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Herzschwäche durch Bluthochdruck: Was tun gegen das Hochdruckherz?

Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied, Deutsche Herzstiftung, Kardiologe und Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum München  Foto: DHS/Andreas Malkmus
Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied, Deutsche Herzstiftung, Kardiologe und Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum München Foto: DHS/Andreas Malkmus
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Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied, Deutsche Herzstiftung, Kardiologe und Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum München  Foto: DHS/Andreas Malkmus
Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied, Deutsche Herzstiftung, Kardiologe und Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum München Foto: DHS/Andreas Malkmus

Bluthochdruck geht meistens der diastolischen Herzschwäche voraus.
Herzstiftungs-Experte zeigt auf, wie sich Beschwerden lindern lassen
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) haben in Deutschland nach Schätzungen bis
zu vier Millionen Menschen. Herzschwäche ist keine eigenständige
Krankheit, sondern die Folge anderer Herzerkrankungen. In etwa 70 % der
Fälle entwickelt sich die Herzerkrankung aus der koronaren Herzkrankheit
(KHK) – meist infolge eines oder mehrerer Herzinfarkte – und langjährigem
Bluthochdruck, der nicht optimal eingestellt ist oder nicht (ausreichend)
behandelt wird. Unter den ca. 20 Millionen Betroffenen mit hohem Blutdruck
hierzulande sind etwa vier Millionen unerkannte Fälle. „Hoher Blutdruck
führt auf Dauer wegen der chronischen Druckbelastung auf das Herz zu einer
Verdickung des Herzmuskels. Das Herz wird dadurch steifer und verliert an
Leistungskraft“, sagt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Heribert Schunkert
vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. „Umso wichtiger ist es, dass
Blutdruck optimal eingestellt ist, wenn er zu hoch ist, sonst drohen Herz
und Gefäßen Schädigungen bis hin zu Herzinfarkt, Schlaganfall und
Herzschwäche“, warnt der Direktor der Klinik für Herz- und
Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München anlässlich der
bundesweiten Herzwochen. Deutschlands größte Aufklärungskampagne zu Herz-
Kreislauf-Erkrankungen widmet sich mit zahlreichen Aktionen unter dem
Motto „Das schwache Herz“ der Volkskrankheit Herzschwäche (Ursachen,
Symptome, Therapien). Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen2020

Frauen leiden häufiger an „Hochdruckherz“
Fast alle Patienten mit einer diastolischen Herzschwäche, die auf einer
Störung der Entspannungsphase des Herzens (Diastole) beruht, haben
Bluthochdruck. Deshalb wird die diastolische Herzschwäche auch
„Hochdruckherz“ genannt. Viele der Patienten haben aber zusätzlich
Diabetes oder Übergewicht. „Eine ungünstige Konstellation, die den
schädigenden Effekt auf die Gefäße verstärkt und den Alterungsprozess des
Herzens beschleunigt“, warnt Schunkert. Die diastolische Herzschwäche, bei
der die Füllung des Herzens vor dem nächsten Herzschlag gestört ist, ist
häufig in Deutschland: Bis zu 5 % aller über 70-Jährigen leiden daran,
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Bei dieser
Herzerkrankung fehlt dem Herzen wegen der Herzmuskelverdickung die
Elastizität, um die linke Herzkammer ausreichend mit Blut zu füllen. „Das
Herz muss mit höherem Druck gefüllt werden“, erklärt der Kardiologe. Die
Folgen für Betroffenen sind Beschwerden wie Luftnot bei Belastung,
manchmal auch in Ruhe, verminderte Leistungsfähigkeit,
Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen oder an den Knöcheln (Ödeme) und
plötzliche nächtliche Luftnotanfälle. „Patienten und insbesondere Frauen
sollten bei diesen Beschwerden beim Arzt auf eine Ultraschalluntersuchung
ihres Herzens bestehen.“

Ausdauer- und Krafttraining für mehr Elastizität
Bei der diastolischen Herzschwäche gibt es trotz großer Anstrengungen der
Forschung bisher keine gut wirksamen Medikamente. „Aber man kann mit hohem
Blutdruck die Hauptursache der diastolischen Herzschwäche gut behandeln
und mit einer Kombination von Ausdauer- und Krafttraining erreichen, dass
der Herzmuskel elastisch bleibt und die Belastbarkeit des Patienten
steigt“, betont Kardiologe Schunkert. Das Training sollte erst nach
Rücksprache mit dem behandelnden Hausarzt oder Kardiologen erfolgen und
kann in Form von Radfahren, Schwimmen oder Walking oder Ergometertraining
durchgeführt werden. Wichtig ist nur, dass das Training regelmäßig
(mindestens 2- bis 3-mal pro Woche) und für eine Dauer von mindestens 30
Minuten erfolgt. Muskelkräftigende Übungen (z. B. mit dem TheraBand)
können den Erfolg des Ausdauertrainings gut unterstützen.
Ebenso wichtig ist es auch andere Begleiterkrankungen der Herzschwäche zu
erkennen und zu behandeln. Diabetes sollte so gut wie möglich eingestellt
werden. Der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c sollte unter 6,5 % liegen.
Übergewicht sollte durch Diät und/oder körperliche Aktivität abgebaut
werden, weil sich dadurch ebenfalls die diastolische Herzschwäche bessern
kann. Beim Auftreten von Vorhofflimmern sollte versucht werden, den
normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Gelingt das
nicht, sollte eine hohe Herzfrequenz medikamentös gesenkt werden (z. B.
Digitalis, Betablocker, Verapamil).

Wie entgeht man dem Hochdruckherz?
Bluthochdruck ist nicht nur mit Blick auf die (chronische) diastolische
Herzschwäche bedenklich. In hohem Lebensalter und bei einem
vorgeschädigten Herzen kann Bluthochdruck außerdem eine lebensgefährliche
akute Herzschwäche auslösen und verstärken. „Vor einer Herzschwäche
schützen sich Hochdruckpatienten am besten, indem sie ihren Blutdruck
idealerweise auf maximal 130/80 mmHg senken, bei Patienten über 80 Jahre
wird unter 150/90 mmHg toleriert“, rät Schunkert. „Die konsequente Senkung
erhöhter Blutdruckwerte durch einen gesunden Lebensstil, allen voran
Ausdauerbewegung, Abbau von Übergewicht und durch konsequente Einnahme der
blutdrucksenden Medikamente ist eine besonders wirksame Vorbeugung der
chronischen Herzschwäche.“

Vermeidbares Leid: Gesunder Lebensstil halbiert Risiko für Herzschwäche
Studien belegen, dass unser heutiger Lebensstil die Hauptursache der
koronaren Herzkrankheit, der Grunderkrankung des Herzinfarkts, und
zugleich maßgeblich für die Entstehung von Bluthochdruck verantwortlich
ist. Eine Beobachtungsstudie an mehr als 20.000 amerikanischen Ärzten
(Djoussé et al., JAMA 2009) ergab, dass diejenigen Teilnehmer, die gesund
lebten (u.a. Körpergewicht unter 25 Body Mass Index (BMI), Rauchverzicht,
regelmäßige Ausdaueraktivität an fünf Tagen pro Woche, moderater
Alkoholkonsum) ihr Risiko für eine Herzschwäche halbierten. Auch ein hohes
genetisches Risiko für Herzinfarkt und Herztod lässt sich durch einen
gesunden Lebensstil deutlich vermindern (Khera A., et al NEJM 2016).
Deshalb sollte jeder im Alter zwischen 40 und 50, bei familiärer
Vorbelastung noch früher, regelmäßig Blutdruck, Cholesterinwerte und
Blutzucker untersuchen lassen, um die Risikofaktoren für Herzerkrankungen
(Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes) früh zu entdecken.
Werden diese rechtzeitig behandelt, schützt man sich vor Herzinfarkt,
Schlaganfall und Herzschwäche.

Das Experten-Video „Ist eine Herzschwäche vermeidbar?“ mit Prof. Dr.
Heribert Schunkert erreichen Sie unter: https://youtu.be/fg9_cxVn14s

Die gesamte Herzwochen-Pressemappe (2020) finden Sie unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen2020-pressemappe

Tipp: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180 S.) kann kostenfrei per Tel.
unter 069 955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert
werden. Leicht verständlich informieren Herzexperten über Ursachen,
Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der
Herzschwäche. Weitere Infos unter www.herzstiftung.de/herzwochen2020 und
www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

Kostenfreies Bildmaterial erhalten Sie bei der Pressestelle unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder im Pressebereich unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020-pressemappe

Machen Sie den Risiko-Test
Mit dem Herzinfarkt-Risikotest möchte die Herzstiftung helfen
abzuschätzen, ob aufgrund von Risikofaktoren eine Herzinfarkt-Gefährdung
vorliegt. Zum Risikotest unter www.herzstiftung.de/risiko