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Mit Druckluft gegen Durchblutungsstörungen. BMBF zeichnet MHB-Projekt AngioAccel aus

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Das Therapiekonzept von AngioAccel erhöht mit Hilfe einer sogenannten
‚Herzhose‘ und EKG-gesteuerter Manschetten den Blutfluss von Patient*innen
mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – einer
Durchblutungsstörung in den Beinen, die vom Volksmund auch
Schaufensterkrankheit genannt wird. Es konnte gezeigt werden, dass sich
mit dem von Ärzten entwickelten Antepulsations-Verfahren die körpereigene
Regeneration der Arterien und Durchblutungsstörungen in den Beinen auch
nicht-invasiv sehr gut behandeln lassen. Das innovative Verfahren bietet
insbesondere auch für bereits in ihrer Mobilität eingeschränkte
Patient*innen einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen
Behandlungsmethoden.

Berlin/Brandenburg an der Havel, 07.04.2022

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der
VIP+ Innovationstagung in Berlin das MHB-Projekt AngioAccel mit dem
Innovationspreis 2022 ausgezeichnet.

„Wir freuen uns riesig über diese Auszeichnung! Unser VIP+ gefördertes
AngioAccel-Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung und Validierung
eines Medizinproduktes, das zur Behandlung der peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit eingesetzt werden kann. Dabei gehen die Arterien, die
den Fuß oder das Bein mit Blut und Sauerstoff versorgen, nach und nach zu.
Durch den geringeren Blutfluss kommt es zu einer geringeren
Sauerstoffversorgung, was wiederum zur Folge haben kann, dass betroffene
Personen teilweise weniger als 50 Meter an einem Stück gehen können. Durch
die notwendig werdenden Unterbrechungen wird diese Krankheit vom Volksmund
auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet. In weiter fortgeschrittenen
Stadien dieser Erkrankung kommt es auch zu Wundbildung, nicht selten kann
es dann auch zu Fuß- oder sogar Beinamputationen kommen. In der VIP+
Validierungsphase ist es uns gelungen, gegen diese Erkrankungen einen
Demonstrator, also eine Art Prototypen, und das erste an der MHB erdachte
Medizinprodukt zu entwickeln“, erklärt Dr. Philipp Hillmeister, Leiter des
Forschungszentrums Angiologie am Städtischen Klinikum Brandenburg, einem
MHB Universitätsklinikum im Verbund.  Das Projekt wurde von Prof. Ivo
Buschmann, Prof. für Angiologie an der MHB sowie Klinikdirektor und
Chefarzt für Angiologie, ins Leben gerufen und dann gemeinsam mit Dr.
Philipp Hillmeister umgesetzt und weiterentwickelt.

„Der Auszeichnung und Preisverleihung ging eine intensive Phase der
Prüfung und Vorbereitung voraus. So mussten wir nicht nur den Nachweis der
Machbarkeit, sondern mit Pilotanwendungen und Testreihen auch die
prinzipielle Tauglichkeit und Akzeptanz unserer Anwendung nachweisen. Wir
haben in den vergangenen Jahren rund 1000 Patient*innen angiologisch in
unserer Forschungsambulanz, dem „Lauflabor“ untersucht. Dabei konnten wir
zeigen, dass sich mit dem von uns entwickelten Antepulsations-Verfahren
die körpereigene Regeneration der Arterien und Durchblutungsstörungen in
den Beinen auch nicht-invasiv sehr gut behandeln lassen. Dabei werden
Manschetten um Hüfte und Oberschenkel gewickelt, so dass durch regelmäßige
Druckluftstöße eine Art Training simuliert wird. Die durch Druckluftstöße
vermittelte Kompression der Beine führt zu einer Beschleunigung des
Blutflusses und simuliert effektiv so körperliches Training. Die Arterien
des Körpers denken dann, der Mensch läuft gerade einen Marathon, obwohl er
in Wirklichkeit im Bett liegt! Unser Verfahren bietet insbesondere auch
für bereits in ihrer Mobilität eingeschränkte Patient*innen einen
deutlichen Vorteil gegenüber anderen Behandlungsmethoden. Unser Projekt
AngioAccel hat es dann auf eine Shortlist mit 10 ausgewählten Projekten
geschafft, was für uns schon eine tolle Anerkennung bedeutet hat. Das wir
jetzt mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg neben der TU München,
dem Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und
Verpackungstechnik (AVV) und der TU Dresden sogar zu den drei
gleichrangigen Trägern des Innovationspreises 2022 gehören, macht uns
glücklich und auch ein wenig stolz“, ergänzt Prof. Ivo Buschmann.

„Das Therapiekonzept von AngioAccel erhöht mit Hilfe einer sogenannten
‚Herzhose‘ und EKG-gesteuerter Manschetten den Blutfluss von Patient*innen
mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) – einer
Durchblutungsstörung in den Beinen. Das führt dazu, dass diese deutlich
mobiler werden. Ziel des Vorhabens AngioAccel war im Programm VIP+, das
Therapiekonzept an Patient*innen mit dem Krankheitsbild zu validieren. Die
im Programm durchgeführten Arbeiten waren äußerst erfolgreich. Die
Lebensqualität und Mobilität von den Patient*innen ist stark gestiegen:
Sie konnten ihre zurückgelegten Gehstrecken um bis zu 500 Prozent
verlängern“, heißt es in der Begründung durch das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF).

„Forschung ist die Basis für die Wertschöpfung von morgen und zugleich
Garant für eine hochwertige Gesundheitsversorgung. Das hat sich auch in
der Corona-Pandemie gezeigt. Damit aus unserer exzellenten Forschung und
vielen hervorragenden Ideen echte Innovationen werden, ist entscheidend,
dass die Forschungsergebnisse in der Praxis ankommen. Der
Forschungstransfer ist für uns immer zentral. Deshalb fördert das
Bundesforschungsministerium mit dem Programm VIP+ den Transfer von
Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Verwertung und
gesellschaftliche Anwendung. Die ausgezeichneten Projekte eint, dass ihre
Ergebnisse schnell und für viele Bürgerinnen und Bürger oder Unternehmen
nutzbar werden. Die drei Preisträger-Projekte sind mit ihren Innovationen
nicht nur echte Vorreiter auf ihren jeweiligen Gebieten, sondern haben das
Potenzial für eine bessere Gesundheitsversorgung oder nachhaltigere
Produkte“, erklärt Dr. h. c. Thomas Sattelberger, der zuständige
Parlamentarische Staatssekretär im BMBF.

Der Preis wird in einem Turnus von zwei Jahren an wissenschaftliche
Projekte verliehen, die Forschungsergebnisse vorbildlich in innovative
Anwendungen umgesetzt haben. Auf den Preis können sich dabei Projekte aus
allen Fachrichtungen und Wissenschaftsdisziplinen bewerben.

Zum Hintergrund

Das BMBF hatte das Förderprogramm „Validierung des technologischen und
gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung
(VIP+)“ im Jahr 2015 gestartet. Das Programm unterstützt
Wissenschaftler*innen dabei, exzellente technologische und nicht-
technologische Ergebnisse ihrer Forschung hinsichtlich einer späteren
Anwendung oder Verwertung zu überprüfen. Die Projekte testen ihre
Ergebnisse dahingehend, ob sie tatsächlich praxistauglich und umsetzbar
sind, beispielsweise in Anwendungsbereichen mit hohem wirtschaftlichen
oder gesellschaftlichen Nutzen. Damit trägt VIP+ auch dazu bei, die
Transferkultur in allen beteiligten Einrichtungen zu stärken. Seit dem
Start von VIP+ wurden 175 Projekte mit einem Fördervolumen von fast 200
Millionen Euro bewilligt. Im Zeitraum von fünf Jahren nach Ablauf ihrer
jeweiligen Förderungen durch VIP+ sind aus fast einem Drittel der
ehemaligen Projekte Unternehmensgründungen erfolgt oder Unternehmen
befinden sich in der Gründungsphase. In mehr als einem Fünftel der
abgeschlossenen Projekte werden auf Basis der Arbeiten im Programm VIP+
neue Patente eingereicht.