Verbindung aus Calcium und Phosphat löst starke Entzündung bei Rheumapatienten aus
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben entdeckt, dass Calcium im
Zusammenspiel mit Phosphat starke Entzündungen bei Rheumapatienen auslösen
kann. Die Erkenntnis eröffnet neue Therapieansätze bei rheumatischen und
chronisch entzündlichen Erkrankungen. Das Ergebnis hat eine Forschergruppe
der Medizinischen Fakultät um Studienleiter Prof. Dr. Ulf Wagner aktuell
in der Fachzeitschrift „nature communications“ veröffentlicht.
„Ein entzündungsfördernder Effekt von Calcium-Ionen war bisher bei
chronischer Bronchitis und Adipositas erforscht worden, der Nachweis bei
Rheuma ist völlig neu. Mit dieser Entdeckung ist es nun möglich, neue
Therapieansätze bei rheumatischen und chronisch entzündlichen Erkrankungen
zu entwickeln“, sagt Wagner, Leiter der Arbeitsgruppe „Experimentelle
Rheumatologie“ an der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie,
Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig, der das
Ergebnis gemeinsam mit Dr. Elisabeth Jäger, Supriya Murthy und PD Dr.
Manuela Rossol publiziert hat.
Winzige Nanopartikel, enorme Entzündungsreaktion
Die Arbeitsgruppe „Experimentelle Rheumatologie“ der Leipziger
Universitätsmedizin hatte bereits in der Vergangenheit entdeckt, dass eine
erhöhte lokale Calciumkonzentration zu einer sehr starken
Entzündungsreaktion mit nachfolgender Gewebszerstörung beitragen kann. In
einer neuen Arbeit wurde der dafür verantwortliche Mechanismus bei Rheuma
weiter aufgeklärt. Neben Calcium spielt auch Phosphat eine wichtige Rolle.
Bei erhöhten Konzentrationen dieser Ionen bilden sich Calcium-Phosphat-
Nanopartikel aus, welche trotz ihrer winzigen Größe enorme
Entzündungsreaktionen in Immunzellen auslösen können.
Bei rheumatoider Arthritis (RA), einer der häufigsten rheumatologischen
Autoimmunerkrankungen, an welcher circa ein Prozent aller Menschen im
Laufe ihres Lebens erkranken, führen diese Nanopartikel in Verbindung mit
Calcium-Ionen zu einer deutlich stärkeren Entzündungsreaktion als bei
Gesunden. Das geht mit der Produktion potenter Botenstoffe einher. Diese
spielen bei rheumatischen Erkrankungen eine vordergründige Rolle. Ihre
medikamentöse Blockade ist die wirkungsstärkste Form der Behandlung der
RA.
Erhöhte lokale Calciumkonzentration ausschlaggebend
Die durch Calcium-Ionen getriggerte Aufnahme von Calcium-Phosphat-
Nanopartikeln kann bei Rheuma zu Gelenkentzündungen führen. Die treibende
Kraft ist jedoch immer eine erhöhte Calciumkonzentration in der Umgebung
entzündeter Gelenke, während die Calciumaufnahme oder die systemische
Regulation des Calciumspiegels keine Rolle zu spielen scheint. Die bei der
Erkrankung auftretende Freisetzung von Calcium und Phosphat aus dem
Knochen infolge von Knochenentkalkung beziehungsweise -zerstörung kann
dazu beitragen, dass die Erkrankung chronisch wird. Zusammenhänge zwischen
Verkalkung und Entzündung werden aber auch bei anderen entzündlichen
Erkrankungen wie der Arteriosklerose vermutet.
Calcium und Phosphat sind die wichtigsten Elemente des Knochens, werden
dort ständig eingebaut oder bei Bedarf wieder freigesetzt. Rheumatische
Erkrankungen und Osteoporose gehen häufig mit einem Verlust von Calcium
aus dem Knochen einher, während die Ablagerung von Calcium in anderen
Geweben wie der Niere, den Arterien oder dem Bindegewebe eine krankhafte
Veränderung mit häufig schweren Konsequenzen darstellt. Insbesondere die
Verkalkung von Blutgefäßen führt zu deren Zerstörung und kann die Ursache
oder eine Begleiterscheinung von Herz-Kreislauferkrankungen wie
Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.
