Entgleisung der Herzschwäche: So können Betroffene sich schützen
Schutz vor Grippe und Covid-19 ist für Herzpatienten besonders wichtig.
Viele Klinikeinweisungen lassen sich verhindern
Eine deutliche Gewichtszunahme, Kurzatmigkeit oder sogar Atemnot: Mit
diesen Symptomen kündigt sich eine Verschlechterung der Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) an. Die Erkrankung kann einen dramatischen Verlauf
nehmen bis hin zur notfallmäßigen Klinikeinweisung: Rund 465.000 Patienten
werden jährlich stationär in eine Klinik aufgenommen, weil ihre
Herzschwäche entgleist ist. Die Ursachen sind vielfältig, doch in vielen
Fällen lässt sich ein Krankenhausaufenthalt verhindern. „Eine
Herzdekompensation, also eine Entgleisung der Herzschwäche, ist häufig die
Folge eines zusätzlichen Ereignisses“, betont Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. Dies könnten Herzrhythmusstörungen, ein plötzlicher
Blutdruckanstieg, aber auch Infektionskrankheiten wie Grippe oder Covid-19
sein, ergänzt der Ärztliche Direktor des Agaplesion Bethanien-
Krankenhauses, Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am
Main. „Häufig sind auch Fehler bei der Medikamenteneinnahme Ursache für
eine Verschlechterung der Krankheit“, wie der Kardiologe betont. Über die
Ursachen und Therapie der Volkskrankheit Herzschwäche informiert die
Deutsche Herzstiftung anlässlich der bundesweiten Herzwochen unter dem
Motto „Das schwache Herz“ mit Infos für Betroffene unter
www.herzstiftung.de/herzwochen
Warum Coronaviren das Herz angreifen
Dass sowohl Grippe- als auch Coronaviren für Herzpatienten gefährlich
werden können, hat mehrere Gründe. Zum einen bleiben die Viren nicht
ausschließlich in den Atemwegen, sondern breiten sich im ganzen Körper aus
und können auch das Herz angreifen. Zum anderen ist die Lunge speziell bei
Patienten mit Herzschwäche besonders anfällig. „Bei einer Herzschwäche
kann sich aufgrund der verringerten Pumpleistung Blut in die Lungen
zurückstauen“, erklärt Voigtländer. Dadurch werde das Organ anfälliger für
Infektionen – auch für eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-
CoV-2. So zeigte eine weltweite Studie, für die die Covid-19-Verläufe von
mehr als 10.000 Patienten in 920 Kliniken ausgewertet wurden, dass
Patienten mit Herzschwäche ein deutlich höheres Risiko für einen schweren
Verlauf der Krankheit haben und wesentlich häufiger beatmet werden mussten
als Patienten ohne eine Vorerkrankung des Herzens (1).
So schützen sich Herzschwäche-Patienten vor einer Entgleisung
Damit es gar nicht erst zu einer Entgleisung der Herzschwäche und damit zu
einer Klinikeinweisung kommt, sollten Patienten mit Herzschwäche ihre
Medikamente konsequent einnehmen und auf mögliche Warnzeichen achten.
Wichtig ist beispielsweise, dass Betroffene regelmäßig ihr Gewicht
kontrollieren und den Blutdruck messen, um Blutdruckkrisen zu verhindern.
Da eine Covid-19-Infektion bei Herzkranken zu schweren Verläufen führen
kann, kommt der Grippeschutzimpfung in der Zeit der Pandemie eine noch
größere Bedeutung zu als zuvor. Dies gilt insbesondere für Risikogruppen.
„Wir empfehlen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dringend, sich
gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen“, ergänzt Voigtländer. Zum
Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus gelten zudem, wie für die
gesunden Menschen, die sogenannten AHA+L-Empfehlungen:
- Abstand halten: Wo es möglich ist, wird ein Mindestabstand von 1,50
Meter zu anderen Menschen empfohlen.
- Hygieneregeln beachten: Hierzu zählt vor allem gründliches Händewaschen,
aber auch Niesen und Husten in die Armbeuge.
- Alltagsmasken tragen: Diese Empfehlung gilt überall dort, wo man nicht
ausreichend Abstand halten kann, zum Beispiel in öffentlichen
Verkehrsmitteln und Gebäuden.
- Lüften: Regelmäßiges Lüften kann als zusätzliche Maßnahme die
Virusbelastung in Innenräumen verringern.
(1) Karagiannidis C et al., Lancet Respir Med 2020; 8: 853–62. Case
characteristics, resource use, and outcomes of 10021 patients with
COVID-19 admitted to 920 German hospitals: an observational study.
https://doi.org/10.1016/S2213-
Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) mit kostenfreiem Bildmaterial
finden Sie unter: www.herzstiftung.de/herzwochen
Tipp: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei per Tel.
unter 069 955128-400 (E-Mail:
werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über Ursachen,
Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der
Herzschwäche. Weitere Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen
www.herzstiftung.de/herzschwae
Die Herzwochen stehen unter dem Motto „Das schwache Herz“ und richten sich
an Patienten, Angehörige, Ärzte und alle, die sich für das Thema
Herzschwäche interessieren. An der Aufklärungskampagne beteiligen sich
Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und Betriebe. Infos
zu Online-Vorträgen, Telefonaktionen und Ratgeber-Angeboten sind unter
www.herzstiftung.de/herzwochen
zu erfragen.
