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Herzschwäche bei Diabetes oft zu spät diagnostiziert - Regelmäßiges Screenen notwendig

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Wenn ein Diabetes mellitus längere Zeit unentdeckt bleibt oder wenn es
nicht gelingt, den Blutzuckerspiegel konstant niedrig zu halten, drohen
ernsthafte Folgeerkrankungen. Zu den schwerwiegendsten Diabetesfolgen
zählt die Herzinsuffizienz, an der Diabetespatientinnen und -patienten
doppelt so häufig erkranken wie Stoffwechselgesunde. Wie die Herzschwäche
entsteht, wie sie frühzeitig erkannt werden kann und welche
therapeutischen Konsequenzen sich aus dem gleichzeitigen Vorliegen von
Diabetes und Herzinsuffizienz ergeben, diskutieren Expertinnen und
Experten auf der 14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft
(DDG). Die Tagung findet vom 6. bis 8. November 2020 online statt.

Am 4. November findet zudem eine Online-Pressekonferenz zum Kongress
statt, auf der unter anderem die neue Nationale Versorgungs-Leitlinie zu
Diabetes Typ 2 vorgestellt sowie über aktuelle Erkenntnisse zu Diabetes
und Covid-19 gesprochen wird. Anmeldung unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

Das Risiko für Herzkreislauferkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus
zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. „Die
Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, ist die häufigste
kardiovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes“, sagt Professor Dr. med.
Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und
Internistische Intensivmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen. Hinzu kommt,
dass die Herzinsuffizienz bei Menschen mit Diabetes oft zu spät erkannt
wird, deutlich komplizierter verläuft und somit besonders schlechte
Überlebensprognosen nach sich zieht: Pro Jahr muss nahezu jeder Sechste
aufgrund seiner Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Von
dieser kardiovaskulären Erkrankung sind deutlich mehr Diabetespatienten
betroffen als bislang angenommen“, betont Marx.

Über welche Mechanismen der Diabetes das Herz schädigt und das Risiko für
eine Herzschwäche erhöht, ist noch nicht vollständig geklärt. „Vermutlich
spielen hier Stoffwechselveränderungen im Herzmuskel eine Rolle, vor allem
im Kalzium- und Energiestoffwechsel“, sagt Marx, Sprecher des DDG
Ausschusses „Herz, Diabetes & Hormone der DDG, DGE & DGK“. Neuen
Erkenntnissen zufolge trägt dazu nicht nur der erhöhte Blutzucker selbst
bei, der die Gefäße und Organstruktur schädigen kann, sondern auch
Immunbotenstoffe sowie Botenstoffe aus dem Fettgewebe und der Leber, die
bei Menschen mit Diabetes häufig durch Fetteinlagerungen geschädigt ist.
„Um diese Veränderungen früh zu erkennen ist eine stringente,
interdisziplinäre leitlinienorientierte, evidenzbasierte Therapie des
Diabetes vonnöten“, bilanziert Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Direktor
der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum
Stuttgart und diesjähriger Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung.

„Gleichzeitig haben zwischen 25 und 40 Prozent der Patienten mit einer
Herzinsuffizienz auch einen – oft unerkannten – Diabetes“, so Lobmann.
Liegt eine Herzinsuffizienz vor, sollte auch immer auch auf einen Diabetes
untersucht werden. „Diabetes und Herzinsuffizienz dürfen daher nicht
unabhängig voneinander betrachtet werden, sondern als gefährliches Duo“,
ergänzt Marx. Dieser Umstand müsse vermehrt in die jeweilige Therapie
einfließen. Mittlerweile gebe es konkrete Empfehlungen für die
Diabetestherapie bei Patienten mit bereits bestehender oder beginnender
Herzschwäche. „Hier hat sich besonders die Behandlung mit so genannten
SGLT2-Hemmern bewährt“, führt Marx aus. Diese Wirkstoffe, die die
Zuckerausscheidung über die Niere verstärken, konnten in Studien die Zahl
der Krankenhauseinweisungen wegen einer Herzinsuffizienz sowie den
kardialen Tod deutlich verringern.

„Um die derzeit noch schlechten Prognosen für diese Patientengruppe zu
verbessern, brauchen wir ein noch besseres Verständnis der
Pathophysiologie. Dieses kann uns wiederum helfen, die Therapie besser zu
individualisieren und auch die Diabetesmedikation bei Herzinsuffizienz
gezielter einzusetzen.“ Auf der Herbsttagung vom 6. Bis 8. November 2020
berichten Experten über neueste Erkenntnisse im Wechselspiel von Herz und
Diabetes und diskutieren aktuelle Diagnose- und Therapieverfahren sowie
neueste Forschungsansätze.

Quellen:

Schütt K, Marx N: Herzinsuffizienz bei Diabetes mellitus in Deutschland.
In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019. Die Bestandsaufnahme.
Tschöpe D, Ringelstein E.B., Motz W: Diabetes mellitus – Herzerkrankungen
– Schlaganfall. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2020. Die
Bestandsaufnahme.

Terminhinweis:

Online-Pressekonferenz
14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Termin: Mittwoch, 4. November 2020, 11.00 bis 12.00 Uhr
Online unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228
Programm: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/pressebereich/14
-diabetes-herbsttagung-der-deutschen-diabetes-gesellschaft