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Kommt die Nationale Diabetesstrategie? DDG begrüßt Fraktionsgespräch am 2. Juli im Bundestag

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Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt, dass mit den Beratungen
im Bundestag am 2. Juli 2020 wieder Bewegung in eine mögliche
Gesetzesinitiative für eine Nationale Diabetesstrategie kommt. Die Corona-
Krise zeigt, wie wichtig Prävention, Forschung und gute Versorgung ist, um
chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus zu verhindern oder damit
einhergehende Folgeerkrankungen und Infektionsrisiken zu minimieren. Nur
eine Gesamtstrategie, die konkrete Maßnahmen zu Prävention, Früherkennung,
Versorgung und Forschung bündelt, kann die steigenden Diabeteserkrankungen
in Deutschland aufhalten und gesamtgesellschaftliche Gesundheitsrisiken,
wie unter der Corona-Pandemie, reduzieren.

Deutschland hat mit rund sieben Millionen Betroffenen die zweithäufigste
Diabetesrate in Europa. Jedes Jahr erkrankt über eine halbe Millionen
Menschen neu an Diabetes. Für das Jahr 2040 gehen Schätzungen von 12
Millionen Betroffenen aus. Die WHO und die International Diabetes
Federation (IDF) sprechen von einer Diabetes-Pandemie. „Das hängt auch
damit zusammen, dass wir bis heute keinen politischen Rahmenplan gegen
diese Volkskrankheit haben“, erklärt DDG Präsidentin Professor Dr. med.
Monika Kellerer. „Während Länder wie Großbritannien, Finnland und
Österreich bereits eigene nationale Strategien beschlossen und umgesetzt
haben, existiert in Deutschland immer noch kein Konzept, wie wir die
steigenden Erkrankungszahlen und zunehmend schlechte Versorgungssituation
eindämmen können.“ Sie begrüßt daher den nächsten Schritt zu einer von der
DDG lange geforderten Gesetzesinitiative für eine Nationale
Diabetesstrategie am 2. Juli. „Wir hoffen, dass die Koalitionäre nun das
Thema konsequent angehen und wir endlich die bereits seit Jahren
existierenden WHO-Empfehlungen umsetzen können.“

Noch Anfang des Jahres drohte die Nationale Diabetesstrategie zu
scheitern, da sich die Verantwortlichen aus der Regierungskoalition über
Maßnahmen zur verbindlichen Zuckerreduktion in Lebensmitteln sowie ein
Werbeverbot zuckerhaltiger Lebensmittel für Kinder nicht einigen konnten.
Dabei spielt eine gesunde Ernährung bei der Prävention von Diabetes eine
entscheidende Rolle. „Wir begrüßen, dass der rote Faden, der erstmals vor
sechs Jahren mit einem Bundesrats-Beschluss zum Nationalen Diabetesplan
gesponnen wurde und im Koalitionsvertrag 2018 mündete, jetzt wieder
aufgegriffen wird.1 Denn die bisherigen unverbindlichen und freiwilligen
Einzelmaßnahmen sind praktisch wirkungslos. Wir brauchen ein
gesamtgesellschaftliches Konzept, das von Prävention über Forschung und
Früherkennung bis hin zu fächer- und sektorenübergreifenden
Versorgungskonzepten reicht“, fordert Barbara Bitzer, Geschäftsführerin
der DDG. Auch wäre es fahrlässig, konkrete Maßnahmenpakete aus politischen
Erwägungen heraus zu streichen und damit die Gesundheit künftiger
Generationen aufs Spiel zu setzten.

Die DDG appelliert, wesentliche ineinandergreifende Kernpunkte des
Rahmenplans, den sie gemeinsam mit anderen Diabetes-Verbänden erstellt
hat, unbedingt beizubehalten.2 „Insbesondere in der Versorgung und
Nachwuchsförderung muss sich noch viel tun“, betont Kellerer, Ärztliche
Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital Stuttgart.
Die Zahl der Krankenhausbetten mit Schwerpunkt „Endokrinologie und
Diabetologie“ habe sich im Gegensatz zu fast allen anderen internistischen
Schwerpunkten in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch reduziert.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der klinischen Lehrstühle für Diabetologie mit
Direktionsrecht rasant. An den derzeit 37 staatlichen medizinischen
Fakultäten in Deutschland ist das Fach nur noch mit acht bettenführenden
Lehrstühlen repräsentiert. Diese Entwicklung gefährdet die Sicherstellung
des medizinischen Nachwuchses, weil Medizinstudierende und Auszubildende
in anderen medizinischen Fachberufen mit dem Fachgebiet „Diabetes“ zu
wenig in Kontakt kommen. Ebenso müsste der Ausbau der digitalen
Versorgungsangebote insbesondere in den strukturschwachen Regionen
vorangetrieben werden – all dies fehlt in dem aktuellen Gesetzesentwurf.

Dabei kann eine flächendeckende, qualitativ hochwertige diabetologische
Versorgung Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Diabetes-Erkrankung
vermeiden und so beispielsweise die in Deutschland hohen Zahlen an
diabetesbedingten Dialysen, Gefäßkomplikationen und Amputationen und
letztendlich auch die hohe diabetesbedingte Mortalität senken. Ein zu spät
diagnostizierter und nicht adäquat behandelter Diabetes verkürzt die
Lebenszeit um etwa sechs Jahre3. „Bei Millionen Betroffenen wirkt sich das
nicht zuletzt auch auf die gesamtgesellschaftlichen Kosten aus. Derzeit
beansprucht die Versorgung der Diabetespatientinnen und -patienten
inklusive ihrer Begleit- und Folgeerkrankungen jährlich über 21 Milliarden
Euro“, führt Bitzer aus.

Literatur:

1Deutsche Diabetes Gesellschaft begrüßt Beratungen des Bundesrats zur
Initiative „Nationaler Diabetesplan“ http://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/DDG_Stellungnahme_Bundesrat_Diabetes_Plan_01072014.pdf

2Nationale Diabetesstrategie – Kernpunkte eines Nationalen Rahmenplans
https://www.diabetesde.org/system/files/documents
/politische_forderungen_der_ddg_diade-
vdbd_nationale_diabetesstrategie_2019_final.pdf

3Seshasai et al. Centers for Disease Control and Prevention National
Diabetes Fact Sheet 2011,
N Engl J Med 2011;364:829-41; 2. http://www.diabetesincontrol.com/wp-
content/uploads/PDF/ndep_diabetes_facts_2011.pdf


Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Nationale Diabetes-Strategie
umgehend initiieren“:
https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/143/1914389.pdf

Jacobs E et al. Burden of Mortality Attributable to Diagnosed Diabetes: A
Nationwide Analysis Based on Claims Data From 65 Million People in
Germany. Diabetes Care 2017; 40: 1703-9

WHO-Resolution: Prevention and Control of Diabetes mellitus
https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/172224/WHA42_R36_eng.pdf?sequence=1&isAllowed=y

WHO: Informationen über Diabetes: https://www.who.int/health-
topics/diabetes#tab=tab_1