Gesund durch Blutreinigung? Wie neue Erkenntnisse in der therapeutischen
Apherese helfen können, Erkrankungen zu heilen

Die therapeutische Apherese, im Volksmund auch Blutreinigung genannt,
ermöglicht bei einer Vielzahl von Erkrankungen, das Blut außerhalb des
Körpers von krankmachenden Bestandteilen zu befreien. Die bekannteste Form
der Blutreinigung ist die Nierenersatztherapie (Dialyse), welche bei
Nierenversagen eingesetzt wird. Doch auch bei der Organtransplantation
leisten neue Verfahren der Apherese einen wichtigen Beitrag dazu, dass die
Empfänger ihre erhaltenen neuen Organe nicht abstoßen, betont die Deutsche
Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI).

Schon im Mittelalter wurde versucht, das Blut durch einen regelmäßigen
Aderlass zu reinigen. Die erste moderne „Blutreinigung“ ist die
Hämodialyse. Weniger bekannt ist die therapeutische Apherese, welche in
der Transfusionsmedizin eine große Bedeutung hat. Die Institute für
Transfusionsmedizin verfügen heute über Geräte und Therapieansätze, die
gezielt krankhafte Bestandteile aus dem Blut entfernen können. Bei der
zumeist mehrstündigen Behandlung wird das Blut durch eine Maschine
geleitet, um die kranken von den gesunden Blutbestandteilen zu trennen.
Die gesunden erhält der Patient als Infusion zurück, die kranken werden
verworfen. „Die therapeutische Apherese ist ein erprobtes und höchst
effektives Verfahren mit beeindruckenden klinischen Erfolgen“, sagt
Professor Dr. med. Nina Worel vom Medizinischen Universitätscampus Wien,
die bei der DGTI die Sektion Präparative und therapeutische Hämapherese
leitet.

Eines der Einsatzgebiete der therapeutischen Apherese ist die
Transplantationsmedizin.
Bei einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen potentiellem Organspender
und Organempfänger kann es zu Abwehrreaktionen kommen. „Die Antikörper
können das transplantierte Organ dann angreifen und es sogar zerstören“,
erläutert Worel.

Damit dieser Fall nicht eintritt, kamen früher nur Blutgruppen-gleiche
oder Blutgruppen-verträgliche Organe für eine Transplantation in Frage.
Durch eine Aufreinigung des gesamten Plasmas des Empfängers können aber
Blutgruppen-Antikörper entfernt werden. „Ein Plasmaaustausch ist
zeitaufwändig, aber mit relativ geringem Risiko behaftet“, sagt Worel.

Heute besteht die Möglichkeit, viel effizienter und auch gezielt
diejenigen Antikörper, die gegen Blutgruppen- oder Gewebemerkmale auf
transplantierten Organen gerichtet sind, aus dem Blut zu entfernen. Mit
Medikamenten lässt sich zudem verhindern, dass neue Antikörper gebildet
werden. Professor Worel ist fest überzeugt: „Die Kombination aus
therapeutischer Apherese und Medikamenten trägt dazu bei, das
Langzeitüberleben nach einer Organtransplantation weiter zu verbessern.“

Die gezielte Entfernung der Antikörper erfolgt in den Apherese-Geräten mit
sogenannten Immunabsorbern, durch die das Plasma der Patienten geleitet
wird. Diese Immunabsorber können Transfusionsmediziner heute zur
Behandlung verschiedener Krankheitsbilder einsetzen. „Eine therapeutische
Apherese ist heute bei der Multiplen Sklerose und anderen
Autoimmunerkrankungen möglich, bei denen Antikörper körpereigene
Strukturen angreifen“, sagt Worel.

Derzeit erproben Experten auch den Einsatz von Immunabsorbern bei
Allergien, indem sie die verantwortlichen IgE-Antikörper entfernen. „Wegen
des hohen technischen Aufwands kommen die Immunabsorber allerdings nur zum
Einsatz, wenn mit Medikamenten keine Wirkung erzielt wird“, schränkt
Professor Worel die derzeitige Anwendungsmöglichkeit ein. „Insgesamt ist
die therapeutische Apherese ein wichtiger Bestandteil im
Behandlungsrepertoire der modernen Transfusionsmedizin.“