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Herzinfarkt-Forschung: Kann Intervallfasten das Herz reparieren?

Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding (v. l. n. r.).  Dr. Jens Thol  Dr. Jens Thol/Universitätsmedizin Halle (Saale)
Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding (v. l. n. r.). Dr. Jens Thol Dr. Jens Thol/Universitätsmedizin Halle (Saale)
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Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding (v. l. n. r.).  Dr. Jens Thol  Dr. Jens Thol/Universitätsmedizin Halle (Saale)
Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding (v. l. n. r.) Dr. Jens Thol/Universitätsmedizin Halle (Saale)
Studie untersucht, ob Intervallfasten eine Herzinsuffizienz nach einem
Herzinfarkt verhindern kann. Herzstiftung fördert Untersuchung am
Universitätsklinikum Halle/Saale.

Es ist Fastenzeit und Intervallfasten liegt nach wie vor im Trend.
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass diese Form des Fastens diverse
positive Eigenschaften für die Gesundheit mit sich bringt. So kann
Intervallfasten nicht allein beim Abnehmen helfen, sondern es beeinflusst
auch Herz-Risikokrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhtes
Cholesterin günstig. Somit kann Intervallfasten bei Herzinfarktpatienten
dazu beitragen, das Risiko für einen weiteren Infarkt zu reduzieren. In
Deutschland werden pro Jahr über 212.000 Herzinfarkte vollstationär
versorgt (Deutscher Herzbericht 2020). Wissenschaftler der
Universitätsklinik für Kardiologie in Halle an der Saale schauen nun aber
noch einen Schritt weiter: In ihrer Studie „Intervallfasten nach
Myokardinfarkt“ (INTERFAST-MI) gehen Zoe Kefalianakis, Dr. med. Jochen
Dutzmann und Prof. Dr. med. Daniel Sedding mit ihrem Team der Frage nach,
ob das Intervallfasten auch die Regeneration des Herzens nach einem
Herzinfarkt unterstützen kann, um so eine Herzschwäche (chronische
Herzinsuffizienz) zu vermeiden. Die Deutsche Herzstiftung fördert dieses
Forschungsprojekt mit rund 68.000 Euro. Ein aktuelles Forschungs-Video der
Herzstiftung stellt das Projekt vor:
https://www.youtube.com/watch?v=51jPSd43oNI

„Intervallfasten löst Veränderungen im Zellstoffwechsel aus, die wiederum
viele Gemeinsamkeiten mit genau den Zellprogrammen zeigen, die eine
Heilung des Herzmuskels und eine Wiederherstellung der Durchblutung und
der Pumpfunktion des Herzens begünstigen“, betont Prof. Dr. Daniel
Sedding, Direktor der Uniklinik für Kardiologie in Halle (Saale). Sedding
leitet die Studie gemeinsam mit Dr. Dutzmann, der hinzufügt, dass man mit
der INTERFAST-MI-Studie zur Klärung beitrage, inwiefern sich
Intervallfasten zur Vorbeugung von erneuten Herzinfarkten und einer
Herzschwäche „als ein neuer nebenwirkungsarmer Therapiebestandteil
etablieren“ lässt.

Was bewirkt Intervallfasten im Körper?
Fastenperioden setzen ein Regenerationsprogramm in Gang, das den
Energiehaushalt im Körper optimiert und Schutzmechanismen der Körperzellen
aktiviert. Dieser Vorgang, versetzt Körperzellen in eine Art Winterschlaf
(Hibernation) und verbessert so die Immunabwehr und die
Heilungsmechanismen. Darüber hinaus startet er in den Zellen eine Art
Entrümpelungsprogramm (Autophagie) und verändert deren Stoffwechsel. Die
Zellen konzentrieren sich daraufhin auf einen effektiveren „Super-
Kraftstoff“ für Gehirn und Muskeln, die sogenannten Ketonkörper. „Wir
wollen mit unseren Untersuchungen klären, ob diese Prozesse während des
Intervallfastens dazu beitragen können, Herzinfarktpatienten vor einer
Herzinsuffizienz zu bewahren“, erläutert Dr. Dutzmann.

Wie könnte Intervallfasten eine chronische Herzschwäche verhindern?
Bei einem Herzinfarkt wird ein Teil des Herzmuskels aufgrund einer
verstopften Herzkranzarterie (Thrombus/Blutpfropf) von der
Sauerstoffversorgung getrennt. Dieser Teil des Herzens verfällt nach dem
Infarkt entweder in einen Winterschlaf (Hibernation) oder stirbt gar ab
und vernarbt. In der Folge verliert das Herz allmählich an Leistung und es
kann zu einer chronischen Herzinsuffizienz kommen. Bei der Behandlung von
Herzinfarktpatienten kommt es also auch darauf an, die Pumpfunktion des
Herzmuskels soweit wie möglich wiederherzustellen, um der drohenden
Herzinsuffizienz vorzubeugen. Hier könnte das Intervallfasten und das
durch die Fastenperioden ausgelöste „Hunger-Notfallprogramm“ ins Spiel
kommen, das Zellprogramme in Gang setzt, die eine Heilung des Herzmuskels
und eine Wiederherstellung von Durchblutung und Pumpfunktion begünstigen.

Studie zum Intervallfasten: So geht das Forschungsteam vor
In der INTERFAST-MI-Studie werden Patientinnen und Patienten nach einem
schweren Herzinfarkt anhand von Zufallskriterien auf zwei Gruppen
aufgeteilt. Während die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer der
ersten Gruppe nach der Methode 16:8 Intervall fasten (16 Stunden am Stück
fasten, 8 Stunden nach Belieben essen), ernähren sich diejenigen der
zweiten Gruppe weiter wie bisher. Die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler begleiten beide Gruppen eng, untersuchen die Herzfunktion
jeweils nach einem, drei und sechs Monaten und vergleichen die Ergebnisse
miteinander. Ziel ist es festzustellen, ob das Intervallfasten einen
nicht-medikamentösen, nebenwirkungsarmen Ansatz zur Heilung des
Herzmuskels nach einem Infarkt darstellen könnte. In weiteren Schritten
soll auch erforscht werden, wie sich das Intervallfasten auf weitere
Folgen des Herzinfarkts auswirkt, wie die Anzahl der nötigen
Krankenhauseinweisungen, das Entstehen von Folgeerkrankungen oder das
Auftreten eines neuen Infarkts.

Ein Video-Clip „Kann Intervallfasten das Herz reparieren?“ mit dem
Forscherteam der
Universitätsklinik für Kardiologie Halle (Saale) ist abrufbar unter:
www.youtube.com/watch?v=51jPSd43oNI

Weitere Infos zur INTERFAST-MI-Studie unter www.herzstiftung.de
/intervallfasten-herzinfarkt

Fasten ist nicht gleich Fasten
Hinweis der Herzstiftung zum Fasten
Auch wenn Fasten im Trend liegt, sollte es gut überlegt sein und
vorbereitet werden, sagt der Münchener Ernährungsexperte und
Ernährungsmediziner und Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für
Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. Vor allem
Herzpatientinnen und -patienten sollten keine Alleingänge planen, sondern
jede Fastenmethode vorab mit einer Herz-Spezialistin oder Herz-
Spezialisten besprechen. Was der Ernährungsspezialist der Herzstiftung zu
den unterschiedlichen Fastenarten wie Intervall-/Intermittierendes Fasten
sowie Heil-, Basen-, Null- bzw. Wasserfasten (Nulldiät) sagt, erfahren
Interessierte unter www.herzstiftung.de/fasten