Win-win-Situation für die Onkologie
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Institut für Bioprozess-
und Analysenmesstechnik e.V. (iba) in Heilbad Heiligenstadt haben eine
Kooperation besiegelt, mit dem Ziel, innovative technische Lösungen für
die personalisierte Medizin und die Diagnose und Therapie von
Krebspatienten zu entwickeln. Dabei bündeln zwei Forschungseinrichtungen
ihr Know how auf dem Gebiet der Krebsforschung und technischer Systeme für
die Lebenswissenschaften.
Neue Ansätze in der Krebsforschung zielen verstärkt darauf ab,
grundlegende Mechanismen der Tumorgenese und der pharmakologischen
Therapie anhand von dreidimensionalen Zellmodellen schneller, einfacher
und trotzdem sicher untersuchen zu können. Die Nachbildung von
funktionalen Zellverbänden und Geweben im Labormaßstab eröffnet
vielversprechende Möglichkeiten bei der Suche nach wirksamen Therapien.
Dieser als Disease Modeling bekannte Ansatz ermöglicht insbesondere frühe
Untersuchungen bei der Entwicklung neuer Verfahren ohne auf die
funktionale Komplexität menschlicher Gewebe gänzlich verzichten zu müssen.
Sie bieten darüber hinaus die Möglichkeit der personalisierten Diagnose
und Therapie durch Einsatz patienteneigener Zellen und Gewebe.
Ganz wesentlich für den Erfolg des Disease Modelings sind technische
Lösungen für die Kultivierung funktionaler 3D-Zellverbande, die sowohl
trägerfrei als Sphäroide bzw. trägerbasiert auf 3D-Scaffolds aus
gewebetypischen Matrixmaterialien angezüchtet werden. In Kombination mit
nichtinvasiven Sensorverfahren wie der Bioimpedanzmessung werden
entsprechende technische Lösungen im iba in Heiligenstadt entwickelt.
Prof. Dieter Beckmann, Sprecher des Vorstands und wissenschaftlicher
Direktor iba hatte in 2018 ein Forschungs- und Entwicklungskonzept „iba
2025“ erarbeitet. Ein Schwerpunkt dieses Konzepts liegt auf der
Intensivierung der Zusammenarbeit des anwendungsorientierten
Forschungsinstitutes mit der medizinischen Grundlagenforschung auf dem
Gebiet der personalisierten Medizin und des Disease Modelings. Dafür hatte
u.a. der damalige Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wirtschaft,
Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG), Markus Hoppe, von 2004
bis 2014 Vizepräsident der Georg-August-Universität Göttingen, seine
Unterstützung zugesagt.
Die nunmehr vereinbarte intensive Zusammenarbeit der UMG mit dem iba
basiert auf diesem Konzept. Beide Forschungseinrichtungen werden ihre
bestehende wissenschaftliche Zusammenarbeit deutlich ausbauen und auf der
Grundlage eines Kooperationsvertrags bündeln. Prof. Dr. Wolfgang Brück,
Sprecher des Vorstands der UMG und Dekan der Medizinischen Fakultät, und
Prof. Dieter Beckmann unterzeichneten kürzlich einen Letter of Intent
(LOI), in dem die konkreten Schritte zur zukünftigen Kooperation benannt
sind. Dazu zählen neben vorbereitenden informellen Workshops auch die
Etablierung einer gemeinsamen koordinierenden Lenkungsgruppe. Die UMG
bringt ihre universitäre Expertise auf dem Gebiet der Grundlagenforschung
und der klinischen Forschung ein, das iba sein ausgewiesenes,
interdisziplinär-applikatives Know-how auf dem Gebiet technischer Systeme
für die Lebenswissenschaften. Wichtige Aspekte sind auch die
Bereitstellung technischer Systeme des iba für Forschungsaufgaben der UMG,
die Verfügbarkeit von Probenmaterial für das iba sowie die gemeinsame
Einwerbung von Forschungsgeldern, die Entwicklung und Vermarktung von
Diagnose- und Therapiesystemen, somit die Verbesserung der medizinischen
Versorgung insgesamt. Darüber hinaus zielt eine verstärkte Zusammenarbeit
auch auf die Ausbildung des akademischen Nachwuchses. UMG und iba sehen
dazu eine gemeinsame Professur vor.
Beide Partner sind sich sicher, dass sich aus dieser engen Zusammenarbeit
neue wissenschaftliche Perspektiven ergeben werden.
