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Herzklappen-Innovation in Bad Oeynhausen

Den Eingriff im Hybrid-OP-Saal des HDZ NRW führten Dr. Kai Friedrichs und Prof. Dr. Sabine Bleiziffer durch  (Foto: Marcel Mompour).  HDZ NRW
Den Eingriff im Hybrid-OP-Saal des HDZ NRW führten Dr. Kai Friedrichs und Prof. Dr. Sabine Bleiziffer durch (Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW
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Den Eingriff im Hybrid-OP-Saal des HDZ NRW führten Dr. Kai Friedrichs und Prof. Dr. Sabine Bleiziffer durch  (Foto: Marcel Mompour).  HDZ NRW
Den Eingriff im Hybrid-OP-Saal des HDZ NRW führten Dr. Kai Friedrichs und Prof. Dr. Sabine Bleiziffer durch (Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW

Schonendes Schlüssellochverfahren: Herzspezialisten am Herz- und
Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, führen erstmals einen
Mitralklappenersatz mittels Katheterverfahren durch

Die Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz) ist einer
der häufigsten erworbenen Herzklappenfehler. In Deutschland sind
schätzungsweise fast eine Million Menschen betroffen. Über lange Zeit
konnte die Mitralklappe nur durch eine Herzoperation repariert oder
ersetzt werden.
„Dabei können die Chirurgen in vielen Fällen auf eine Durchtrennung des
Brustbeines verzichten und die Mitralklappe über einen kleinen Schnitt
seitlich am rechten Brustkorb operieren“, so Prof. Gummert, Direktor der
Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am HDZ NRW.
In den letzten Jahren hat sich für Risiko - Patienten die
kathetergestützte Klappenrekonstruktion mit dem sogenannten MitraClip-
Verfahren bewährt. Das HDZ NRW bietet jetzt als derzeit einzige Klinik in
Ostwestfalen-Lippe mit dem kathetergestützten Mitralklappenersatz eine
weitere Therapiemethode an, die besonders älteren Patienten mit schweren
Begleiterkrankungen eine deutlich bessere Lebensqualität verspricht.

„Im Falle eines notwendigen Klappenersatzes entscheidet im HDZ NRW ein
Herzteam aus Herzchirurgen und Kardiologen gemeinsam über das am besten
geeignete Verfahren“, erläutert Professor Dr. Volker Rudolph, Direktor der
Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie. Die
Oberärzte Prof. Dr. Sabine Bleiziffer (Herzchirurgie) und Dr. Kai
Friedrichs (Interventionelle Kardiologie) führten erstmals einen
kathetergestützten Mitralklappenersatz im Hybrid-OP des HDZ NRW bei einer
86-jährigen Patientin und einem 82-jährigen Patienten  durch. Beide haben
das jeweils etwa anderthalbstündige Verfahren gut überstanden und werden
voraussichtlich in der nächsten Woche entlassen werden. „Eine Operation am
offenen Herzen mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine wäre mit zu großen
Risiken verbunden gewesen“, betonen die Herzspezialisten.

Die neue Ersatz-Mitralklappe wird mit Hilfe eines Katheters durch einen
kleinen Schnitt seitlich am Brustkorb in das Herz eingeführt und an Stelle
der undichten Mitralklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken
Kammer des Herzens entfaltet. Ein an der Katheterklappe befestigtes
Halteband hält die Klappe in Position. „Auf eine Herzlungenmaschine
verzichten zu können, ist ein großer Vorteil dieses Verfahrens“, betonen
Prof. Bleiziffer und Dr. Friedrichs.

Der Transkatheter-Mitralklappen-Ersatz (TendyneTM, Hersteller Abbott)
steht seit Anfang des Jahres für den klinischen Einsatz in Europa zur
Verfügung. Er ist laut Hersteller die erste Behandlungsmöglichkeit dieser
Art, um bei Patienten ohne Eingriff am offenen Herzen sowie bei nicht
möglicher Transkatheter-Mitralklappenreparatur die Mitralklappe zu
ersetzen und somit eine Verbesserung der Symptomatik und Lebensqualität zu
erreichen.

In Nordrhein-Westfalen wird das Verfahren aktuell nur an drei Zentren
angeboten. Das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen
bietet als eines der größten Herzklappenzentren in Deutschland mit 2.000
konventionellen und kathetergestützten Herzklappen-Eingriffen bei
Patienten aller Altersstufen das gesamte Spektrum zur Behandlung von
Klappenerkrankungen an.

Eine defekte Klappenfunktion beschreibt Professor Rudolph so: „Wenn eine
Herzklappe aufgrund einer Erkrankung, Degeneration oder eines
Geburtsfehlers nicht richtig schließt, muss das Herz dauerhaft mehr Kraft
aufwenden, um das zurückfließende Blut durch den Körper zu pumpen.
Müdigkeit, Kurzatmigkeit und eine Verschlechterung der Herzfunktion sind
die Folgen. Medikamente können die zugrundeliegende Ursache allerdings
nicht beheben. Daher raten wir in aller Regel zu einer Rekonstruktion oder
einem Klappenersatz, der je nach Art und Schwere der Undichtigkeit immer
eine individuelle Beratung durch ein erfahrenes Herzteam erfordert und nur
an ausgewiesenen Zentren durchgeführt werden sollte.“