Tag der Organspende am 6. Juni: Diabetes-Früherkennung kann Nierenschäden und möglicherweise Transplantationen vermeiden
Anlässlich des Tages der Organspende weist die Deutsche Diabetes
Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass eine Diabetes-Früherkennung dringend
notwendig ist, um einerseits die zunehmende Zahl der
transplantationsbedürftigen Diabetespatientinnen und -patienten in
Deutschland zu reduzieren. Andererseits müssen auch andere
Begleiterkrankungen – wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen –, die
Betroffenen eine Transplantation verwehren können, durch effektive
Vorsorge und gutes Diabetesmanagement verhindert werden.
Berlin - Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für eine
Niereninsuffizienz – über 40 Prozent der Menschen mit Diabetes Typ 2 haben
einen Nierenschaden. Einige von ihnen bräuchten eine neue Niere.
Allerdings kommt für Betroffene häufig aufgrund bestehender
Begleiterkrankungen eine Transplantation nicht in Frage. Für sie ist eine
lebenslange Dialyse unumgänglich. Anlässlich des Tages der Organspende
weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass eine
Diabetes-Früherkennung dringend notwendig ist, um einerseits die
zunehmende Zahl der transplantationsbedürftigen Diabetespatientinnen und
-patienten in Deutschland zu reduzieren. Andererseits müssen auch andere
Begleiterkrankungen – wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen –, die
Betroffenen eine Transplantation verwehren können, durch effektive
Vorsorge und gutes Diabetesmanagement verhindert werden.
Über 7.000 Patientinnen und Patienten stehen derzeit in Deutschland auf
der Warteliste für eine Nierentransplantation. Etwa die Hälfte von ihnen
hat einen Diabetes oder Prädiabetes, der häufig nicht bekannt ist.1
„Insbesondere Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben meist bereits
klassische Begleiterkrankungen wie Adipositas oder
Herzkreislauferkrankung, die jedoch eine Transplantation erschweren oder
sogar die Erfolgsaussichten derart reduzieren, dass sie gar nicht erst als
Empfänger in Frage kommen, beziehungsweise von der Warteliste genommen
werden müssen“, berichtet Privatdozentin Dr. med. Martina Guthoff,
Nephrologin und Oberärztin der Sektion Nieren- und Hochdruckkrankheiten an
der Medizinischen Klinik IV in Tübingen. Diese Patienten bleiben
dialysepflichtig – das heißt, sie müssen sich lebenslang mehrmals in der
Woche einer Blutwäsche oder Bauchfelldialyse unterziehen und haben häufig
eine geringere Lebenserwartung.
Einer amerikanischen Untersuchung zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit
für Diabetespatienten, auf eine Warteliste für eine Nierentransplantation
zu kommen, nur rund 80 Prozent im Vergleich zu stoffwechselgesunden
Menschen.2 Dass eine Transplantation tatsächlich erfolgt, liegt nochmals
um knapp zehn Prozentpunkte darunter. Denn im Verlauf der durchschnittlich
sechs bis acht Jahre andauernden Wartezeit summieren sich bei vielen
Diabetespatienten Begleitkomplikationen auf, die einer erfolgreichen
Transplantation im Wege stehen.
Auch haben Menschen, die mit einem vorliegenden Diabetes
nierentransplantiert werden, ein geringeres Überleben sowie eine kürzere
Lebensdauer der Niere als Patienten ohne Diabetes2: In einer Untersuchung
war das Verlustrisiko einer Niere mit einem Diabetes doppelt so hoch wie
ohne die Stoffwechselerkrankung.3 „Es scheinen mikro und makrovaskuläre
Veränderungen durch die diabetische Stoffwechsellage nach einer
Transplantation beschleunigt aufzutreten“, so Guthoff. Ein ähnliches
Risiko gilt für Patienten, die nach der Transplantation einen Diabetes
entwickeln.
Die Expertin weist daher darauf hin, dass eine Früherkennung des Diabetes
und auch von Nierenerkrankungen unbedingt notwendig sei, um Patienten vor
schweren Nierenschäden zu bewahren und im Falle einer notwendigen
Nierenersatztherapie eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. „Bei
allen Nierenpatienten sollte zudem auch auf einen Diabetes getestet
werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass etwa jeder Dritte auf der
Warteliste zur Nierentransplantation einen bislang unerkannten Diabetes
oder Prädiabetes hat“, führt Guthoff aus.
„Um eventuelle Nierenprobleme rechtzeitig zu diagnostizieren und
konsequent behandeln zu können sollten sich Patientinnen und Patienten mit
Diabetes mindestens einmal jährlich auf das Vorliegen von Eiweiß im Urin –
die so genannte Albuminurie – screenen lassen“, erklärt Dr. med. Ludwig
Merker vom MVZ DaVita Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen und
Vorsitzender der DDG AG „Diabetes und Niere“. Zudem sei es bei allen
Patienten mit Diabetes wichtig, den eGFR-Wert zu bestimmen, der die
Filtrationseigenschaft der Niere darstellt. „Auch der Blutdruck ist
regelmäßig zu überprüfen, da eine Erhöhung ein Hinweis auf einen
beginnenden Nierenschaden sein kann.“
Gleichzeitig sollte eine zielorientierte Diabetes- und Blutdrucktherapie
erfolgen, die für stabile Blutzuckerwerte und guten Blutdruck sorgt. Denn
dauerhaft erhöhter Blutzucker und Blutdruck sind Hauptrisikofaktoren für
eine Nierenschädigung. „Jeder Patient kann auch selbst etwas für eine gute
Nierenfunktion beisteuern. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn
Diabetespatienten ihr Gewicht reduzieren, nicht rauchen und sich gesund
ernähren“, rät Merker.
1Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO): Statistiken zu den
jeweiligen Organtransplantationen https://www.dso.de/organspende
/statistiken-berichte/organtra
/DSO-Infografiken/Indikationen
1Martina Guthoff et al., Diabetes Mellitus and Prediabetes on Kidney
Transplant Waiting List- Prevalence, Metabolic Phenotyping and Risk
Stratification Approach, PLoS One, September 23, 2015
https://journals.plos.org/plos
2Patibandla BK, Narra A, DeSilva R et al. Access to renal transplantation
in the diabetic population-effect of comorbidities and body mass index.
Clin Transplant 2012; 26: E307–E315; doi:10.1111/j.1399-0012.2012.0
https://onlinelibrary.wiley.co
3Einollahi B, Jalalzadeh M, Taheri S et al. Outcome of kidney
transplantation in type 1 and type 2 diabetic patients and recipients with
posttransplant diabetes mellitus. Urol J 2008;5: 248–254).
Guthoff, M., Diabetes mellitus vor und nach Nierentransplantation
Grundlagen, Prävention und Therapie, Diabetes aktuell 2018; 16: 290–294
Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft „Nephropathie bei
Diabetes“ https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Reda
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019 https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Reda
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Cadaveric Transplant, N Engl J Med 1999; 341:1725-1730, DOI:
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