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Frauenherzen in Gefahr: Wie schützen sie sich vor einer Herzschwäche?

Prof. Dr. Vera Regitz Zagrosek, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung; Seniorprofessorin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin  Foto: VRZ
Prof. Dr. Vera Regitz Zagrosek, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung; Seniorprofessorin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Foto: VRZ
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Prof. Dr. Vera Regitz Zagrosek, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung; Seniorprofessorin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin  Foto: VRZ
Prof. Dr. Vera Regitz Zagrosek, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung; Seniorprofessorin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Foto: VRZ

Frauen sterben viel häufiger als Männer an Herzschwäche. Klinische
Versorgung ist zu wenig auf Frauenherzen ausgerichtet
Herzschwäche bei Frauen – ein oft verkanntes Problem. Dabei machen Frauen
in Deutschland rund die Hälfte aller Betroffenen aus. Es sterben rund ein
Drittel mehr Frauen als Männer daran. So starben im Jahr 2016 laut
Deutschem Herzbericht 25.318 Frauen an Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
gegenüber 15.016 Männern. Ein Grund ist vermutlich, dass Frauen die
Symptome nicht ernst nehmen. Sie leiden an Atemnot, wenn sie die Treppen
hochsteigen, haben dicke Beine oder gar einen aufgedunsenen Bauch, sind
müde, fühlen sich schwach und schwindelig. Dass ein schwaches Herz
dahinterstecken kann, kommt vielen von ihnen nicht in den Sinn.
„Herzschwäche ist bei Frauen sehr häufig, vor allem wenn gleichzeitig die
Risikofaktoren Bluthochdruck, Übergewicht und eine Diabetes-Erkrankung
vorliegen“, erklärt Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek. Die Internistin
und Kardiologin ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Herzstiftung und rät Frauen beim Arztbesuch auf bestimmte Punkte zu
achten, um sich vor leicht vermeidbaren Komplikationen ihrer Erkrankung zu
schützen: Geraten Frauen etwa bei kleinen Belastungen in Atemnot und sind
schnell erschöpft, sollten sie ihren Arzt bitten, einen Ultraschall des
Herzens vorzunehmen (s. Infokasten). Die Deutsche Herzstiftung informiert
über die Herzschwäche bei Frauen und viele weitere Aspekte der
Herzinsuffizienz im Rahmen der bundesweiten Herzwochen unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020

Eine Herzinsuffizienz ist eine schwere Erkrankung. Das Herz schafft es
nicht mehr, genügend Blut in den Körper zu pumpen. Das Herz pumpt über die
linke Herzhälfte sauerstoffreiches Blut in die Blutgefäße, über die es in
die Organe gelangt. Nach seinem Weg durch den Körper kommt das nun
sauerstoffarme Blut wieder am Herzen an. Über die rechte Herzhälfte strömt
es in die Lunge, wird wieder mit Sauerstoff angereichert und gelangt in
die linke Herzhälfte. Der Kreislauf beginnt von neuem. Ist das Herz zu
schwach, kann es entweder nicht mehr ausreichend Blut und damit Sauerstoff
in die Lunge oder in den Körper pumpen (Systole) oder aber nicht mehr
genug Blut aufnehmen (Diastole). Letzteres ist bei Frauen wesentlich
häufiger als bei Männern der Fall, wie man heute weiß. Frauenherzen sind
steifer und können sich somit weniger ausdehnen und mit Blut füllen. Die
Experten sprechen von einer so genannten diastolischen Herzschwäche mit
erhaltender Pumpfunktion.

Experten befürchten viele unerkannte Herzschwäche-Fälle bei Frauen
Mit zunehmendem Alter werden die Herzen von Frauen noch fester. Denn in
den Wechseljahren (Menopause) kommt es infolge des Östrogenmangels zu
erhöhtem Blutdruck sowie vermehrter Bildung von Bindewebe im Herzen.
„Diese durch einen Mangel an körpereigenem Östrogen bedingte Herzschwäche,
lässt sich nicht durch eine Hormontherapie ausgleichen“, betont Regitz-
Zagrosek, die auch Seniorprofessorin an der Charité, Universitätsmedizin
Berlin ist. Frauen haben nicht nur festere, sondern auch kleinere Herzen
als Männer. Die geringere Größe wird dadurch ausgeglichen, dass ihre
Herzen mit einer höheren Auswurffraktion, – wie man dieses Maß in der
Fachsprache nennt – arbeiten als die der Männer. Die Auswurffraktion gibt
an, wieviel Prozent des Blutes, das sich im Herzen befindet, mit jedem
Schlag in den Körper gepumpt wird. Bei gesunden Männern sind das
mindestens 55 Prozent des Blutes im Herzen, bei gesunden Frauen wohl mehr
als 60 Prozent. „Bislang aber orientiert man sich bei Frauen an dem
Mindestwert für Männer von 55 Prozent“, erklärt die Berliner Kardiologin.
„Die Fachwelt diskutiert derzeit, dass der Mindestwert für Frauen
wahrscheinlich höher ist als der für Männer.“ Dazu kommt: Die
Auswurffraktion nimmt im Alter normalerweise zu, bei Frauen stärker als
bei Männern, weil Herzgröße und -masse bei beiden Geschlechtern abnehmen.
„Das könnte einmal mehr dazu beitragen, dass die Auswurffraktion
insbesondere bei vielen älteren Frauen als normal angesehen wird, obwohl
sie längst an einer Herzschwäche leiden“, meint die Expertin. So hat
mittlerweile etwa die Hälfte aller Patienten mit Herzschwäche, die in
Kliniken aufgenommen werden, eine vermeintlich normale Auswurffraktion.
Der Großteil von ihnen sind Frauen.

Gefahr durch Schwangerschafts-Kardiomyopathie und Broken-Heart-Syndrom
Bei Frauen kommen noch weitere besondere Formen der Herzschwäche vor. So
kann im letzten Drittel der Schwangerschaft und etwa ein halbes Jahr nach
der Geburt eine lebensbedrohliche so genannte Peripartale Kardiomyopathie
(PPCM) auftreten. Alarmzeichen sind plötzliche Atemnot, Schwäche oder
Flüssigkeitsansammlungen im Körper. Schon bei den ersten Signalen sollte
man sofort einen Arzt aufsuchen.
Das Broken-Heart-Syndrom ist eine Herzschwäche, die fast nur bei Frauen
nach den Wechseljahren auftritt. Sie ist oftmals eine Folge von massivem
emotionalem Stress. Die Symptome sind ähnlich einem Herzinfarkt: Atemnot,
Engegefühl in der Brust, starke Schmerzen. „Das Herz kontrahiert an der
Basis stärker als an der Spitze“, erläutert Regitz-Zagrosek. „Durch dieses
Ungleichgewicht im Kontraktionsablauf wird zu wenig Blut ausgeworfen und
der Körper nicht ausreichend versorgt.“ Dieser Zustand ist ebenfalls
lebensgefährlich. Betroffene sollten unverzüglich den Notarzt (Notruf 112)
alarmieren.

Achten Sie auf Ihr Herz – Prof. Vera Regitz-Zagrosek rät Frauen:

- Geraten Sie bei kleinen Belastungen in Atemnot und sind Sie schnell
erschöpft, bitten Sie Ihren Arzt, einen Ultraschall des Herzens
vorzunehmen.

- Lassen Sie regelmäßig Blutdruck, Blutzucker, Körpergewicht und Blutfette
kontrollieren.

- Erbitten Sie beim Arzt eine Blutuntersuchung. Eisenmangel kann ein Indiz
für eine Herzschwäche sein. Außerdem sind bei der Herzschwäche zwei
wichtige Marker, die natriuretischen Peptide ANP und BNP, erhöht. Wichtig:
Bei Frauen sind auch leicht erhöhte Werte Warnzeichen.

- Frauen benötigen niedrigere Dosen von ACE-Hemmern und Betablockern als
Männer. Digitalis verursacht möglichweise mehr Komplikationen. Die Gabe
von Arzneien gegen Herzrhythmusstörungen sollte gut mittels EKG überwacht
werden. Fragen Sie Ihren Arzt, ob die empfohlene Arznei an Frauen erprobt
worden ist und ob spezielle Dosierungen angeraten sind.

- Ändern Sie bei möglichen Nebenwirkungen eines Medikamentes nicht auf
eigene Faust die Dosis oder setzen es ab, sondern sprechen Sie mit Ihrem
Arzt.

- Frauen profitieren sehr von einer Resynchronisationstherapie, bei der
das Herz mit speziellen Schrittmachern dazu gebracht wird, sich synchron
zusammenzuziehen. Lehnen Sie ein solches Angebot nicht von vornherein ab.

- Achten Sie auf Bewegung an frischer Luft, gesunde Ernährung, verzichten
Sie auf Alkohol und Zigaretten.
Weg

Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) finden Sie unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen2020

Tipp: Der Experten-Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei
per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)
angefordert werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über
Ursachen, Vorbeugung sowie aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten
der Herzschwäche. Weitere Infos auch zur Herzschwäche bei Frauen unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020

Die Herzwochen stehen unter dem Motto „Das schwache Herz“ und richten sich
an Patienten, Angehörige, Ärzte und alle, die sich für das Thema
Herzschwäche interessieren. An der Aufklärungskampagne beteiligen sich
Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und Betriebe. Infos
zu Online-Vorträgen, Telefonaktionen und Ratgeber-Angeboten sind unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020 abrufbar oder per Tel. 069 955128-333
zu erfragen.