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Deutsche Leberstiftung zum Tag der Organspende: Leberzirrhose ist häufigster Grund für eine Lebertransplantation

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Nach zwei Jahren, in denen zum Tag der Organspende virtuelle
Veranstaltungen stattfanden, wird 2022 auf das lebenswichtige Thema wieder
mit einer Präsenzveranstaltung hingewiesen. Am 4. Juni 2022 sollen in der
diesjährigen Partnerstadt Mainz mit der Aufforderung „Zeit, Zeichen zu
setzen“ Menschen motiviert werden, eine individuelle Entscheidung zur
Organspende zu treffen.

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers, das zahlreiche
lebenswichtige Aufgaben erfüllt. Wenn die Leber versagt, ist die
Lebertransplantation bis heute die einzige Therapiemöglichkeit.

Der häufigste Grund für eine Transplantation der Leber in den westlichen
Ländern ist die Leberzirrhose, die durch verschiedene Lebererkrankungen
verursacht sein kann. Während in den letzten Jahren die chronische
Hepatitis C immer seltener die Ursache für eine Leberzirrhose ist, nimmt
die durch die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis (NASH) bedingte
Leberzirrhose immer stärker zu. Auch andere Erkrankungen, übermäßiger
Alkoholkonsum oder Vergiftungen können Gründe für eine Leberzirrhose sein.

Bei einer fortgeschrittenen chronischen Lebererkrankung vernarbt die Leber
immer stärker, das gesunde Lebergewebe wird verdrängt. Dieser Vorgang kann
in einer Leberzirrhose münden. Die chronischen Schädigungen der Leber
führen zu einer Zerstörung der Leberzellen. So verliert die Leber immer
mehr die Fähigkeit, ihre Aufgaben zu erfüllen. Anfangs reicht das
restliche Lebergewebe noch aus, um die Funktion der Leber in normalen
Lebenssituationen aufrechtzuerhalten. Wenn aber immer mehr Leberzellen
zugrunde gehen, kann die Leber ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend
bewältigen und es kommt zu einem Leberversagen.

Im ersten Quartal 2022 ist nach Angaben der Deutschen Stiftung
Organtransplantation (DSO) ein starker Rückgang von Organspendern und
Organentnahmen zu verzeichnen. Die Zahl der Organspenden ist um fast ein
Drittel gesunken. Eine unerwartete Entwicklung, da Deutschland im
Vergleich zu den meisten anderen Ländern bislang ohne negative
Auswirkungen auf die Organspende durch die Corona-Pandemie gekommen ist.
Ein Grund für den Rückgang könnte laut DSO unter anderem die angespannte
Situation in den Kliniken sein.

Auch die Zahl der postmortalen Lebertransplantationen ist im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum von Januar bis April um 25,7 Prozent reduziert. Diese
Entwicklung ist besonders dramatisch, da das lebenswichtige Organ Leber
zahlreiche Funktionen im Körper hat, die so vielfältig und komplex sind,
dass sie nicht über einen längeren Zeitraum mit medizinischen Apparaten zu
ersetzen sind.

Die Relevanz des Themas Organspende kennt auch Egbert Trowe,
Vorstandsmitglied Lebertransplantierte Deutschland e. V.: Trowe wurde 2002
im Alter von 57 Jahren eine Spenderleber transplantiert, nachdem eine
unerkannte Virushepatitis seine Leber so stark unumkehrbar geschädigt
hatte, dass sie ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen
konnte. Seit mehreren Jahren ist Trowe Mitorganisator und Teilnehmer der
Aktion „Geschenkte Lebensjahre“, die beim Tag der Organspende zum festen
Programm zählt.

„Es freut mich, dass wir in diesem Jahr erstmalig seit dem Beginn der
Corona-Pandemie den Tag der Organspende am ersten Samstag im Juni wieder
mit einer Vor-Ort-Veranstaltung begehen können. Mit der Aufforderung
‘Zeit, Zeichen zu setzen‘ sollen die Menschen in ganz Deutschland
motiviert werden, eine persönliche Entscheidung zur Organspende zu
treffen“, erklärt Egbert Trowe und ergänzt: „Der coronabedingte Rückgang
der Organspendezahlen in Deutschland im ersten Quartal 2022 zeigt uns, wie
wichtig es ist, dass alle Akteure im Prozess der Organspende trotz
widriger Umstände die schwer kranken Menschen auf den Wartelisten nicht
aus den Augen verlieren. Wir brauchen weiterhin die aktive Zustimmung aus
der Bevölkerung und auch das engagierte Handeln der Kliniken und
Organisationen.“

Auf der Warteliste für eine Lebertransplantation standen in Deutschland im
Jahr 2021 fast 1.400 Menschen – transplantiert wurden 834 Spenderorgane.
Noch immer sterben täglich Menschen, denen mit einer Transplantation hätte
geholfen werden können.

Vor den 1950er-Jahren war das Ersetzen von kranken oder verletzten
Körperteilen nur eine Szenerie in fantastischen Romanen oder Science-
Fiction-Filmen. Doch seit Mitte der 50er-Jahre in den USA die erste
Nierentransplantation und 1967 in Kapstadt die erste Herztransplantation
gelang, übersteigt der Bedarf an Organen, die schwer kranken Menschen das
Leben retten könnten, die Zahl der verfügbaren Organe. Und seit jeher wird
versucht, mehr Menschen zu einer (positiven) Entscheidung in Bezug auf die
Organspende zu motivieren.

Die Gesundheitsbehörde in Hamburg machte am 3. November 1971 mit der
Ausgabe des ersten Organspendeausweises erstmalig einen Vorstoß, die
Spendebereitschaft zu erhöhen. Das kleine Kärtchen feierte also im letzten
Jahr bereits seinen fünfzigsten Geburtstag, doch angesichts der sinkenden
Transplantationszahlen ist es so aktuell und wichtig wie nie.

Das erläutert auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung,
Prof. Dr. Michael P. Manns: „Es ist wirklich an der Zeit, Zeichen zu
setzen. Jeder sollte seine Entscheidung entweder in einem
Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung schriftlich
dokumentieren. Ich hoffe, dass mit dem am 1. März 2022 in Kraft getretenen
Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende
tatsächlich mehr Menschen aktiv werden. Eine Transplantation ist zwar ein
hochkomplexes Verfahren, aber wir sind in der Lage, durch die
interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr gute Heilerfolge erzielen – und
könnten noch mehr Menschen heilen, wenn ausreichend Organe zur Verfügung
stehen würden.“

Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt zum Thema
„Leber und Transplantation“ an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der
Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.