Welt Hypertonie Tag 2022: #entdeckergesucht – fast jeder Dritte weiß nichts von seiner Bluthochdruckerkrankung!
Am 17. Mai 2022 ist Welt Hypertonie Tag. Dieser jährliche Aktionstag soll
die öffentliche Aufmerksamkeit auf Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
lenken, insbesondere auf die Entdeckung dieser Erkrankung, die viele
Folgekrankheiten nach sich ziehen kann. Wie dringend notwendig die
Information über Bluthochdruck ist, zeigt eine aktuell in „The Lancet“
publizierte Studie: In Deutschland beträgt die Dunkelziffer fast 30 %.
Daher startet die Deutsche Hochdruckliga zum Welt Hypertonie Tag ihre
Jahreskampagne #entdeckergesucht.
Entdecker gesucht? Für Bluthochdruck? Ja, denn viele Menschen wissen
nicht, dass sie unter Bluthochdruck leiden und damit langfristig ihre
Gesundheit und die Aussicht auf ein langes Leben aufs Spiel setzen. Daher
lohnt es sich, zum Entdecker zu werden. Um Bluthochdruck zu „entdecken“
und in der Folge gut einzustellen, hilft in der Regel nur eins: messen,
messen und noch mal messen!
Wie wichtig es ist, seinen Blutdruck im Blick zu behalten, zeigte eine in
„The Lancet“ [1] publizierte Studie. Sie analysiert die Entwicklung der
Krankheitslast (Prävalenz) und der Krankheitskontrolle (Anteil der
behandelten Patientinnen und Patienten) zwischen 1990 und 2019 anhand von
1.202 populationsbasierten Studien weltweit. Für Deutschland errechnete
sie, dass nur 71 % aller weiblichen und 72 % aller männlichen Betroffenen
um ihre Erkrankung wissen. Medikamente erhalten nur 64 % der Patientinnen
und 61 % der Patienten. Schaut man sich an, wie viele erfolgreich
behandelt sind und Blutdruckwerte im Zielbereich aufweisen, ist das in
dieser Erhebung nicht einmal die Hälfte der Betroffenen (48 % der Frauen,
43 % der Männer).
Wenig Symptome – viele gefährliche Folgen
„Das ist eine traurige Bilanz“, erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel,
Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Zumal das
Robert Koch-Institut 2015 noch die Bluthochdruckdunkelziffer mit 20 %
angegeben hatte [2]. Beide Datensätze sind schwer vergleichbar, die Zahlen
lassen aber die Interpretation zu, dass die ‚Awareness‘ für Bluthochdruck
tendenziell abnimmt. Womöglich wird die Corona-Pandemie diesen Trend noch
verstärken, da andere Gesundheitsprobleme im Fokus standen und viele
Menschen aus Angst vor Ansteckungen die Routineuntersuchungen bei der
Hausärztin/beim Hausarzt nicht mehr so engmaschig wahrgenommen haben.“
Dabei ist ein unbehandelter Bluthochdruck gefährlich, langfristig sogar
lebensgefährlich. Grob gesagt, gehen fast die Hälfte aller Schlaganfälle
und Herzinfarkte und fast ein Drittel aller Nierenkrankheiten auf sein
Konto. Auch Demenzerkrankungen, sogar Erblindungen, zählen zu den
Langzeitfolgen von dauerhaft erhöhten Blutdruckwerten. Eine Auswertung von
Gesundheitsdaten der WHO-Länder [3] zeigte, dass die Anzahl der Todesfälle
infolge von Herz- und Gefäßerkrankungen mit Bluthochdruck zusammenhängt:
je höher die Blutdruckwerte, desto mehr tödliche kardiovaskuläre
Ereignisse.
Das Fazit von Dr. med. Marcel Schorrlepp, Mainz, Sprecher der AG
Hausärztliche Internisten in der DGIM, lautet: „Bluthochdruck ist der
Ausgangspunkt für viele Folgeerkrankungen und legt den Grundstein für die
Multimorbidität der Betroffenen im höheren Alter. Bluthochdruck muss
behandelt werden. Je früher und konsequenter, desto besser.“
Aktuelle Kampagne animiert zum Blutdruckmessen
Doch in vielen Fällen wird die Diagnose Bluthochdruck gar nicht gestellt.
Meistens spüren Betroffene nichts von der Erkrankung. In einigen Fällen
führt Bluthochdruck zu Kopfschmerzen, innerer Unruhe oder auch mal
Schwindel, aber diese Krankheitszeichen werden, zumindest wenn sie nur
gelegentlich auftreten, oft als „Unpässlichkeit“ hingenommen und nicht mit
einer Bluthochdruckerkrankung in Zusammenhang gebracht. Aufschluss über
die Diagnose gibt am Ende nur die Blutdruckmessung. Wer die Diagnose
„verpasst“, ist nicht selten überrascht, wenn sie als vermeintlicher
Zufallsbefund nach einer Schlaganfall- oder Herzinfarktdiagnose gestellt
wird (siehe Patientengeschichte). Gelegentliches Messen gibt hingegen
frühzeitig Aufschluss. Ab Werten über 140/90 mm Hg wird es gefährlich –
dann spricht man von Hypertonie (Bluthochdruck) und eine Therapie sollte
eingeleitet werden. Optimal sind Blutdruckwerte unter 130/80 mm Hg. Bei
leicht erhöhten Werten kann man viel durch einen gesünderen Lebensstil
erreichen und die erhöhten Blutdruckwerte wieder „einfangen“: Gewicht
verlieren, sich gesund ernähren und ausreichend bewegen ist das
Patentrezept!
„Bluthochdruck früh zu erkennen und zu behandeln, rettet Leben, daher
startet die Deutsche Hochdruckliga ihre Jahreskampagne #entdeckergesucht
zum Welt Hypertonie Tag. Die zentrale Botschaft lautet ‚Blutdruckmessen
ist einfach!‘ und wir möchten die Menschen zur Blutdruckmessung animieren,
um die Dunkelziffer von Menschen mit Bluthochdruck zu senken“, so erklärt
Prof. Dr. med. Florian Limbourg, Hannover, Mitglied im Vorstand der
Deutschen Hochdruckliga und Initiator dieser öffentlichkeitswirksamen
Aktion, das Kampagnenziel. Die Kampagnenbotschaft wird durch drei
augenfällige und einprägsame Plakatmotive transportiert. Auf einem
begleitenden Faltblatt zur Kampagne finden sich auch eine Anleitung zur
Blutdruckmessung in fünf Schritten und eine Messtabelle, wo man die Werte
eintragen und den Wochendurchschnitt berechnen kann.
Social-Media-Mitmachaktion: #entdeckergesucht
Um diese Botschaft in die Bevölkerung zu tragen, ist eine Social-Media-
Kampagne und Mitmach-Aktion geplant: Gesucht werden mutige Menschen, die
ihre Blutdruckwerte messen – und auch andere dazu motivieren, als
„Entdecker“ ihren Blutdruck im Auge zu haben. Idee ist, dass jeder eine
Woche lang gemäß Anleitung seine Blutdruckwerte misst, in dem
Blutdruckpass auf dem Flyer (siehe Pressemappe) einträgt und am Ende
seinen Wochendurchschnittswert berechnet. Dann einfach Foto von sich mit
dem Faltblatt machen und mit dem Hashtag #entdeckergesucht posten. Allein,
zu zweit, mit der Familie oder dem Gartenzwerg. Die witzigsten
Einsendungen werden wir – wenn uns dafür das Einverständnis der
Protagonisten vorliegt – im nächsten „Druckpunkt“ veröffentlichen. Seien
Sie kreativ und überraschen Sie uns. Und falls Sie von Ihren
Blutdruckwerten überrascht sind, weil der Durchschnittwert über 135/85 mm
Hg liegt, lassen Sie es Ihre Ärztin/Ihren Arzt wissen. Denn ein
unbehandelter Bluthochdruck ist gefährlich.
Weitere Inhalte der Pressemappe zum Welt Hypertonie Tag 2022
- Fakten/„Listings“ zu Bluthochdruck
- Patientengeschichte von Ortwin Stein
- Patientengeschichte Lars Schmidt
- Hintergrundtext: Genetisch bedingter Bluthochdruck
- Faltblatt Blutdruckmessen (inkl. Messtabelle)
- Hintergrundtext: Blutdruckmessgeräte – achten Sie auf das Siegel der
DHL!
- Liste der DHL-zertifizierten Blutdruckmessgeräte
- Banner/Kampagnenmotive zur Social-Media-Verbreitung
- Foto Dr. med. Marcel Schorrlepp, Mainz, Sprecher der AG Hausärztliche
Internisten in der DGIM (Copyright: privat)
- Foto Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Hochdruckliga (Copyright: UKE Hamburg)
Diese Materialien sind abrufbar unter
https://www.hochdruckliga.de/p
[1] (NCD-RisC), Zhou B, Carrillo-Larco RM, Danaei G et al. Worldwide
trends in hypertension prevalence and progress in treatment and control
from 1990 to 2019: a pooled analysis of 1201 population-representative
studies with 104 million participants. Lancet 2021; 398, 957-980.
https://www.thelancet.com/jour
[2] Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 5/2015.
https://www.rki.de/DE/Content/
[3] Sahin B, İlgün G. Risk factors of deaths related to cardiovascular
diseases in World Health Organization (WHO) member countries. Health Soc
Care Community. 2022 Jan; 30 (1): 73-80. doi: 10.1111/hsc.13156. Epub 2020
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