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Zum Weltblutkrebstag am 28. Mai: Prof. Dr. Andreas Neubauer über neue Therapien gegen Leukämie

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„Die Leukämieforschung hat in den vergangenen zehn bis 15 Jahren große
Fortschritte gemacht. Gerade bei akuten Leukämien, die oft innerhalb
weniger Tage oder Wochen zum Tod führen können, stehen uns heute mehrere
Therapien zur Verfügung, um viele der betroffenen Patienten zu retten“,
erklärt Prof. Dr. Andreas Neubauer zum morgigen Weltblutkrebstag (28. Mai)
und sagt: „Das ist auch der Grund, warum die Arbeit von José Carreras und
seiner José Carreras Leukämie-Stiftung, die über Spenden vor allem die
Forschung fördert, so wichtig ist.“


Der Direktor der Klinik für Innere Medizin und Hämatologie, Onkologie,
Immunologie und Leiter des Carreras Leukämie Zentrums am
Universitätsklinikum Marburg ist einer der renommiertesten
Leukämieexperten in Deutschland und engagiert sich auch ehrenamtlich als
Mitglied des Vorstands der José Carreras Leukämie-Stiftung für den Kampf
gegen den Blutkrebs.

Neben einer Chemotherapie setzen die Mediziner heute auf die
Immuntherapie. Den Ansatz, mit Blutzellen Krebs zu heilen, hatte Prof. Dr.
Hans-Jochem Kolb aus München begründet, der seit vielen Jahren dem
Wissenschaftlichen Beirat der José Carreras Leukämie-Stiftung angehört.
„Kolb hätte dafür den Medizin-Nobelpreis bekommen müssen“, findet Prof.
Neubauer und erklärt: „Im Vergleich zu einer Chemotherapie ist eine
Immuntherapie hochwirksam und verursacht in der Regel weniger
Nebenwirkungen. In Einzelfällen treten aber auch bei einer Immuntherapie
Nebenwirkungen auf, die dann leider auch verheerend sein können.“

Eine weitere Therapierichtung, die gerade bei einigen Leukämien sehr gute
Ergebnisse erzielt, ist die Orale zielgerichtete Therapie, also die
Einnahme von Tabletten. Prof. Neubauer: „Dabei greifen zielgerichtete
Wirkstoffe das Wachstum oder den Stoffwechsel der Krebszellen an und
stoppen so die Ausbreitung des Tumors. Wie die Immuntherapie ermöglicht
uns auch die Oral zielgerichtete Therapie neue Wege zu gehen und mehr
Patienten zu helfen.“

Solche Erfolge, die Leben retten und Leid lindern, seien nur über
medizinische Forschung möglich, sagt Prof. Neubauer: „Am Anfang eines
Forschungsprojektes weiß man in der Regel nicht, wer alles am Ende davon
profitiert. So konnte das BionTech-Ehepaar Özlem Türeci und Ugur Sahin die
Corona-Impfung nur deshalb in, wie sie selbst sagen,
,Lichtgeschwindigkeit‘ entwickeln, weil sie seit Jahrzehnten an der
Entwicklung von Krebsmedikamenten geforscht hatten.“

Neben der Medizin spiele aber auch eine gesunde Lebensweise eine
entscheidende Rolle, um den Krebs zu bekämpfen oder erst gar nicht
entstehen zu lassen, erklärt Prof. Neubauer: „Durch den Verzicht auf Gifte
wie Nikotin und Alkohol, regelmäßige Bewegung, ein vernünftiges Gewicht
und eine ausgeglichene Work-Life-Balance ohne zu viel negativen Stress
können wir unser Immunsystem unfassbar stärken und das Risiko, an Krebs zu
erkranken, um mehr als 40 Prozent senken. Bei ehemaligen Krebspatienten
ist so eine gesunde Lebensweise oft wirkungsvoller als eine adjuvante
Chemotherapie, bei der nach der eigentlichen Krebstherapie die letzten
noch im Körper verbliebenen Krebszellen vernichtet werden sollen, um einen
Rückfall zu verhindern.“

Die Corona-Pandemie sei, so der Chefarzt, für seine Patienten eine
besondere Belastung gewesen. „Wir haben bereits die ersten Berichte aus
China sehr ernst genommen und die Sicherheitsmaßnahmen umgehend
hochgefahren. So ist es uns gelungen, dass wir bislang keinen
Coronaausbruch auf unserer Station hatten. Mit der Corona-Impfung ist dann
ein echter Durchbruch erzielt worden. Auch wenn Krebspatienten aufgrund
ihres geschwächten Immunsystems weniger gut auf eine Impfung reagieren,
rate ich geraden diesen Menschen dringend, sich zu schützen. Einer meiner
Patienten, der selbst Mediziner ist, hat sich mittlerweile acht Mal impfen
lassen und ist bislang ohne eine Erkrankung durch die Pandemie gekommen.“

Originalpublikation:
https://www.carreras-stiftung.de/medienzentum/pressemitteilungen/