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Deutscher Lebertag: Ausrichter fordern Aufnahme von Leberwerten in Gesundheitsuntersuchungen

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Lebererkrankungen sind häufig, doch es gibt relativ wenige Frühdiagnosen.
Experten fordern schon seit einigen Jahren die Etablierung strukturierter
Früherkennungsprogramme für infektiöse und nicht-infektiöse
Lebererkrankungen. Die Ausrichter des 21. Deutschen Lebertages am 20.
November 2020 – Gastro-Liga e. V., Deutsche Leberhilfe e. V. und Deutsche
Leberstiftung – betonen mit dem Motto: „Check-up für die Leber“ die
Notwendigkeit, bei Gesundheitsuntersuchungen (früher bekannt unter dem
Begriff „Check-up 35“) auch die Leber-Blutwerte zu erheben und das
Screening auf Hepatitis B und auf Hepatitis C zu integrieren.

Im Vorfeld des Lebertages kündigen die Ausrichter außerdem zwei
kostenfreie Telefonaktionen an, bei denen Leber-Experten die individuellen
Anrufer-Fragen zu Leber und Lebererkrankungen beantworten werden.

„Vorbeugen ist besser als heilen“ lautet ein Sprichwort des Arztes
Christoph Wilhelm Hufeland (1762 – 1836). Bereits damals betonte Hufeland
die besondere Bedeutung der Prävention als Baustein in der Medizin. Sein
Sprichwort ist noch immer aktuell – speziell bei Lebererkrankungen – und
unter Berücksichtigung der heutigen diagnostischen Möglichkeiten könnte
das Sprichwort auch abgewandelt werden in: „Früherkennung ermöglicht
besseres Heilen“.

Weltweit stellen Lebererkrankungen eines der größten Gesundheitsprobleme
dar und gehören zu den häufigsten Todesursachen. Allein in Deutschland
gibt es schätzungsweise mindestens fünf Millionen Leberkranke. Die
Ursachen für Lebererkrankungen sind vielfältig: Häufigste Ursache für eine
Leberentzündung ist die Fettleber durch Übergewicht, Diabetes mellitus
oder Alkohol, gefolgt von Virusinfektionen. Die Virushepatitis ist eine
durch Viren verursachte akute Leberentzündung. Abhängig vom Virustyp
unterscheidet man derzeit Hepatitis A, B, C, D und E. Aktuelle Daten (Juli
2019) des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass in Deutschland die
Anzahl der gemeldeten Infektionen zu allen fünf Virustypen in den
vergangenen Jahren angestiegen sind.

Alle Lebererkrankungen haben eine tückische Gemeinsamkeit: Die Leber ist –
im Gegensatz zu anderen Organen – nahezu schmerzunempfindlich. Häufig
verlaufen Lebererkrankungen über einen langen Zeitraum symptomarm und
werden erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium entdeckt, wenn
zum Beispiel bereits eine Zirrhose vorliegt, die im weiteren Verlauf auch
Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) verursachen kann.

Mit dem Motto ‘Check-up für die Leber‘ unterstützen die Ausrichter des 21.
Deutschen Lebertages die langjährige Forderung, in Deutschland Screening-
Programme zu etablieren, die auf die Früherkennung von Lebererkrankungen
abzielen. Dazu gehört die Forderung, anlässlich der
Gesundheitsuntersuchung für Erwachsene die Überprüfung der Blut-Leberwerte
(beispielsweise GPT oder auch ALT genannt) vorzunehmen. Wenn der GPT-Wert
erhöht ist, kann das auf verschiedene Lebererkrankungen hinweisen. „Die
Gesundheitsuntersuchungen können von gesetzlich Versicherten ab dem
vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre in Anspruch genommen werden,
enthalten aber aktuell nicht den GPT-Test“, erklärt Professor Dr. Michael
P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, und ergänzt:
„Jeder erhöhte Leberwert muss dann hinsichtlich seiner Ursache abgeklärt
werden. Damit könnten viele Lebererkrankungen erkannt werden. Nur eine
frühzeitige Diagnose und anschließende Behandlung nach aktuellen Standards
optimiert die Behandlungschancen. Ein Beispiel erfolgreicher Behandlung
von Lebererkrankungen sind die Therapieerfolge bei Hepatitis C. So ist es
bereits zu einem starken Rückgang von Lebertransplantationen bei
Hepatitis-C-bedingten Erkrankungen gekommen. Spender-Organe, die geheilte
Hepatitis-C-Patienten nicht mehr benötigen, können jetzt Patienten mit
schweren anderen Lebererkrankungen zur Verfügung stehen.“

Ein erster Erfolg für die Bemühungen, die Leber bei der
Gesundheitsuntersuchung zu berücksichtigen, ist die diskutierte Aufnahme
der Screenings auf Hepatitis B und Hepatitis C, die sich aktuell im
Beratungsverfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem höchsten
Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen
Gesundheitswesen, befinden. Hier geht es um die Tests auf HBs-Antigen und
Anti-HCV, um festzustellen, ob eine Hepatitis B- oder
Hepatitis-C-Virusinfektion vorliegt. Experten bewerten die Chancen
positiv, dass die Labortests auf Hepatitis B und Hepatitis C zeitnah in
die Gesundheitsuntersuchung als Präventionsleistung aufgenommen werden.
Dies wird als wichtige Voraussetzung gesehen, das im Jahr 2016 von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebene Ziel zu erreichen, Hepatitis
B und Hepatitis C bis 2030 weltweit zu eliminieren. Auch die deutsche
Bundesregierung hat sich 2016 zu einer strategischen Neuausrichtung
verpflichtet und beschloss die Strategie „BIS 2030“ – zur „Eindämmung von
HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen“.

Theoretisch könnte das angestrebte Ziel einer Eliminierung von Hepatitis B
und Hepatitis C erreicht werden – vorausgesetzt, die Erkrankten werden
beim Screening identifiziert: Als Therapie gegen eine chronische Hepatitis
B können wirksame Medikamente verordnet werden, mit denen bei fast jedem
Patienten eine Viruskontrolle erreicht werden kann. Eine Impfung, die von
der WHO seit 1992 empfohlen wird, schützt vor Hepatitis B – und
gleichzeitig auch vor Hepatitis D (delta), da diese Erkrankung nur mit
einer Hepatitis B gemeinsam vorkommen kann. Eine Impfung gegen das
Hepatitis-C-Virus existiert zwar nicht, aber seit 2014 sind in Deutschland
zahlreiche Medikamente zur Behandlung der chronischen Hepatitis C
zugelassen, die direkt in den Vermehrungszyklus des Virus eingreifen
(sogenannte DAAs – Direct Acting Antiviral Agents). Mit diesen
Medikamenten kann die chronische Hepatitis C bei fast allen Patienten in
kurzer Zeit und nahezu nebenwirkungsfrei geheilt werden. Frühere
Hepatitis-C-Therapien mit Interferonen hatten mehr Nebenwirkungen und
führten im Erfolgsfall zwar auch zur Heilung, erreichten dieses Ziel aber
deutlich seltener.

Auch für die frühzeitige Entdeckung der Volkskrankheit nicht-alkoholische
Fettlebererkrankung (Non-Alcoholic Fatty Liver Disease, NAFLD), der
häufigsten Lebererkrankung in westlichen Ländern, fordern viele Mediziner
ein Screening als Bestandteil der Gesundheitsuntersuchung. Die Leber hat
enorme Regenerations-fähigkeiten: Beispielsweise ist eine Fettleber in der
Lage, sich vollständig zu erholen, wenn die Diagnose frühzeitig erfolgt,
damit die Entstehungsursachen rechtzeitig ausgeschaltet werden können.
Dann können auch eine Fettleberentzündung und eventuelle Spätfolgen wie
Leberzirrhose und Leberzellkrebs vermieden werden.

Details zu den Lebertag-Telefonaktionen

Bei den großen Telefonaktionen im Rahmen des Deutschen Lebertages
beantworten drei erfahrene Ärzte alle Anrufer-Fragen rund um die Themen
Leber, Lebergesundheit und Lebererkrankungen.

Am Mittwoch, 4. November 2020, und am Mittwoch, 18. November 2020, sind
die Leber-Spezialisten jeweils von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr unter der
kostenfreien Telefonnummer 0800 666 39 22 für jeden Interessierten und
Betroffenen erreichbar.

Mit diesem Angebot möchten die Ausrichter des 20. Deutschen Lebertages
dazu beitragen, dass das lebenswichtige Organ und seine Erkrankungen mehr
öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Sie weisen gleichzeitig darauf hin,
dass die Beratungsgespräche am Telefon keinen persönlichen Arztbesuch und
keine individuelle Diagnose ersetzen.

Diese Leber-Experten stehen als Ansprechpartner bei der ersten Lebertag-
Telefonaktion am 4. November 2020 von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr bereit:

Dr. med. Julia Benckert, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Priv. Doz. Dr. med. Anton Gillessen, Herz-Jesu-Krankenhaus Münster
Prof. (apl.) Dr. med. Uta Merle, Universitätsklinikum Heidelberg

Diese Leber-Experten stehen als Ansprechpartner bei der zweiten Lebertag-
Telefonaktion am 18. November 2020 von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr bereit:

Dr. med. Michael Nagel, Johannes-Gutenberg-Universitätsmedizin Mainz
Prof. Dr. med. Elke Roeb, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Prof. Dr. med. Siegbert Rossol M.Sc., Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am
Main

Mehr Infos zum 21. Deutschen Lebertag unter: http://www.lebertag.org

Alle Institutionen, die im Rahmen des Deutschen Lebertages mit einer
lokalen Veranstaltung aufklären und informieren möchten, werden von den
Ausrichtern bei der Pressearbeit und mit Veranstaltungsmaterialien
unterstützt. Informationen, Anmeldungen und Downloads unter
http://www.lebertag.org

Die Ausrichter des 21. Deutschen Lebertages am 20. November 2020:
Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten
von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des
Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Tel 0641 – 97 48 10
<geschaeftsstelle@gastro-liga.de>
https://www.gastro-liga.de

Deutsche Leberhilfe e. V.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Vorstandsvorsitzender
Krieler Straße 100, 50935 Köln
Tel 0221 – 28 29 980
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>
https://www.leberhilfe.org

Deutsche Leberstiftung
Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel 0511 – 532 6815
<presse@deutsche-leberstiftung.de>
https://www.deutsche-leberstiftung.de