Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF) ruft auf: Gemeinsam aus der Pandemie – nicht einsam!
Appell des Aktionsbündnisses Angeborene Herzfehler zum Tag des herzkranken
Kindes am 5. Mai.
Was für viele Menschen „mehr Freiheit“ bedeutet, kann für Menschen mit
Vorerkrankungen, wie zum Beispiel mit einem angeborenen Herzfehler, mehr
Einschränkungen mit sich bringen. Denn für sie war und ist die Maske sowie
das Einhalten des Abstandes ein wichtiger Schutz vor einer Corona-
Infektion, die für sie lebensbedrohlich sein könnte.
Die meisten Corona-Maßnahmen wurden bereits aufgehoben, auch die
Maskenpflicht in vielen wichtigen Lebensbereichen wie beispielsweise
Einkaufszentren, Supermärkten und Schulen. Die Infektionszahlen sind
weiterhin hoch, das Risiko sich anzustecken ebenso. „Für Risikogruppen
kann die Maske lebenswichtig sein. Nicht nur, dass sie selbst eine Maske
tragen und Abstand halten, sondern auch ihr nahes Umfeld wie
Familienangehörige, Lehrer, Mitschüler und Arbeitskollegen“, sagt Kai
Rüenbrink, Sprecher des Aktionsbündnisses Angeborene Herzfehler (ABAHF).
Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht von vulnerablen Gruppen, wenn die
Betroffenen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19
haben. Das betrifft zum einen Ältere, aber auch viele Kinder und
Jugendliche mit Vorerkrankungen. Dazu zählen etwa Patienten mit schweren
angeborenen Herzfehlern, Lungenerkrankungen oder Krebs, aber auch mit
Immunschwäche, angeboren oder verursacht durch Immunsuppressiva, die das
Immunsystem herabsetzen.
Die Maskenpflicht insbesondere in Geschäften des essenziellen, täglichen
Bedarfs gänzlich aufzugeben, hält nicht nur die Virologin Prof. Ulrike
Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen
Universität München / Helmholtz Zentrum München, „für einen großen
Fehler“. Für so einen Schritt seien die Infektionszahlen noch zu hoch und
die Risikogruppen würden durch die Lockerungen zusätzlich gefährdet. Ein
Risikopatient könne zwar weiterhin eine Maske tragen - "dies reicht aber
nicht aus. Alle bisherigen Studien haben gezeigt, dass alle Maske tragen
müssen, damit der gewünschte Effekt erreicht wird“, so Prof. Protzer.
Verschiedene Institute haben FFP2-Masken als effektives Mittel im Kampf
gegen die Pandemie belegt (siehe Bundesministerium für Gesundheit ¹).
Menschen mit Vorerkrankungen und deren Angehörige haben in den letzten
zwei Jahren vieles getan, um sich und ihre Lieben bisher gut durch die
Pandemie zu bringen. Sie haben sich mehrfach impfen lassen,
Hygienemaßnahmen konsequent eingehalten und Menschenmassen, sprich
Veranstaltungen oder auch Treffen mit Familie und Freunden, gänzlich
gemieden.
Auch diese Menschen sehnen sich nach Freiheit und sozialen Kontakten, nur
ist es nicht so einfach, denn für sie könnte das Risiko weiterhin erhöht
sein. Deshalb werden sie auch zukünftig ihre Maske tragen. Sie hoffen
einerseits auf das Verständnis ihrer Umgebung und andererseits, dass viele
Mitmenschen es ihnen gleichtun: Denn somit erhöht sich, nicht nur für sie
selbst, sondern auch für alle anderen der Schutz vor einer Infektion.
Betroffene wünschen sich Rücksicht und Vorsicht im Alltag
Romina ist 27 Jahre alt. Sie hat eine Blutgerinnungsstörung und einen
schweren angeborenen Herzfehler, ein sogenanntes Einkammerherz. Romina
arbeitet in einer Arztpraxis. Durch die dort umgesetzte Maskenpflicht
fühlt sie sich im beruflichen Umfeld gut geschützt. In Alltagssituationen,
zum Beispiel beim Einkaufen, sieht sie inzwischen viele Menschen ohne
Masken und fühlt sich unwohl: „Zurzeit meide ich es, einkaufen zu gehen.
[...] Jeder kennt doch eine Person, die zur Risikogruppe gehört. Ich
finde, es ist nicht zu viel verlangt, wenn man für eine halbe Stunde oder
zwanzig Minuten eine Maske trägt.“
Romina missgönnt niemandem den Restaurantbesuch, das Treffen mit Freunden
oder die nächste Party. Aber sie hat Angst. Alles, was sie sich wünscht,
ist, nicht vergessen zu werden: Durch mehr Beachtung ihrer Situation sowie
Hilfe seitens der Politik. Aber auch durch die Solidarität ihrer
Mitmenschen im Alltag, weil sie darauf angewiesen ist.
Ebenso ist für viele Herzkinder und deren Familien der Schulbesuch auch im
dritten Pandemiejahr eine große Herausforderung. „Es bereitet uns große
Sorgen, dass unser Sohn mit seinem angeborenen Herzfehler trotz weiterhin
fehlender Regelungen zur Schulteilhabe vulnerabler Kinder und ohne Corona-
Schutzmaßnahmen am Unterricht teilnehmen muss“, sagt Samuel S.*, Vater
eines neunjährigen Schülers. „Wir würden uns mehr Unterstützung durch
Lehrkräfte, Schulleitung und Mitschüler unseres Sohnes wünschen.
Maskentragen und regelmäßige Testungen könnten mit geringem Aufwand Schutz
und Integration in die Klasse gewährleisten. Aus den Arztbesuchen ist
unserem Sohn bewusst, dass er ein hohes Risiko hat, daher bedeutet der
Schulbesuch für ihn nicht nur eine hohe Gesundheitsgefährdung, sondern
auch eine hohe psychische Angstbelastung“.
Wir machen mit und übernehmen mit Maske und Abstand Verantwortung
füreinander. Um auch denen Freiheit zu ermöglichen, die die Lockerungen
mit Sorge betrachten müssen. Daher unser Aufruf: Gemeinsam aus der
Pandemie - nicht einsam!
Das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF)
Um in der Öffentlichkeit mit einer Stimme für eine bessere Versorgung von
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern und
deren Familien einzutreten und ihnen noch effektiver zu helfen, haben sich
2014 auf Initiative der Deutschen Herzstiftung e. V. sechs bundesweit
tätige Patientenorganisationen zum „Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler“
(ABAHF) zusammengeschlossen. Die Organisationen sind: Bundesverband
Herzkranke Kinder e.V., Bundesverein Jemah e.V., Fontanherzen e.V.,
Herzkind e.V., Interessengemeinschaft Das Herzkranke Kind e.V. und die
Kinderherzstiftung der Deutschen Herzstiftung e.V.
Informationen:
¹ <https://www.zusammengegencoro
kann-bei-der-eindaemmung-der-e
* Name ist der Pressestelle der Deutschen Herzstiftung e.V. bekannt
Der kostenlose Ratgeber „Leben mit angeborenem Herzfehler im
Erwachsenenalter. Ein Leitfaden“ kann entweder telefonisch unter 069
955128-400, per E-Mail an <
die Internetseite der Herzstiftung angefordert werden.
