AWMF: Sektorenübergreifende und regionale Krankenhausplanung dringend notwendig
Eine Krankenhausreform, die eine wissenschaftlich begründete, Patient
*innen-zentrierte und ressourcenbewusste Gesundheitsversorgung zum Ziel
hat, kann nur durch eine sektorenübergreifende und regionale
Versorgungsplanung gelingen. Darauf weist die AG „Medizin und Ökonomie“
der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer
Fachgesellschaften e.V. (AWMF) hin. Gleichzeitig begrüßt sie, dass die zur
Vorbereitung einer Krankenhausreform eingesetzte Regierungskommission
wissenschaftlich ausgerichtet ist und auch die wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften gehört werden sollen.
In einer aktuellen Stellungnahme hat die AG Medizin und Ökonomie der AWMF
festgehalten, welche Aspekte bei der anstehenden Krankenhausreform
berücksichtigt werden sollten.
******************************
Derzeit schließen in Deutschland immer wieder Kliniken, weil sie defizitär
arbeiten und rote Zahlen schreiben. „Wir begrüßen, dass die
Bundesregierung diese unkontrollierten Klinikschließungen beenden will und
im Rahmen einer Regierungskommission auch unter Einbeziehung der
wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften nun eine
Krankenhausreform vorbereitet“, betont Professor Dr. med. Rolf-Detlef
Treede, AWMF-Präsident. „Die AWMF und die in ihr organisierten 182
Fachgesellschaften mit circa 250.000 Ärztinnen und Ärzten sowie
Angehörigen weiterer Gesundheitsfachberufe steht für einen zeitnahen
Austausch gerne zur Verfügung.“
„Aus Sicht der AWMF kann eine solche Strukturreform nur dann gelingen,
wenn eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung erfolgt, in die der
ambulante Sektor mit einbezogen wird. Nur so kann sichergestellt werden,
dass an der Schnittstelle zwischen ambulanter zu stationärer Versorgung
nicht wie heute wertvolle Informationen verloren gehen oder es zu Brüchen
und Versorgungsproblemen kommt“, betont Professor Dr. med. Fred Zepp,
stellvertretender Präsident der AWMF.
„Da die Versorgungsstruktur in Städten häufig eine andere ist als auf dem
Land, fordern wir als AWMF auch, dass die Krankenhausplanung regional
erfolgt“, sagt Dr. med. Manfred Gogol, Schatzmeister der AWMF. Nach
Auffassung der AG „Medizin und Ökonomie“ der AWMF sollte sich die
regionale Planung neben der erwarteten demografischen Entwicklung
insbesondere an dem tatsächlichen diagnose- und schweregradorientierten
Behandlungs- und Pflegebedarf orientieren. So könne es beispielsweise
sein, dass aufgrund der demografischen Entwicklung in ländlichen Gebieten
die Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten sinkt, zugleich jedoch
ältere, vielfach erkrankte Patientinnen und Patienten häufig höhere
Versorgungsaufwände haben. Dieser verstärkte Behandlungsbedarf müsse in
die Planung einbezogen werden.
Insgesamt sei es auch notwendig, dass die Krankenhäuser und die ambulant
Versorgenden gemeinsam an ihrer Versorgungsqualität gemessen werden. „Hier
soll in Zukunft die Kontinuität der Versorgung, die Kommunikation mit
Patientinnen und Patienten sowie die Indikations- und Ergebnisqualität
einbezogen werden“, erläutert Dr. med. Monika Nothacker, stellv. Leiterin
des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi).
Insbesondere bei der Indikationsqualität können Leitlinien unterstützen,
die jeweils den aktuellen Stand des Wissens zusammenfassen und damit die
Grundlage für vertrauenswürdige Entscheidungen in der Behandlung von
Patientinnen und Patienten bilden.
Zugleich brauche es eine grundlegende sektorenübergreifende Reform der
Vergütung. „Die derzeitige duale Finanzierung sowie der
gesundheitspolitisch forcierte Wettbewerb zwischen den
Leistungsanbietenden stehen einer ressourcenbewussten Versorgung in vielen
Bereichen entgegen, auch dies muss sich dringend ändern“, betont Zepp. Zur
Überwindung der Sektorengrenzen setzen sich die wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften außerdem für neue, ebenfalls
sektorenübergreifende und interprofessionelle Versorgungskonzepte in Form
von Zentren und Netzwerken ein. „Nur so kann im Sinne einer
evidenzbasierten hochwertigen Patient*innenversorgung die Ergebnisqualität
verbessert werden, die das Primat der zukünftigen Versorgungsplanung sein
muss“, sagt Zepp.
Hier gelangen Sie zur ausführlichen Stellungnahme:
<https://www.awmf.org/fileadmi
*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. ***
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF) e. V. bündelt die Interessen der medizinischen
Wissenschaft und trägt sie verstärkt nach außen. Sie handelt dabei im
Auftrag ihrer 182 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften.
Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem
Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die
AWMF seitdem Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese im
wissenschaftlichen und politischen Raum. Die AWMF ist Ansprechpartner für
gesundheitspolitische Entscheidungsträger, wie den Gemeinsamen
Bundesausschuss, und koordiniert die Entwicklung und Aktualisierung
medizinisch-wissenschaftlicher Leitlinien in Deutschland. Jede
gemeinnützige Fachgesellschaft in Deutschland kann Mitglied werden, sofern
sie sich wissenschaftlichen Fragen der Medizin widmet. Die AWMF finanziert
sich vorwiegend durch die Beiträge ihrer Mitgliedsgesellschaften und
Spenden.
