Bei Paul setzte an der hsg Bochum die Atmung ein
Paul ist neu an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum). Der
Frühgeborenen-Simulator wurde im Rahmen des NRW-Programms ‚FH-Basis‘
finanziert und von hsg-Hebammenwissenschaftlerin Prof. Dr. Martina
Schlüter-Cruse eingeworben.
„Frühgeburten stellen besondere Anforderungen an die interdisziplinäre
Zusammenarbeit der beteiligten Akteur*innen aus dem Gesundheitswesen. Die
Anschaffung des Frühgeborenen-Simulators Paul zielt darauf ab, die
Handlungskompetenz von Studierenden der Hebammenkunde beim kritischen
Ereignis ‚Frühgeburt‘ zu erweitern sowie die interprofessionelle
Zusammenarbeit zwischen Studierenden der Hebammenkunde, der Pflege und der
Medizin weiter auszubauen. Außerdem wird damit das bereits vorhandene
Skills-Lab-Konzept im Studienbereich Hebammenwissenschaft der hsg Bochum
um das Frühgeborenen-Simulationstrain
Schlüter-Cruse.
In den so genannten Skills-Labs der hsg Bochum können Studierende das
gelernte Wissen praktisch einsetzen und stressfrei zum Beispiel an
Simulatoren Handlungsabläufe einüben. Die Skills-Labs sind speziell
eingerichtete Trainingsräume, in denen berufliche Situationen mit moderner
und realitätsnaher Ausstattung nachgestellt werden. So gibt es an der hsg
Bochum zum Beispiel einen komplett eingerichteten Kreißsaal, eine
seniorengerechte Wohnung, ein Ganglabor und eine Erwachsenen-
Intensivstation.
Schlüter-Cruse: „Der Einsatz eines Frühgeborenen-Simulators ist im Studium
von Hebammen in Deutschland bisher nicht verbreitet. Wir haben in unserem
Konzept an der hsg Bochum ein interprofessionelles Team eingebunden. Ich
freue mich auf das gemeinsame Projekt mit den Kolleg*innen, so dass die
Expertise unterschiedlicher Professionen bereits in der Planungsphase des
Konzepts einfließen kann.“
An der Konzeptentwicklung beteiligt sind neben Projektleiterin Professorin
Schlüter-Cruse, auch Dr. Carsten Krüger, Professor für Medizin mit dem
Schwerpunkt Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Sandra Bachmann, Professorin
für Pflegerische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien,
sowie Barbara Beck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienbereich
Hebammenwissenschaft.
„Im nächsten Schritt werden die Trainings mit dem Frühgeborenen-Simulator
Paul konzeptionell entwickelt, in die Lehre eingebunden und evaluiert.
„Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich dem Trainingssimulator Paul
eine hohe Qualität und Praxisnähe bescheinigen. Ich bin zuversichtlich,
dass die Studierenden der Hebammenkunde, der Pflege und der Medizin
dadurch deutlich besser auf ihre zukünftige klinische Arbeit vorbereitet
werden“, sagte Carsten Krüger.
Am 14. September 2020 wurden Lehrende der Hebammenwissenschaft, der
Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, der Medizin sowie Studierende des
Masterstudiengangs Evidence-based Health Care der hsg Bochum im Rahmen
einer Schulung mit dem Frühgeborenen-Simulator vertraut gemacht. Per
Videokonferenz erläuterte Dr. Jens-Christian Schwindt, Gründer und CEO der
SIMCharacters GmbH sowie Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, der mit
seinem Team den Frühgeborenen-Simulator 'Paul' entwickelt hat, wie mit
Paul gearbeitet werden kann.
„Der Frühgeborenen-Simulator ist eine Bereicherung für die Studierenden
der Pflege, Hebammenkunde und Medizin und wird der steigenden Anzahl von
zu früh geborenen Kindern gerecht. So können bereits in der Simulation
gezielte Szenarien trainiert werden, die zur Verbesserung der Versorgung
von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen in der Praxis beitragen“, so
Dr. Sandra Bachmann.
Paul ist eine realistische Nachbildung eines in der 28.
Schwangerschaftswoche frühgeborenen Kindes mit einem Gewicht von 1000
Gramm. So fühlt sich nicht nur die Haut wie die eines Frühgeborenen an,
sondern Paul kann auch atmen und stöhnen. Der Simulator wird über einen
Computer gesteuert und ist so konstruiert, dass durch die Nachbildung
seiner Atemwege auch eine Intubation möglich ist, so dass besondere
Versorgungsstrategien nachgestellt werden können.
Der Frühgeborenen-Simulator wurde im Rahmen des Programms ‚FH-Basis‘ von
Martina Schlüter-Cruse eingeworben und durch das Ministerium für Kultur
und Wissenschaft des Landes NRW finanziert. Das Geräte-Programm 2019
richtet sich an neuberufene Professorinnen und Professoren, um diese beim
Auf- und Ausbau ihrer Forschungsaktivitäten zu unterstützen. Schlüter-
Cruse hatte im November 2018 ihre Professur für Hebammenwissenschaft im
Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der hsg Bochum
angetreten und einen entsprechenden Förderantrag gestellt.
