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Erstmals S3-Leitlinie zum Analkarzinom erschienen

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Bessere Versorgung für Patient*innen mit Analkrebs: Das Leitlinienprogramm
Onkologie hat unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für
Koloproktologie e.V. (DGK) erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik,
Therapie und Nachsorge von Analkanal- und Analrandkarzinomen erstellt. Die
Leitlinie gibt unter anderem Empfehlungen zur Primärdiagnostik,
Therapieentscheidung bei kurativer Operation und kurativer
Radiochemotherapie, der Responsebeurteilung nach Radiochemotherapie sowie
der Palliativversorgung.

Die Versorgung von Analkrebsbetroffenen ist bisher sehr heterogen: Die
Primärdiagnostik wird von unterschiedlichen Fachdisziplinen durchgeführt,
etwa mit dermatologischer oder gastroenterologischer Ausrichtung. „Zudem
ist das Analkarzinom im Vergleich zu anderen gastrointestinalen Tumoren
relativ selten, deshalb gab es bisher in der Fläche wenig Erfahrung in der
Diagnostik, Therapie und Nachsorge“, sagt PD Dr. Felix Aigner, Barmherzige
Brüder Krankenhaus Graz. Er ist zusammen mit PD Dr. Robert Siegel von der
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie am Helios
Klinikum Berlin-Buch Koordinator der Leitlinie. Die neue S3-Leitlinie
formuliert nun evidenzbasierte Standards und bietet so die Grundlage für
die Optimierung der interdisziplinären und sektorenübergreifenden
Versorgung der Betroffenen.

Die überwiegende Zahl der Analkarzinome befinden sich im Analkanal, ein
geringerer Anteil, die sogenannten Analrandkarzinome, sind an der Grenze
zwischen Analkanal und äußerer Haut lokalisiert. „Das Analrandkarzinom hat
eine günstige Prognose. In frühen Erkrankungsstadien kann der Krebs
oftmals operativ entfernt werden“, so Aigner. Bei dem Analkanalkarzinom
gehört die kombinierte Radiochemotherapie mittlerweile zum
Therapiestandard. „Sollte eine komplette Entfernung im Analkanal nicht
möglich sein, dann kommt zusätzlich zur Operation eine kombinierte
Radiochemotherapie zum Einsatz. Auch Patientinnen und Patienten in weiter
fortgeschrittenen Erkrankungsstadien sollen mit einer kombinierten
Radiochemotherapie behandelt werden“, sagt Aigner.

Ist der Krebs nicht mehr heilbar, sind Betroffene mit unterschiedlichen
Herausforderungen konfrontiert. „Der Krebs kann benachbarte Organe
befallen, wie etwa die Prostata oder die Geschlechtsorgane, und dort zu
weiteren Komplikationen führen“, sagt
Siegel. „Zudem können erhebliche Probleme mit der Darmentleerung sowie
Blutungen auftreten. Nicht zu unterschätzen ist auch die psychische
Belastung von Patientinnen und Patienten in palliativen Situationen.“
Betroffene mit nicht heilbarem Analkrebs sollten deshalb nach der Diagnose
von einem ambulanten oder stationären spezialisierten
Palliativversorgungsteam betreut werden.

Laut dem Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2016 1.320 Frauen und 830
Männer an einem Analkarzinom. Während die Erkrankungsraten beim Darmkrebs
abnehmen, steigt sowohl die Neuerkrankungsrate als auch die Sterberate
beim Analkarzinom in den letzten 15 Jahren an. Im Jahr 2016 starben 308
Frauen und 204 Männer an Analkrebs. Zu den Risikogruppen zählen unter
anderem HPV- und HIV-infizierte Menschen. Zudem haben auch Patientinnen
mit Gebärmutterhals- und Vulvakrebs ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

An der Erstellung der S3-Leitlinie waren 26 Fachgesellschaften und
Organisationen beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/analkarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Nähere Informationen zur App finden Sie hier: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 28 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK)
Die Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) beschäftigt sich
interdisziplinär mit allen auf dem Gebiet der Koloproktologie auftretenden
Erkrankungen, insbesondere deren Diagnostik und Therapie. Ziel ist die
Förderung der interdisziplinären Forschung von Dickdarm- und
Enddarmerkrankungen, die Unterstützung der Aus- und Fortbildung von
Ärzten, die Erstellung von Leitlinien und die Ausrichtung von Tagungen und
Kongressen, auch im Interesse des Erfahrungsaustausches auf
internationaler Ebene. Mehr unter: https://www.koloproktologie.org/