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Wenn nicht jetzt, wann dann? Im Kampf gegen Diabetes fordert Fachgesellschaft mehr Prävention

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Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rechnet bis zum Jahr 2040 mit
etwa zwölf Millionen Betroffenen mit einem Diabetes. Um die steigende
Anzahl von Betroffenen auch in Zukunft versorgen zu können, fordern
Expertinnen und Experten ein umfangreiches Maßnahmenbündel, das von der
Politik schon heute auf den Weg gebracht werden müsse. Ein wichtiger Punkt
im Kampf gegen Diabetes: Prävention. Der angekündigten Zäsur à la „Mehr
Fortschritt wagen“ müssen nun auch Taten folgen. Wie sich die Vision der
Ampelregierung für Deutschland auch für die Diabetologie umsetzen lässt,
diskutierten Expertinnen und Experten auf der heutigen diskutierten
Experten auf der heutigen Jahrespressekonferenz der DDG.

Etwa 8,5 Millionen Menschen leben hierzulande derzeit mit einem Diabetes
mellitus. 95 Prozent der Betroffenen haben einen Typ-2-Diabetes. Die
Expertinnen und Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
prognostizieren für die kommenden Jahre einen weiteren deutlichen Anstieg
der Erkrankungszahlen. „Was uns bevorsteht, ist ein Tsunami an
nichtübertragbaren Krankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und
eben auch Diabetes“, sagt Professor Dr. med. Andreas Neu, Präsident der
DDG, Kommissarischer Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuropädiatrie,
Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie an der Kinderklinik des
Universitätsklinikums Tübingen. „Wir brauchen politischen Handlungswillen
und einen konkreten und verbindlichen Rahmen, um das Gesundheitswesen in
Zukunft nicht zu überlasten. Nur ein Maßnahmenbündel aus Prävention,
Früherkennung, Versorgung und Erforschung der Volkskrankheit kann die
weitere Entwicklung der Diabetesepidemie eindämmen.“

Laut der Experten habe die neue Bundesregierung die Dringlichkeit erkannt.
„Es ist sehr zu begrüßen, dass die Parteien ein Werbeverbot für ungesunde
Lebensmittel, die sich an Kinder richten, im Koalitionsvertrag verankert
haben“, so Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG und Sprecherin der
Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK). Wie so oft käme es
jedoch auch auf die Details an: „Die Politik sollte sich nicht auf
Teilverbote verlassen oder gar auf wirkungslose freiwillige
Selbstverpflichtungen setzen, die Hintertüren für ungesunde
Werbebotschaften offen lassen. Wir brauchen umfassende Regelungen auf
allen Kanälen.“

Fast 100 Tage nach dem Amtsantritt und den Absichtsbekundungen im
Koalitionsvertrag sei auf dem politischen Parkett in Hinblick auf die
Prävention von chronischen Krankheiten nichts passiert. „Wir warten nach
wie vor auf Konkretisierung der geplanten Ernährungsstrategie, die
Präzisierung der Ausgestaltung eines Kinderwerbeverbots und auf Impulse in
der Diskussion um eine Softdrinksteuer“, kritisiert Bitzer. Der
inflationäre Preisanstieg bei Lebensmitteln betrifft gesunde Lebensmittel
wie Obst und Gemüse überproportional stark. Eine ausgewogene, gesunde
Ernährung dürfe keine Frage des Einkommens sein. Die Expertin sieht die
Politik in der Pflicht, umfassende Maßnahmenbündel zu verabschieden, die
auch fiskalische Instrumente berücksichtigen. Allen voran sollten Obst und
Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit und im Gegenzug die Hersteller
überzuckerter Getränke in die Pflicht genommen werden. „Nutzen Sie diese
einmalige Chance! Setzen Sie jetzt die entscheidenden
gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen um, denn der gesundheitliche Schutz der
Bevölkerung wiegt mehr als die wirtschaftlichen Interessen der
Lebensmittelindustrie“, appelliert Bitzer an Politikerinnen und Politiker.