Grüner Star: Experten geben Empfehlungen für Glaukom-Früherkennung
Ob und wann eine Untersuchung zur Glaukom-Früherkennung erfolgen sollte,
ist zwischen Experten und Krankenkassen umstritten. Jetzt haben DOG
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der
Augenärzte Deutschlands (BVA) eine neue Leitlinie zur Glaukom-
Früherkennung vorgelegt. Welche Empfehlungen die deutschen Augenärzte zur
Vorsorge geben, erläutern Experten auf der Online-Pressekonferenz zum DOG-
Kongress. Der Kongress findet vom 9. bis 11. Oktober 2020 online statt.
Der Grüne Star, eine Erkrankung des Sehnervs, wird von den Betroffenen
selbst lange Zeit nicht bemerkt. „Zeigen sich verschwommenes Sehen oder
andere Beschwerden, ist es bereits sehr spät, und eingetretene Schäden
lassen sich nicht wieder rückgängig machen“, erläutert Professor Dr. med.
Alexander Schuster vom Zentrum für ophthalmologische Epidemiologie und
Versorgungsforschung an der Augenklinik und Poliklinik der
Universitätsmedizin Mainz. Wird ein Glaukom dagegen rechtzeitig erkannt,
lässt sich die Erkrankung durch Augentropfen, Lasereingriffe oder
chirurgische Maßnahmen aufhalten oder verzögern. Unbehandelt droht
Blindheit.
Untersuchung beider Sehnervenköpfe plus Innendruckmessung
Aus diesem Grund werben die Augenärzte für eine Glaukom-Früherkennung.
„Sie besteht aus der Untersuchung der Sehnervenköpfe beider Augen mit
einem Spezialmikroskop sowie einer Augeninnendruckmessung“, erklärt
Schuster. Die Krankenkassen übernehmen allerdings die Kosten dafür
aufgrund fehlender Daten nicht. „Augenärzte können sie daher nur als
individuelle Gesundheitsleistung anbieten“, so der Mainzer DOG-Experte.
Die Patienten müssen für die Früherkennung zwischen 20 und 40 Euro zahlen.
Um zu klären, wann und wie häufig Patienten die Vorsorge in Anspruch
nehmen sollten, haben Experten von DOG und BVA alle verfügbaren
wissenschaftlichen Belege zu den Risikofaktoren für das Glaukom untersucht
und auf dieser Basis in einer neuen Leitlinie Empfehlungen ausgesprochen.
„Die Leitlinie bietet Ärzten und Patienten damit
Orientierungsmöglichkeiten“, sagt Schuster.
Früherkennung ab dem 40. Lebensjahr
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass allen Personen ab dem 40.
Lebensjahr die Glaukom-Früherkennungsuntersuc
„In der Altersgruppe zwischen 40 und 59 Jahren sollte die Untersuchung
alle fünf Jahre wiederholt werden, ab dem Alter von 60 Jahren alle zwei
bis drei Jahre – vorausgesetzt, es liegen keine weiteren Risikofaktoren
vor“, erklärt Schuster.
Zu diesen Risikofaktoren zählen Verwandte ersten Grades, die an einem
Glaukom leiden, aber auch ein erhöhter Augeninnendruck. Bei einer
Kurzsichtigkeit von mindestens minus vier Dioptrien ist das Risiko für
einen Grünen Star zwei bis dreifach so hoch wie bei normalsichtigen Augen,
und auch Ablagerungen auf der Linse und im Kammerwinkel verstärken die
Erkrankungsgefahr.
Bei mehreren Risikofaktoren Untersuchungsabstände verkürzen
„Liegt neben dem Alter ein weiterer Risikofaktor vor, sollten bei Menschen
ab 40 Jahren die Abstände zur nächsten Untersuchung auf zwei bis drei
Jahre, bei Menschen ab 60 Jahren auf ein Jahr verkürzt werden“, erläutert
Schuster. Bei drei oder mehr Risikofaktoren gilt: In diesem Fall sind
Betroffene gut beraten, sich schon ab 40 Jahren jährlich untersuchen zu
lassen.
„Glaukom Früherkennung ist sehr sinnvoll und wichtig, da gibt es keine
Frage“, betont DOG-Präsident Professor Dr. med. Hans Hoerauf. „Eine
Studie, die den direkten Nutzen nachweist, kann es und wird es nicht
geben, eine Kontrollgruppe ohne Früherkennung wäre aus augenärztlicher
Sicht ethisch nicht vertretbar. Die Sinnhaftigkeit dieser Untersuchung
immer wieder in Frage zu stellen, ist aus meiner Sicht unverständlich“,
setzt der Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen
hinzu.
Auf der Online-Kongress-Pressekonferen
Schuster neue Zahlen und Erkenntnisse zum Glaukom präsentieren, siehe
Terminhinweis und Programm untenstehend.Terminhinweise:
• Online-Kongress-Pressekonfere
Termin: Freitag, 9. Oktober 2020, 11.00 bis 12.00 Uhr
Link zur Anmeldung:
<https://attendee.gotowebinar.
• Symposium: „Ophthalmologie in Zahlen – Epidemiologie und
Versorgung ophthalmologischer Volkskrankheiten“
Termin: Sonntag, 11. Oktober 2020, 14.30 bis 15.15 Uhr, Channel Helmholtz
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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für
Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.750
Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und
behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der
Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und
Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche
Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den
wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum
Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im
Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche
Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft
Deutschlands.
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Kongress-Pressekonferenz zur DOG 2020 online
Termin: Freitag, 9. Oktober 2020, 11.00 bis 12.00 Uhr
Link zur Anmeldung:
<https://attendee.gotowebinar.
Themen und Referenten:
Die DOG im von-Graefe-Jahr:
Augenheilkunde im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Medizin
Professor Dr. med. Hans Hoerauf
Präsident der DOG; Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin
Göttingen
Kann Corona ins Auge gehen?
Aktuelle Erkenntnisse zum Stand der Übertragungswege bei COVID-19
Professor Dr. Dr. med. Clemens Lange
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg
Mehr sehen, besser operieren?
Wie moderne Imaging-Techniken die Augenchirurgie beeinflussen
Professor Dr. med. Claus Cursiefen
Direktor des Zentrums für Augenheilkunde an der Uniklinik Köln
sowie
Professor Dr. med. Lars-Olof Hattenbach
Direktor der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen
Neue Daten zum Glaukom:
Optimale Früherkennung – dem Grünen Star auf der Spur
Professor Dr. med. Alexander Schuster
Zentrum für ophthalmologische Epidemiologie und Versorgungsforschung,
Augenklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz
Moderation:
Anne-Katrin Döbler, Pressestelle DOG, Stuttgart
