Coronaviren auf Glas: Handelsübliche Spülmittel und manuelle Gläserspülgeräte entfernen Viren effektiv
BfR-Studie liefert Daten zur Stabilität von Coronaviren auf Glasoberflä-
chen und ihrer Inaktivierung durch herkömmliche Spülverfahren
Ob zuhause, in der Kantine oder im Restaurant - immer wieder steht die
Frage im Raum, ob das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 auch über Geschirr
oder Trinkgläser übertragen werden kann. In der Regel werden Infektionen
mit Coronaviren über Tröpfchen und Aerosole direkt von Mensch zu Mensch
weitergegeben. Auch wenn Schmierinfektionen nicht ausgeschlossen werden
können, gibt es für die indirekte Übertragung des Virus durch
kontaminierte Gegenstände und Oberflächen bislang keine belastbaren
Belege. Dennoch nehmen Trinkgläser bei diesen Überlegungen eine besondere
Stellung ein, da sie in direkten Kontakt mit dem Mund und der Mundhöhle
kommen. Ein Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Risikobewertung
(BfR) liefert nun neue Erkenntnisse. „Coronaviren sind auf Glas relativ
stabil - das bestätigen unsere Untersuchungen. Eine ausreichende Reinigung
von Trinkgläsern ist daher wichtig,“ so BfR-Präsident Professor Dr. Dr.
Andreas Hensel. „Unsere Daten zeigen, dass handelsübliche Spülmittel und
manuelle Gläserspülgeräte Coronaviren effektiv von Trinkgläsern entfernen
können.“
Die Studie wurde am 6. April 2022 in dem wissenschaftlichen Fachjournal
Food Microbiology veröffentlicht:
<https://doi.org/10.1016/j.fm.
Für die Untersuchungen wurde das dem SARS-CoV-2 verwandte humane
Coronavirus 229E, das beim Menschen zu milden Atemwegserkrankungen führen
kann und oft als Modellvirus für humane Coronaviren eingesetzt wird,
verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass Coronaviren nach dem Trocknen auf
Glas für Tage bis Wochen infektiös bleiben können. Dabei hat die
Lichteinwirkung einen großen Einfluss. Bei Lagerung bei Tageslicht konnten
infektiöse Coronaviren bis zu sieben Tage und bei Dunkelheit bis zu 21
Tage nachgewiesen werden. Als behüllte Viren, deren Erbgut von einer
Fettschicht umgeben ist, reagieren Coronaviren empfindlich auf fettlösende
Substanzen wie Alkohole und Tenside, die als Fettlöser in Seifen und
Geschirrspülmitteln enthalten sind. Die Untersuchungen des BfR zeigten,
dass die meisten handelsüblichen Spülmittel Coronaviren in Spülwasser mit
einer Temperatur von 23 Grad Celsius innerhalb von 15 Sekunden ausreichend
inaktivieren. Lediglich bei einem Spülmittel mit einem geringeren
Gesamtgehalt an Tensiden war dafür eine höhere Temperatur von 43 Grad
Celsius und eine längere Einwirkzeit von 60 Sekunden nötig. Mit einem
manuellen Gläserspülgerät nach DIN 6653-3 konnten Coronaviren auch bei der
Verwendung kalten Wassers effektiv von den Gläsern entfernt werden.
Die Ergebnisse der BfR-Studie zeigen, dass sich sowohl beim Handspülen als
auch bei der Nutzung manueller Gläserspülgeräte Coronaviren ausreichend
von Trinkgläsern entfernen lassen. Voraussetzung hierfür ist die
ordnungsgemäße Durchführung des Spülens, die unter anderem einen
ausreichend häufigen Wasserwechsel, die Verwendung der vom Hersteller
empfohlenen Spülmittelkonzentrationen und eine ausreichende manuelle
Schmutzbeseitigung beinhaltet.
Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich
unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die
Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und
Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in
engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
