestellt,
den das HZB betreibt. Mehrere Forschergruppen der Freien Universität
Berlin unter Leitung von Prof. Markus Wahl, Prof. Christian Freund, Dr.
Ursula Neu und Prof. Sutapa Chakrabarti arbeiten mit Molox zusammen, um
die Proteine herzustellen und anschließend zu kristallisieren. „Das HZB
stellt dem gemeinsamen Projekt alle vorhandenen Infrastrukturen zur
Verfügung“, erklärt Dr. Manfred Weiss, Leiter der Forschergruppe
Makromolekulare Kristallographie (MX) am HZB.
Projektpartner aus der chemischen Industrie
Als erster Projektpartner aus der chemischen Industrie stellt die BASF
Mittel bereit, um die Untersuchungen zu starten. Dabei werden
Proteinkristalle mit potenziellen Hemmstoff-Substanzen getränkt und
anschließend an den MX-Beamlines von BESSY II analysiert. So lässt sich
aufdecken, welche Hemmstoff-Komplexe besonders gut die Funktion des
Proteins hemmen – diese sollen dann erste Startpunkte für die gezielte
Entwicklung von Wirkstoffen sein.
Das Konsortium verhandelt aktuell mit weiteren Partnern, um diese und ihre
Substanzbibliotheken hinzu zu gewinnen. „Wir blicken gespannt auf dieses
gemeinsame Projekt und hoffen, dass wir sehr schnell neue potenzielle
Angriffspunkte für Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 identifizieren können“,
sagt Dr. Christian Feiler, Projektleiter am HZB.
