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DGIIN: Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege prekärer denn je

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Intensivpflege als tragende Säule bei der Pandemie-Bewältigung
DGIIN veröffentlicht Stellungnahme

Durch die aktuelle Corona-Pandemie erhält die Intensivpflege mehr
Aufmerksamkeit und Anerkennung als systemrelevante Berufsgruppe. Die
Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und
Notfallmedizin e.V. (DGIIN) weist darauf hin, dass Applaus allein jedoch
nicht ausreicht. „Die Situation ist teils grenzwertig und wir brauchen
langfristige Verbesserungen der Rahmenbedingungen in der Intensivpflege“,
betont Carsten Hermes, Sprecher der Sektion Pflege der DGIIN.

Die Sektion Pflege der DGIIN hat jetzt eine aktuelle Stellungnahme zur
Situation der Intensivpflege in Deutschland veröffentlicht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Jahr 2020 zum
Internationalen Jahr der Pflegenden ausgerufen. Da schwer erkrankte
COVID-19-Patienten mitunter eine intensivmedizinische Behandlung
benötigen, sind Intensivpflegende in dieser Krise besonders gefordert. Vor
diesem Hintergrund hat die Sektion Pflege der DGIIN eine aktuelle
Stellungnahme zur Situation der Intensivpflege in Deutschland
veröffentlicht. „Durch den schnellen Aufbau an Bettenkapazitäten konnten
die betroffenen Patienten in Deutschland die jeweils notwendige
intensivmedizinische Versorgung erhalten. Dennoch führt dies auch zu einer
weiteren Verschärfung der Arbeitsbedingungen, die schon vor der Pandemie
teils an der Grenze des Zumutbaren waren“, erläutert Carsten Hermes die
Hintergründe des Papiers.
Als zentrale Herausforderungen nennen die Autoren der Stellungnahme die
mangelnde Schutzausrüstung, den Einsatz von Personal in fremden
Arbeitsbereichen ohne ausreichende Einarbeitungszeit und die unzureichende
personelle Ausstattung an Kliniken. „Diese Problematiken bestehen auch
nach zwei Monaten der Krise weiterhin. Das ist nicht akzeptabel“, sagt
Hermes, der selbst Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege
sowie Betriebswirt im Sozial- und Gesundheitswesen ist. „Wir begrüßen die
Idee der Vorhaltung von Intensivbetten. Allerdings müssen
Pflegefachpersonen und notwendiges Aushilfspersonal ebenfalls in
Bereitschaft vorhanden sein, denn nur so ist eine adäquate und qualitativ
hochwertige Versorgung der Betroffenen im Ernstfall gewährleistet“, so der
Sektionssprecher weiter. Die Fachgesellschaft betont in der Stellungnahme,
dass die Vorhaltung von Betten auch eine Vorhaltung von ausreichend
Personal bedeuten müsse. „Wichtig ist, für die nächste Krise vorzusorgen
und Pflegepersonal, das nicht speziell für die Intensivpflege ausgebildet
ist, entsprechend für Szenarien wie Pandemien zu schulen“, so Hermes.
Dafür seien praktische Workshops, Praxis- oder Gruppenanleitungen sowie
Einarbeitungen auf Station im Normalbetrieb außerhalb von Krisenzeiten
notwendig. So könne dieses Personal im Normalbetrieb jeweils ihren
definierten Tätigkeiten nachgehen und dennoch bei Notfällen ad hoc
rekrutiert werden.
In dem Papier macht die Sektion auch Vorschläge, wie der Kontakt zu
Angehörigen von COVID-19-Patienten erleichtert werden kann. „Das
Pflegepersonal spielt bei der Kommunikation mit dem familiären Umfeld der
Patienten eine entscheidende Rolle. Fehlender Kontakt zu Bezugspersonen
aus dem persönlichen Umfeld kann zu Angst, Delir, Depressionen und
posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) führen, erschwert die
Kommunikation und wirkt sich negativ auf die Findung individueller
Therapieziele aus“, erläutert Hermes. Die Sektion fordert daher, dass
Kliniken in Vorbereitung auf vergleichbare Szenarien rechtzeitig
überlegen, wie die Angehörigen stärker einbezogen werden können. „Es
sollte dringend flächendeckend Technik für kostenlose Videotelefonie und
dazugehörende WLAN-Kapazitäten verfügbar sein. Angehörigen-Hotlines können
ebenfalls einen positiven Beitrag leisten. Die seelsorgerische Betreuung
der Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeitenden muss auch in
Zeiten einer Pandemie gewährleistet sein“, so die Expertengruppe der
Sektion.
Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Bundesministerium für Gesundheit die
in der Intensivmedizin geltenden Pflegepersonaluntergrenzen vorübergehend
ausgesetzt. „Für uns ist dieser Schritt unverständlich. Die
Arbeitsbedingungen in der Pflege haben in den letzten Jahren zu einer
Jobflucht und damit zu Personalmangel geführt. Daher ist es wichtig,
Mindeststandards auch in der Krise aufrecht zu erhalten. Die Untergrenzen
wurden in der Praxis schon häufig zu Obergrenzen, wenn nur das zwingend
notwendige Personal eingesetzt wird – das ist eine alarmierende
Entwicklung“, so Hermes. Nach Ansicht des Pflegeexperten muss dringend
eine Personalbemessung erfolgen, die den reellen Pflegeaufwand abdecke.
„Dabei dürfen nicht nur belegte Betten berücksichtigt werden, sondern
alle, auch die vorgehaltenen Betten müssen in die Berechnung einfließen“,
so Hermes. Tobias Ochmann, ebenfalls Fachkrankenpfleger und
stellvertretender Sprecher der Sektion Pflege, ergänzt: „Wichtig ist, dass
genügend Zeit für die Patientenversorgung am Bett, für die Praxisanleitung
und die Unterstützung von Führungspersonen eingeplant und entsprechend
finanziert wird.“
„Gerade in der Intensivmedizin, die häufig schwer und schwerstkranke
Menschen behandelt, kommt der besonders aufwändigen Intensivpflege eine
entscheidende Bedeutung für den Therapieerfolg zu. Um auch zukünftig ein
hohes Qualitätsniveau der intensivmedizinischen Behandlung gewährleisten
zu können, ist es unerlässlich, dass sich die Rahmenbedingungen für die
Pflegenden verbessern“, unterstreicht Professor Dr. med. Stefan John,
Präsident der DGIIN und Leiter der Internistischen Intensivmedizin am
Klinikum Nürnberg Süd.
Mit Blick auf die Rückkehr in einen Regelbetrieb nach der Corona-Pandemie
betonen die Experten der DGIIN, dass Pflegefachpersonen in allen Bereichen
der Entscheidungsfindung aktiv und sichtbar eingebunden werden müssen.
Dazu zählt die Beteiligung bei der Entwicklung von Pandemieplänen,
Leitlinien, Einsatzplänen und Präventionsmaßnahmen ebenso wie die
Beteiligung im Bereich Public Health, sind sich John, Hermes und Ochmann
einig.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier:

https://www.dgiin.de/aktuelles/aktuelles-leser/sektion-pflege-zur-
aktuellen-situation-der-intensivpflege-in-deutschland.html