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Angst vor COVID-19 verzögert Diagnose und Therapie bei KrebspatientInnen

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Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. warnt, dass die Angst vor COVID-19 nicht dazu führen darf, dass die
Früherkennung oder die Durchführung wirksamer Therapien verzögert wird.
Der Schaden für PatientInnen wäre immens.

Berlin, 13. Mai 2020 – Die Angst von PatientInnen vor einer möglichen
Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann zu einer Verzögerung in der
Diagnostik und Therapie anderer, lebensgefährlicher Erkrankungen führen.
Das betrifft auch Krebserkrankungen. Deutsche Kliniken beobachten, dass
PatientInnen erst in sehr fortgeschrittenen Tumorstadien kommen und die
Zahl der in Tumorkonferenzen vorgestellten PatientInnen mit frühen
Tumorstadien sinkt. Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und
Medizinische Onkologie e. V. warnt, dass die Angst vor COVID-19 nicht dazu
führen darf, dass die Früherkennung oder die Durchführung wirksamer
Therapien verzögert wird. Der Schaden für PatientInnen wäre immens.

COVID-19 war das beherrschende Gesundheitsthema der letzten Wochen. Die
Angst vor einer Ansteckung hat auch viele KrebspatientInnen zutiefst
beunruhigt. Dabei stellt für die allermeisten PatientInnen die
Krebskrankheit eine weitaus größere Gefahr für ihr Leben dar als COVID-19.
Bisher liegen noch keine vollständigen Auswertungen zur Anzahl von
KrebspatientInnen in Kliniken und Praxen vor. Es ist aber eine Tendenz zu
beobachten, dass die Zahl der in frühen Stadien diagnostizierten Tumore
wie Darm- oder Brustkrebs zurückgeht. Bei diesen Krankheitsbildern wird
die Erstdiagnose häufig im Rahmen der Früherkennung gestellt. Diese
Screening-Untersuchungen haben nicht stattgefunden, entsprechend ist mit
einer Welle von Neudiagnosen im Sommer und Herbst dieses Jahres zu
rechnen. Auch die Zahl der in Tumorkonferenzen vorgestellten PatientInnen
ist im April deutlich gesunken, in einzelnen Institutionen um 30 bis 50
Prozent.

Bei PatientInnen mit akut lebensbedrohlichen Krebserkrankungen wie akuten
Leukämien haben sich die Zahlen dagegen kaum geändert. Einige PatientInnen
sind aber erst in sehr fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert worden.
Prof. Dr. med. Hermann Einsele, Vorsitzender der DGHO und Direktor der
Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg:
„Wir sehen Leukämie- oder Myelompatientinnen und -patienten mit
Komplikationen, die wir in den letzten Jahren eher nicht gesehen haben.
Wir sehen auch Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen soliden
Tumoren, die in den letzten beiden Monaten nicht zur Frühdiagnostik oder
zu Verlaufskontrollen vorstellig wurden. Dabei zeigen die bisher
verfügbaren Daten bei onkologischen Patientinnen und Patienten kein
erhöhtes Ansteckungsrisiko. Das liegt möglicherweise an der bereits
vorhandenen Achtsamkeit dieser Patientinnen und Patienten, die sie aber
auch von Arztbesuchen abhält.“

In diesem Zusammenhang macht Prof. Dr. med. Lorenz Trümper,
Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik für
Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen,
deutlich, dass sowohl alle diagnostischen als auch therapeutischen
Maßnahmen von PatientInnen mit Blut- und Krebserkrankungen wahrgenommen
werden sollten. „Natürlich können wir die Angst unserer Patientinnen und
Patienten vor einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 verstehen. Aus
diesem Grund möchten wie ihnen versichern, dass in unseren Kliniken und
Institutsambulanzen alle notwendigen Vorsichts- und Schutzmaßnahmen
getroffen werden und dass wir alles daransetzen, entsprechende Maßnahmen
bezüglich des neuen Infektionsgeschehens in die gängigen Abläufe der
Krebstherapie zu integrieren. Deswegen haben wir die Onkopedia-Leitlinien
für mehr als 60 Krebserkrankungen ergänzt und eigene Kapitel zu COVID-19
und Krebs erstellt.“ Auch systemische Tumortherapien werden fortgeführt,
sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich. Praxen und
Ambulanzen haben große Anstrengungen unternommen, Therapien regelhaft mit
räumlicher Distanz und zeitlicher Entzerrung durchzuführen.

Prof. Dr. med. Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbands der
Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e. V.
betont, dass sich auch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen in
ihren Praxen auf das neue Infektionsgeschehen eingestellt haben. „In den
Zeiten von COVID-19 halten wir weiterhin alle Diagnostik- und
Therapiekonzepte vor. An manchen Stellen haben wir aber unsere Strukturen
und Abläufe angepasst. So kann – wenn medizinisch vertretbar – in
bestimmten Fällen eine telefonische oder telemedizinische Besprechung
anstatt der physischen Einbestellung einer Patientin oder eines Patienten
sinnvoll sein. Klar ist: Trotz dieser Anpassung gewährleisten wir
selbstverständlich alle notwendigen diagnostischen und therapeutischen
Maßnahmen und können unsere Patientinnen und Patienten zu jeder Zeit
entsprechend betreuen und behandeln.“

Die DGHO hat in Onkopedia inzwischen die 11. Aktualisierung ihrer
Empfehlungen zum Umgang mit COVID-19 bei PatientInnen mit Blut- und
Krebserkrankungen publiziert. Sie enthalten Empfehlungen zum Schutz vor
Infektionen, zur Identifikation von Risikopersonen für schwere Verläufe
von COVID-19, zum Einsatz antiviral wirksamer Arzneimittel und zur
Prophylaxe von Komplikationen wie Thrombosen und weiteren Infektionen.
Diese Empfehlungen sind für alle offen, nicht nur für ÄrztInnen.
PatientInnen mit Blut- und Krebserkrankungen müssen für die nächsten
Monate lernen, auch die Angst vor COVID-19 in den Umgang mit ihrer
Krebskrankheit zu integrieren.

Die aktualisierten Empfehlungen der DGHO können abgerufen werden unter:
https://www.dgho.de/aktuelles/news/news/2020/covid-
19_empfehlungen_11_aktualisierung

Über die DGHO
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.500 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen
und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten
Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung
der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie.

Informationen unter: http://www.dgho.de