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Herzchirurgischer Notfall Aortendissektion: Frankfurter Forscher für bessere Früherkennung und Therapie gefördert

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Forscher des Universitätsklinikum Frankfurt erhalten für Studie zur
lebensbedrohlichen Aortendissektion Typ A rund 152.000 Euro von Deutscher
Herzstiftung und Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung

Eine akute Aortendissektion ist ein höchst gefürchteter Notfall, der
häufig tödlich endet und in den allermeisten Fällen unmittelbar operativ
versorgt werden muss. Bei der Aortendissektion reißt die innerste
Wandschicht (Intima) der Hauptschlagader (Aorta) ein und Blut gelangt
zwischen die darunter liegenden Wandschichten und bildet einen neuen mit
Blut gefüllten Gefäßinnenraum. Dieser kann von der Aorta abgehende Gefäße
zum Kopf oder die Herzkranzgefäße abdrücken und je nach Lage der
Dissektion die Blutversorgung innerer Organe verhindern oder zu Lähmungen,
Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod führen. Auch wenn er sofort chirurgisch
behandelt wird, sind bei diesem lebensbedrohlichen Notfall die
Komplikationsrate und die Sterblichkeit gegenüber planbaren Eingriffen
deutlich erhöht. Wird die akute Aortendissektion Typ A etwa nicht sofort
operiert, versterben statistisch gesehen innerhalb der ersten 48 Stunden
mit jeder Stunde, die diese akute Aortenkomplikation unbehandelt bleibt,
ein bis zwei Prozent der Patienten. Zwar gibt es bei Patienten mit akuter
Typ-A-Aortendissektion konkrete Risikofaktoren wie eine Erweiterung im
aufsteigenden Teil der Aorta (Aorta ascendens) sowie Alter, unbehandelter
Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare
Herzkrankheit (KHK), die in der Prävention eine Rolle spielen. „Allerdings
benötigen wir dringend weitere eindeutigere Kriterien auf Basis von
Patientendaten vor und nach einer Typ-A-Aortendissektion, um
Risikopatienten noch vor einem notfallartigen Verlauf ihrer Erkrankung
identifizieren und vor schwerwiegenden Komplikationen schützen zu können“,
betont Prof. Dr. med. Thomas Walther, Direktor der Klinik für Herz- und
Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Innovative Forschung für neue präventive Strategien
Um mit Hilfe gezielter Forschungsarbeit ebensolche Kriterien für eine
zuverlässigere Vorhersage einer Typ-A-Aortendissektion aufzustellen,
stellt die Deutsche Herzstiftung Prof. Walther und seinem Forscher-Team
umfangreiche Fördermittel in Höhe von rund 152.000 Euro für die Dauer von
zwei Jahren zur Verfügung. Die Finanzierung des Forschungsvorhabens* wird
insbesondere auch mit der Unterstützung der Horst-Haas-und-Irene-Haas-
Scheuermann-Stiftung, Frankfurt am Main, ermöglicht. Die Stiftung stellt
mit 80.000 Euro einen beträchtlichen Teil der benötigten Mittel über die
Herzstiftung zur Verfügung. „Nur mit Hilfe neuer Forschungserkenntnisse
auf dem Gebiet der Typ-A-Aortendissektion können wir zu mehr
Patientensicherheit und einer besseren Überlebensprognose dieser
schwerstkranken Patienten beitragen. Die klinische Bedeutung des Vorhabens
für neue präventive Strategien ist sehr hoch“, wie der
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer betont. Deshalb habe sich die Herzstiftung gemeinsam mit der
Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung für die Förderung dieses
„auch international einzigartigen Vorhabens“ entschieden. „Wir freuen uns,
dass wir zusammen mit der Herzstiftung dieses einmalige Projekt, das viele
Leben retten wird, unterstützen können. Unsere Stifter wären sehr stolz
darauf gewesen, zu dieser Spitzenforschung einen finanziellen Beitrag zu
leisten“, hebt Josef Weyrich, Vorstandsvorsitzender der Horst-Haas-und-
Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung, hervor. Ein „enormer Schub“ für ihr
Forschungsvorhaben sei die Unterstützung der beiden Frankfurter
Stiftungen, erklärt Klinikdirektor Prof. Walther bei der Scheckübergabe
auf dem Campus des Universitätsklinikums: „Wir danken der Herzstiftung und
der Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung für diese umfangreiche
Forschungsförderung.“

Anatomische Auffälligkeiten der Aorta: Welche lassen Notfall vorhersagen?
Im Zuge des Alterns oder aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(Arteriosklerose, unbehandelter Bluthochdruck), der genetischen
Veranlagung oder durch Rauchen können sich Abschnitte an Arterien
krankhaft aufweiten. Auch angeborene Herzfehler wie das Marfan-, Loeys-
Dietz- und Ehlers-Danlos-Syndrom sowie die biskupide Aortenklappe zählen
zu den Risikofaktoren der Aortendissektion. Neben diesen bekannten
Faktoren nimmt die geförderte Studie am Universitätsklinikum Frankfurt
unter der Leitung von Prof. Walther anatomisch-geometrische Messparameter
wie Durchmesser, Länge, Wanddicke und Winkel der aufsteigenden Aorta zu
Aortenbasis und Aortenbogen in den Fokus ihrer Untersuchungen. Unter
anderem, weil sich dadurch Rückschlüsse auf Areale in der Aorta ascendens
mit ersten Rissen und somit auch das Risiko einer Aortendissektion Typ A
ergeben können. Auch andere Auffälligkeiten wie die Plaquebildung in der
Aorta sollen Gegenstand der Untersuchungen sein. „Wir gehen vor allen
Dingen der Frage nach, inwiefern der Durchmesser der Aorta ascendens an
verschiedenen Stellen bei Patientinnen und Patienten mit
Typ-A-Aortendissektion bereits vor dem chirurgischen Eingriff erhöht ist,
und sich dieser Befund als zuverlässiger Indikator einer Aortendissektion
mit all ihrem Gefahrenpotenzial für Komplikationen oder Tod eignet“,
erläutert der Herz- und Gefäßchirurg. Im Schnitt kommt die
Aortendissektion bei 4,6 bis 12 pro 100.000 Einwohnern pro Jahr vor.

Integration in weltweit einzigartiges GERAADA-Register
Projektleiter Prof. Walther und sein Team werten für ihre Studie
Computertomographie (CT)-Daten von Patienten bei der Diagnosestellung
einer Typ-A-Aortendissektion und, falls verfügbar, auch Daten früherer CTs
sowie Daten aus den Nachuntersuchungen, also nach dem chirurgischen
Eingriff, aus. Ein enormer Vorteil gerade für die rückwirkende
(retrospektive) Datenauswertung früher Patientenfälle ist, dass die
multizentrisch angelegte retro- und prospektive Studie von Walther und
seinem Team in das 2006 etablierte Deutsche Register für akute
Aortendissektion Typ A (GERAADA) integriert ist. An etablierte Strukturen
des Registers anzuknüpfen, erleichtert den Einschluss neuer Patienten.
Ziel von Prof. Walther ist es, bis zu 500 neue Patienten prospektiv für
die Studie in den kommenden 2 Jahren zu rekrutieren. „Dieses Register gilt
als eines der weltweit umfangreichsten Sammlungen von Patientenfällen mit
Typ-A-Aortendissektion. Eingeschlossen sind bereits über 3.300
Patientenfälle, darunter auch zahlreiche aus dem Universitätsklinikum
Frankfurt“, bestätigt Walther. 50 deutschsprachige Herzzentren nahmen
bisher an GERAADA teil. Eine Steuerungsgruppe aus den zehn größten
Herzzentren des GERAADA-Registers soll mit Walther und seinem Team am
Universitätsklinikum Frankfurt für die Studie kooperieren. Als
Studienzentrum fungiert das interdisziplinär ausgerichtete „Aortenzentrum“
am Universitätsklinikum Frankfurt. „Hier bündeln wir für die Erhebung und
Auswertung der Daten die notwendigen Kompetenzen aus der Herzchirurgie,
Radiologie und Gefäß- und Endovaskularchirurgie“, erklärt Walther.

*Projekttitel: „Analyse der verschiedenen Diameter, Angulationen und der
Wandbeschaffenheit der Aorta ascendens als Prädiktoren für das Auftreten
von und für das Outcome nach einer Typ-A Aortendissektion“

Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschung unter
www.herzstiftung.de/herzstiftung-und-forschung

Die Horst-Haas-und-Irene-Haas-Scheuermann-Stiftung fördert unter anderem
die Herzforschung und Stiftungen, die sich für benachteiligte und
behinderte Menschen einsetzen. Das Stifterehepaar – echte Frankfurter –
hat bestimmt, dass ihre Stiftung nur in erster Linie Frankfurter
Institutionen fördert.

Zur Hauptschlagader (Aorta)
Die Aorta hat die Aufgabe, das aus dem Herzen kommende sauerstoffreiche
Blut im Körper zu verteilen. So fließen etwa 200 Millionen Liter Blut im
Lauf eines Lebens aus dem Herzen in die Aorta und verteilen sich im
Körper, um Organe wie das Herz, das Gehirn, das Rückenmark, die Muskeln,
die Bauchorgane sowie Arme und Beine mit dem lebenswichtigen Sauerstoff zu
versorgen. Die Aorta entspringt direkt der linken Herzkammer und weist
beim gesunden Erwachsenen einen Durchmesser von etwa 2,5 bis 3,5 cm auf.
Sie hat die Form und den Verlauf eines Wanderstocks, der von rechts vorne
nach hinten links gedreht ist und nach unten entlang der Wirbelsäule
verläuft.