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Telemedizin-Projekt „DigitHAL“ der Unimedizin Halle will Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz verbesser

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Wenn das Herz nur noch einen Bruchteil seiner Leistung bringt und somit
den Körper nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgen kann,
diagnostizieren Kardiolog:innen eine Herzinsuffizienz. Die Folgen der
Herzschwäche sind Atemnot, kalte Gliedmaßen, Schwindelgefühl oder auch
Husten. Mit dem Projekt „DigitHAL“ der Universitätsmedizin Halle soll die
Versorgung herzinsuffizienter Patient:innen verbessert werden – und zwar
in ihrem eigenen häuslichen Umfeld mithilfe eines telemedizinischen
Angebots.

„In unserer Pilotstudie werden 50 Patient:innen mit einer diagnostizierten
Herzschwäche eingeschlossen. Sie haben die Möglichkeit täglich ihren
Gesundheitszustand in digitaler Form an unser Zentrum zu übermitteln“,
erklärt Kardiologe und Projektleiter Prof. Daniel Sedding, Direktor der
Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III der
Universitätsmedizin Halle. „Ziel unseres Projekts ist es, die
Herzgesundheit der Menschen in der Region zu stärken", so Sedding.

„Living Lab“ nennt sich der Ansatz, der von der Universitätsmedizin Halle,
genauer von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Bereichs
Versorgungsforschung und der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere
Medizin III mit dem Schwerpunkt Kardiologie, verfolgt wird. Das Projekt
baut auf verschiedenen Säulen auf: Geschaffen wird eine digitale
Infrastruktur, die von gängigen Tablets aus bedient werden kann. Außerdem
gibt es eine digitale Bibliothek mit Schulungsvideos, Schulungen durch
Pflegeexpert:innen im Bereich Herzinsuffizienz und Betreuung per Telefon
oder Videosprechstunde. Mit dem Projekt wird eine anwenderorientierte
Informations- und Kommunikationstechnologie-Plattform, kurz IKT, für die
digital-unterstützte, ambulante Betreuung chronisch herzinsuffizienter
Patient:innen in der Region Halle geschaffen. Die Software wird von der
Firma iMedCom unter Leitung von Dr. Hasan Bushnaq bereitgestellt.

Zunächst werde geprüft, welche Informationsangebote für Patient:innen
bezüglich Herzinsuffizienz bereits existieren. Mithilfe von Interviews,
zum Beispiel von Zuweiser:innen und Betroffenen werden Aussagen zu
Bedürfnissen und Ansprüchen erfasst. Zusätzlich werden zu drei
Messzeitpunkten Informationen zur Nutzerakzeptanz, Selbstpflege- sowie
Gesundheitskompetenz und Lebensqualität der Proband:innen erhoben. Zu
Beginn und Ende der sechsmonatigen klinischen Testphase erfolgt zusätzlich
eine ärztliche Untersuchung zur Erfassung der für die Erkrankung
relevanten klinischen Parameter.
Die Proband:innen erhalten ein Tablet zur eigenständigen Dokumentation,
die an das Studienteam übermittelt wird. „Liegen die Parameter außerhalb
des festgelegten Toleranzberei-ches, erfolgt eine Televisite der
Proband:innen, um das zugrundeliegende Gesundheitsproblem zu
identifizieren“, so Sedding weiter. In regelmäßigen Abständen erfolge
zudem eine tele-fonische Kontaktaufnahme mit den Proband:innen, um diesen
eine:n Ansprechpartner:in für krankheitsspezifische Probleme zu bieten.
Zusätzlich besteht via Tablet ein permanenter Zugriff auf die digitale
Bibliothek zur eigenständigen Nutzung der Informationen.

„Entscheidend ist, dass die Studienteilnehmenden, aber auch das
medizinische und beratende Personal nicht nur Anwender:innen sind, sondern
ihre Rückmeldungen zur Bedien- und Nutzerfreundlichkeit kontinuierlich
einbezogen werden“, ergänzt Versorgungsforscher und Co-Projektleiter Prof.
Dr. Patrick Jahn. Mithilfe dieses Ansatzes werden in jeder Studienphase
sowohl die Bedürfnisse, als auch das Feedback aller Nutzenden –
Patient:innen, Ärzt:innen und Pflegefachkräfte – evaluiert. Im Verlauf des
Projekts wird die Software basierend auf diesen Rückmeldungen für den
späteren Routineeinsatz optimiert.

Herzinsuffizienz kann prinzipiell jeden treffen, denn die Ursachen sind
vielfältig und reichen von Herzmuskelentzündungen aufgrund verschleppter
Virus-Infektionen wie der Grippe, über Bluthochdruck, Diabetes mellitus,
Alkohol- und Drogenmissbrauch und Herzinfarkt bis hin zum häufigsten
Grund, der koronaren Herzerkrankung, einer Verengung der Herzkranzgefäße.

Das Projekt wird im Rahmen des Bündnisses „Translationsregion für
digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG)“ unter Leitung der
Universitätsmedizin Halle mit rund 495.000 Euro vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Der Forschungsverbund möchte
mithilfe digitaler Unterstützung die Gesundheitsversorgung auch in
ländlichen Bereichen verbessern.

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Die Universitätsmedizin Halle ist ab jetzt mit einem eigenen Auftritt im
idw vertreten. Ab sofort erhalten Sie hierüber Informationen aus
Forschung, Lehre und Krankenversorgung der Medizinischen Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Universitätsklinikums
Halle.