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Infektionskrankheit Melioidose: Schnelltest auf gefährlichen „Pseudorotz“ mit Thüringer Forschern entwickelt

Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert.  Stefan Monecke  JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073
Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert. Stefan Monecke JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073
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Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert.  Stefan Monecke  JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073
Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert. Stefan Monecke JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073

InfectoGnostics-Forscher der Weimarer Firma Senova und des Leibniz-
Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena haben
gemeinsam mit weiteren Partnern aus Deutschland, Österreich und Thailand
einen neuen Schnelltest auf Melioidose („Pseudorotz“, eine
lebensbedrohliche Tropenkrankheit) entwickelt. In nur 15 Minuten
detektiert der einfache und günstige Streifentest zuverlässig Antikörper
im Blut der Patienten, die bei Infektionen mit dem Bakterium Burkholderia
pseudomallei gebildet werden. Die Ergebnisse ihrer Machbarkeitsstudie
wurden im Juli im Fachjournal PLOS Neglected Tropical Diseases
veröffentlicht (doi: 10.1371/journal.pntd.0008452).

Melioidose – auch bekannt als Pseudorotz – ist eine ernste bakterielle
Infektionskrankheit, die besonders in Südostasien und Nordaustralien, aber
auch in tropischen Regionen Afrikas und Südamerikas verbreitet ist und
vielerorts noch immer als massiv unterdiagnostiziert gilt. Ursache für die
Erkrankung sind Infektionen mit dem Erreger Burkholderia pseudomallei, der
in Böden und Gewässern wie z.B. Reisfeldern vorkommt. Das Bakterium weist
von Natur aus schon Resistenzen gegen zahlreiche Antibiotika auf und führt
nach variabler Inkubationszeit zum Ausbruch der schwer therapierbaren
Melioidose – die Sterblichkeit ist hoch.

Das größte Hindernis bei der Bekämpfung der Krankheit ist bislang, dass
die Infektion wegen ihres unspezifischen klinischen Verlaufs oft nicht
rechtzeitig erkannt wird, wie Prof. Dr. Ralf Ehricht, Leiter der
Forschungsabteilung „Optisch-molekulare Diagnostik und Systemtechnologie“
am Leibniz-IPHT und Stiftungsprofessor an der Universität Jena erläutert:
"Von Fieber und Harnwegsinfektion über Lungenentzündung bis zu Abszessen
an verschiedenen Körperstellen sind die Symptome sehr variabel. Ohne
vorherigen Verdacht erfolgt oft keine gezielte Probeentnahme und Testung
auf die Erkrankung. Eine Möglichkeit zum Nachweis von spezifischen
Antikörpern im Blutserum würde die Diagnostik besonders bei chronischen
Verläufen drastisch verbessern, aber bisher erhältliche Tests gelten als
unzuverlässig.“

Mit dem Meliodosis Dipstick (DS) haben Forscher der Medizinischen
Universität Graz (Österreich) nun gemeinsam mit den InfectoGnostics-
Forschern der Senova und des Leibniz-IPHT einen günstigen und schnellen
Blutserum-Streifentest entwickelt und validiert. Die Proben für die
Validierung wurden von den thailändischen Partnern sowie vom Friedrich-
Löffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie in Greifswald
bereitgestellt. Der Test funktioniert nach einem einfachen „Lateral-
Flow“-Prinzip, das in ähnlicher Form auch bei Schwangerschaftstests zu
Anwendung kommt: Auf einem Zellstoffstreifen werden Antigene aufgebracht,
die hochspezifisch zu den Antikörpern passen, die das Immunsystem von
infizierten Patienten produziert. Wird die verdünnte und markierte
Patientenprobe in Kontakt mit dem Teststreifen gebracht, verbinden sich
Antikörper und Antigene auf den Streifen und führen entlang dünner Linien
zu charakteristischen und sichtbaren Verfärbungen.

--- Bislang keine brauchbaren Alternativen zu teuren und aufwendigen
Labortests ---

„Die Herausforderung bei diesem Schnelltest war es, möglichst passende
Antigene für den Erreger zu finden und sie so geschickt zu kombinieren,
dass der gesamte Test viel weniger falsch-negative Ergebnisse liefert als
bisherigen Schnelltests. In diesen Tests wurden bislang zum Teil noch bis
zu 44 Prozent der Infektionen nicht erkannt“, erklärt Ralf Ehricht und
fügt an: „Auch eine Senkung der falsch-positiven Testergebnisse war sehr
wichtig, da sich die Antibiotikatherapie bei der Erkrankung über Monate
ziehen kann und Patienten somit stark belastet.“ Bislang gebe es für die
Melioidose keine brauchbaren Alternativen zu Labortests, die in manchen
Bereichen der Welt aus Kostengründen oft nicht durchgeführt werden können
und die korrekten Therapien deshalb häufig zu spät beginnen und die
Chancen auf Genesung sinken.

Der neue Test Melioidosis DS liefert die erhoffte Verbesserung in der
Testgenauigkeit, wie Prof. Ivo Steinmetz von der Med Uni Graz erläutert:
„Aufbauend auf eine vorherige Kooperation mit den deutschen Kollegen haben
wir in der Machbarkeitsstudie vier geeignete Antigene identifiziert, die
sich in einem Schnelltest kombinieren ließen. Am Ende erreichten wir damit
eine Sensitivität von 92 Prozent und eine Spezifität von 97 bis 100
Prozent und sehen bereits erste Ansätze, um den Test durch weitere
Verbesserungen des Nachweisverfahrens noch genauer zu machen.“ Für die
Anwendung in Risikogebieten wie zum Beispiel Thailand erfülle der neue
Streifentest damit erstmals die Anforderungen, um wirklich in die
diagnostische Routine Einzug zu halten. „Wir hoffen mit diesem Test in
zukünftigen Studien auch Melioidose in Regionen nachzuweisen, in denen die
Erkrankung vorhergesagt wird, aber bisher nie nachgewiesen wurde“, so Ivo
Steinmetz

In Zukunft soll der Test vom InfectoGnostics-Industriepartner Senova zu
einem Diagnostikprodukt für die hauptsächlich betroffenen Märkte in Asien
und Australien weiterentwickelt werden. Die mittelständische Firma aus
Weimar hat sich auf die Produktion von Lateral-Flow-Tests spezialisiert
und entwickelte bereits in der Corona-Pandemie einen der ersten
praxistauglichen Antikörper-Schnelltests in Deutschland.

Originalpublikation:
Wagner GE, Föderl-Höbenreich E, Assig K, Lipp M, Berner A, et al. (2020)
Melioidosis DS rapid test: A standardized serological dipstick assay with
increased sensitivity and reliability due to multiplex detection. PLOS
Neglected Tropical Diseases 14(7): e0008452.
https://doi.org/10.1371/journal.pntd.0008452