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Diabetischer Fuß: etwa jede zweite Amputation unnötig

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Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist nach wie vor eine der häufigsten
Folge- und Begleiterkrankungen bei Diabetes Typ 1 und Typ 2. Hierzulande
werden jährlich bis zu 50.000 Amputationen aufgrund eines DFS
durchgeführt. Durch flächendeckende, gezielte Maßnahmen könnte diese Zahl
deutlich reduziert werden, konstatiert die Arbeitsgemeinschaft
„Diabetischer Fuß“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Auf der 14. Diabetes Herbsttagung erörtern Experten der AG, welche
Maßnahmen eine Fußläsion vorbeugen, wie Betroffene vom DDG
Zertifizierungsverfahren profitieren und wie sie ihren neuen
Rechtsanspruch auf unabhängige ärztliche Zweitmeinung durchsetzen können.
Zudem stellen sie neueste Verfahren zur Wundheilung mittels Stammzell-
Transplantation sowie die Wiederherstellung der Durchblutung durch neueste
Katheter vor. Die Tagung findet vom 6. bis 8. November statt.
Auf einer Online-Pressekonferenz zum Kongress am 4. November wird darüber
hinaus die neue Nationale Versorgungs-Leitlinie zu Diabetes Typ 2
vorgestellt sowie über aktuelle Erkenntnisse zu Diabetes und Covid-19
gesprochen. Anmeldung unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

Muss ein Zeh, ein Teil des Fußes oder schließlich gar ein ganzes Bein
aufgrund eines diabetischen Fußsyndroms amputiert werden, stellt dies für
behandelnde Ärzte eine schwere Entscheidung mit unumkehrbaren Folgen für
die Mobilität und die Lebensqualität betroffener Patienten dar. „Geeignete
Präventionsmaßnahmen und interdisziplinäre ärztliche Zusammenarbeit kann
Betroffenen einen solchen Weg zu ersparen“, erklärt Dr. med. Michael
Eckhard, seit Juni 2020 Sprecher der AG „Diabetischer Fuß“ der DDG. „Dass
diesbezüglich noch viel zu tun ist, zeigen die Zahlen: Noch immer gehen
etwa zwei Drittel aller jährlichen Amputationen in Deutschland auf das
diabetische Fußsyndrom zurück – rund die Hälfte wäre vermeidbar.“

Nationale wie internationale Studienergebnisse zeigen, dass es beim DFS
auf eine frühzeitige Zuweisung des Patienten an eine spezialisierte
Behandlungseinrichtung ankommt. „In zertifizierten Zentren liegt die Rate
der Major-Amputationen nur bei etwa drei Prozent, während sie in der
Regelversorgung dagegen noch bei über zehn Prozent liegt“, betont Eckhard.
Er fordert daher: „Alle Menschen mit DFS müssen an ein multidisziplinäres
Fußbehandlungsteam verwiesen werden – und zwar ohne Verzögerung.“ Wie die
Entstehung eine Fußulkus verhindert werden kann ist auch Gegenstand
derzeitiger Pilotstudien unter der Ägide der AG.

Seit 15 Jahren setzt sich die AG im Rahmen eines strukturierten
Zertifizierungsverfahrens von Behandlungseinrichtungen für den Erhalt
amputationsbedrohter Extremitäten bei Menschen mit Diabetes mellitus ein.
Diese Arbeit hat bereits Früchte getragen: So hat der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) dieses Jahr beschlossen, dass gesetzlich
krankenversicherte Patientinnen und Patienten mit einem DFS vor einer
geplanten Amputation einen Rechtsanspruch auf Einholung einer unabhängigen
ärztlichen Zweitmeinung haben. „Dies soll Betroffene unterstützen, eine
informierte Entscheidung zur möglichen Auswahl zwischen invasiven oder
konservativen Behandlungsmöglichkeiten zu treffen und damit gegebenenfalls
eine medizinisch nicht gebotene Amputation zu vermeiden“, erläutert
Eckhard. Hierfür ist die AG derzeit an einem Stellungnahmeverfahren zu
einer vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
(IQWiG) erstellten Entscheidungshilfe für Amputationen beim DFS beteiligt.

„Darüber hinaus haben wir ein im klinischen Alltag einsetzbares Tool auf
telemedizinischer Basis entwickelt, welches eine zeitlich und örtlich
unabhängige qualifizierte Zweitmeinung ermöglicht“, führt Tagungspräsident
Professor Dr. med. Ralf Lobmann aus, der dieses Projekt federführend
begleitet. Es soll dazu beitragen, dem Patienten eine zeitgerechte
Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, ohne die Versorgungseinrichtung
verlassen zu müssen. Denn: „Steht eine große, sogenannte Major-Amputation
an, ist die Situation immer dringlich und erfordert eine Entscheidung
binnen maximal 36 Stunden.“ Das sei unter derzeitigen Bedingungen kaum
realisierbar. Anknüpfend an diesem Modell entwickelt die DDG in
Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und
weiterer Kooperationspartner eine Plattform für ein telemedizinisches
Fußkonsil. Kürzlich ist auch der Fuß-Pass der DDG erschienen: Er soll
durch gezielte Patientenaufklärung das Zweitmeinungsverfahren bekannt
machen und zur Senkung der hohen Amputationsrate beitragen.

Im Rahmen der Herbsttagung stellen die Experten alle derzeit laufenden
Projekte der AG vor. Zudem beschäftigen sich zwei Symposien und mehrere
Workshops mit dem DFS: „Unter anderem wird es darum gehen, wie eine
stagnierende Wundheilung mittels Transplantation von Stammzellen, welche
aus Fettgewebe des Patienten selbst gewonnen wurden, in Gang gebracht und
damit Amputationen vermieden werden können“, erläutert Professor Lobmann.
Ein weiteres Thema widmet sich der Wiederherstellung der Durchblutung in
Bein und Fuß betroffener Patienten. Ohne eine ausreichende Durchblutung
sind meist alle weiteren Maßnahmen zur Wundheilung und zum Erhalt der
Extremitäten vergeblich. „Im Fokus steht, wie diese gerade unterhalb des
Knies mit neuesten Kathetern und Instrumenten gelingen kann“, so der
Tagungspräsident.
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Terminhinweise:

14. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
„Diabetes – besser unkompliziert“
Termin: ab 6. November 2020

Online-Pressekonferenz zur
14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Termin: Mittwoch, 4. November 2020, 11.00 bis 12.00 Uhr
Online unter:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5345795157631401228

Themen und Referenten:

Diabetes Herbsttagung digital: warum und für wen sich das neue Format
besonders lohnt
Professor Dr. med. Ralf Lobmann
Tagungspräsident Diabetes Herbsttagung 2020; Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß in der DDG und Ärztlicher Direktor
der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum
Stuttgart – Krankenhaus Bad Cannstatt

Diabetes und COVID-19
Professor Dr. med. Baptist Gallwitz
Pressesprecher der DDG, Kommissarischer Direktor, Medizinische Klinik IV,
Universitätsklinikum Tübingen

Neue Nationale VersorgungsLeitlinie zu Typ-2-Diabetes
Professor Dr. med. Jens Aberle
Ärztlicher Leiter im Ambulanzzentrum und Fachbereich Endokrinologie,
Diabetologie, Adipositas und Lipide, III. Medizinischen Klinik und
Poliklinik am UKE – Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Diabetes-Schulungen im digitalen Zeitalter
Dr. rer. medic. Nicola Haller
Vorsitzende des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in
Deutschland e.V. (VDBD)

Werbeverbot, Lebensmittelkennzeichnung & Co.: welche Maßnahmen es zur
Prävention von Adipositas und Typ-2-Diabetes noch braucht
Professor Dr. med. Diana Rubin
Chefärztin und Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin am Vivantes
Klinikum Spandau und Humboldt-Klinikum Berlin
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Live-Symposium: Diabetisches Fußsyndrom and beyond
Termin: 7. November 2020, 16.15 bis 18.00 Uhr, Raum 1

Symposium: Der diabetische Fuß /DFS spezial
Termin: 6. November 2020 15.45 bis 17.20, Raum 2