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Die häufigste urologische Notfalleinweisung: Neues zu Harnsteinerkrankungen auf dem 72. DGU-Kongress

DGU-Präsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler.  Foto: Bertram Solcher
DGU-Präsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler. Foto: Bertram Solcher
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DGU-Präsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler.  Foto: Bertram Solcher
DGU-Präsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler. Foto: Bertram Solcher

Die Sommerhitze steht vor der Tür und damit auch die saisonale Häufung von
Harnsteinerkrankungen. Hohe Temperaturen, verstärktes Schwitzen und eine
unzureichende Trinkmenge begünstigen das als „Sommerkrankheit Harnsteine“
bekannte Phänomen. „Aktuelle Entwicklungen bei der Diagnostik, den
minimal-invasiven Therapien und der Prävention von Steinerkrankungen
werden wir auf dem 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie
diskutieren“, sagt der Präsident der Fachgesellschaft, Prof. Dr. Dr. Jens
Rassweiler.

Der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie der SLK-Kliniken
Heilbronn leitet die weltweitdrittgrößte urologische Fachtagung, die vom
23. bis 26. September 2020 in Leipzig stattfinden soll.

Harnsteinerkrankungen zählen zu den sogenannten Volkskrankheiten. Als
ursächlich für die ansteigende Häufigkeit in Deutschland und anderen
westlichen Industrieländern gelten zunehmendes Übergewicht und veränderte
Lebensumstände. Ungesunde Ernähungsgewohnheiten, wenig Ballaststoffe und
unzureichende Bewegung fördern das Risiko. Dazu ist Diabetes ein
relevanter Risikofaktor für die Bildung von Harnsteinen, die im gesamten
Harntrakt vorkommen und je nach Lage als Nierensteine, Harnleitersteine
und Blasensteine bezeichnet werden.

„Harnsteinerkrankungen sind der häufigste Anlass für eine urologische
Notfalleinweisung. Etwa jeder zehnte Deutsche wird zumindest einmal in
seinem Leben einen Stein bilden“, sagt Prof. Dr. Thomas Knoll aus der
Steuerungsgruppe der „S2K-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und
Metaphylaxe der Urolithiasis“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
(DGU). Männer sind nach seinen Worten häufiger betroffen als Frauen, wobei
der Unterschied weltweit geringer wird. Der Altersgipfel liege im fünften
und sechsten Lebensjahrzehnt. „Bei Kindern ist die Steinerkrankung sehr
selten und meist genetisch bedingt. Bei Adoleszenten ist allerdings eine
zunehmende Häufigkeit zu beobachten, wohl auch durch Fettleibigkeit und
andere bekannte Risikofaktoren verursacht“, so Prof. Knoll.

Kleinere Steine können mit medikamentöser Unterstützung und ausreichender
Flüssigkeitszufuhr spontan ausgeschieden werden. Dabei scheinen, nach
Prof. Knoll,  bestimmte Alphablocker bei Harnleitersteinen von mehr als 5
mm den Spontanabgang des Steins zu begünstigen.
Die interventionellen Therapien von größeren Nieren- und Harnleitersteinen
erfolgen heute in praktisch allen Fällen ohne offene Schnittoperationen,
sondern minimal-invasiv. Das Spektrum reicht von der Zertrümmerung der
Steine durch Schallwellen von außen, der sogenannten extrakorporalen
Stoßwellen Lithotripsie (ESWL), bis hin zu endoskopischen Verfahren der
Schlüssellochchirurgie. „Bei den minimalinasiven Therapien hat die ESWL in
den letzten Jahren vor allem gegenüber der Ureterorenoskopie erheblich an
Stellenwert verloren“, sagt Urologe Knoll.

Eine neue Studie soll die verschiedenen Verfahren miteinander vergleichen.
„In den vergangenen 40 Jahren wurden mit der Einführung der
Stosswellentherapie und der modernen endourologischen Techniken große
Fortschritte in der minimalinvasiven Therapie der Steinerkrankung erzielt.
Die Datenlage hinsichtlich eines Vergleichs der verschiedenen
interventionellen Therapieverfahren ist allerdings weiterhin schlecht“,
sagt Prof. Dr. Martin Schönthaler aus dem DGU-Arbeitskreis Harnsteine, der
die „Deutsche Steinstudie“ initiiert hat und auf dem 72. DGU-Kongress eine
Pilotstudie vorstellen wird.
„Mit der Pilotstudie zur ‚Deutschen Steinstudie’, deren Publikation
aktuell vorbereitet wird, konnte gezeigt werden, dass eine methodisch
anspruchsvolle randomisierte chirurgisch-urologische Studie auch im Rahmen
des deutschen Gesundheitssystems und den entsprechend hohen
regulatorischen Anforderungen durchgeführt werden kann“, sagt Prof.
Schönthaler, der 2019 bereits das Nationale Harnsteinregister auf den Weg
gebracht hat. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
geförderte voll-automatisierte digitale Forschungsregisters für
rezidivierende Urolithiasis des oberen Harntraktes (RECUR) unter Leitung
von Prof. Martin Schönthaler steht unter der Schirmherrschaft der DGU.
„Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird die individuelle Versorgung von
Patientinnen und Patienten mit rezidivierenden Harnsteinleiden verbessert,
aber auch die gesellschaftliche Belastung durch häufige Hospitalisierungen
und hohe Therapiekosten reduziert werden können“, erklärt Schönthaler.
„Erste Ergebnisse aus der Aufbauphase von RECUR werden in Leipzig
präsentiert werden“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Jens
Rassweiler, der in einem neuen Video-Cast über den aktuellen Stand der
Kongressplanung in Corona-Zeiten informiert.